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Monday, May 11, 2026

Welttag des Buches: Lesegewohnheiten von Kindern im Wandel

Im Jahr 2025 war laut Hauptverband des Österreichischen Buchhandels (HVB), der Interessenvertretung der Buchbranche, das Segment Kinder- und Jugendbücher das zweitgrößte hinter Belletristik und eines der wenigen, das sogar stärkere Umsätze hatte als in den Jahren davor. Das passt nicht zum gängigen Bild, da Kinder ihre Freizeit vermehrt am Handy verbringen.

Wie viel von der heimischen Jugend gelesen wird, wird nicht erfasst. Der Österreichische Buchklub der Jugend, eine Organisation zur Literatur- und Leseförderung, und auch Verlage berufen sich auf zwei Studien aus Deutschland: Diese erfassen regelmäßig die Mediennutzung der Sechs- bis 19-Jährigen.

In diesen Studien zeigt sich, dass nicht nur die Smartphone- und Internetnutzung seit Jahren stagniert. Die Zeit, die Kinder und Jugendliche pro Woche mit Lesen verbringen, hat sich in den vergangenen Jahren ebenfalls nur wenig verändert.

Getty Images/Westend61/Elena Medoks

Der soziale Hintergrund von Kindern und Jugendlichen spielt beim Leseverhalten eine Rolle

Schere öffnet sich

Der Buchklub der Jugend sieht den Grund für die Stabilität des Kinder- und Jugendbuchmarktes vor allem darin, dass in der Bevölkerung grundsätzlich ein starkes Bewusstsein für die Relevanz des Lesens besteht, Verlage teilen diese Ansicht.

Die steigenden Umsätze seien aber nicht darauf zurückzuführen, dass mehr Kinder und Jugendliche lesen, sagt Katrin Feiner vom Tyrolia Verlag gegenüber ORF.at. Eine Rolle spiele der sozialen Hintergrund. Kinder aus finanziell besser gestellten Familien hatten schon in der Vergangenheit mehr gelesen, dieser Umstand habe sich im Laufe der Zeit noch weiter verstärkt. „Wir sehen da eine Schere, die aufgeht“, so Feiner.

Über die Lesegewohnheiten der Jugendlichen könnte man laut Johannes Knöbl vom Buchklub der Jugend Ähnliches sagen. Zwar hatten soziale Netzwerke in den letzten Jahren einen regelrechten Hype ums Lesen generiert, dieser erreiche aber vor allem Jugendliche, die ohnehin gerne lesen, und verstärkten deren Lesegewohnheiten, so Knöbl gegenüber ORF.at.

Der Buchmarkt reagiert auf Veränderungen

Knöbl verweist aber auf das Potenzial, das soziale Netzwerke bieten, wenn es darum geht, Kinder und Jugendliche für das Lesen zu begeistern. Früher habe der breitere Austausch nur bei gehypten Büchern stattgefunden. Über soziale Netzwerke sei die Chance auf Austausch nun größer, so Knöbl. Dieser Austausch ist sehr wichtig, um die Motivation und den Spaß am Lesen zu fördern.

Zugleich sind soziale Netzwerke wie Instagram und TikTok stark visuell ausgerichtet. Ein Umstand, der auch den Buchmarkt verändert. Diese reagierten mit Sondereditionen, farblich verzierten Buchschnitten und mehr Bildern. Ein Zeichen für weniger Komplexität sei das aber nicht: „Gerade in Jugendbüchern steht bei Bildern der künstlerischen Aspekt im Vordergrund“, so Feiner.

Handel im Vorteil

Bei Texten, die in Schulen gelesen werden, beobachtet der Buchklub der Jugend einen Trend zu einfacheren, weniger komplexen Inhalten, sagt Knöbl. Das habe Folgen: Zwar führt es dazu, dass auch Kinder, die sich mit dem Lesen schwer tun, nicht überfordert werden. Doch bestehe zugleich die Gefahr, dass man Kinder, die schon besser lesen können, demotiviert.

Feiner sieht den Buchhandel in der vergleichsweise besseren Position: „Hier haben wir im Buchhandel einen deutlichen Vorteil gegenüber den Schulen, da eine große Bandbreite abgedeckt werden kann. Natürlich hätten wir auch lieber das eine Buch, das alle gern lesen“, so Feiner. Doch könnte über Inhalt und Niveau frei entschieden werden, im Gegensatz zu Schulen, wo der Lesestoff festgelegt ist.

Dass Kinder nach wie vor vergleichsweise viel lesen, sieht feiner aus, als das Ergebnis zahlreicher Versuche verschiedener Seiten. Diese dürften auch nicht nachlassen, appelliert sie. Es gibt zwar viel Bewusstsein für die Relevanz des Lesens von Büchern, aber die Konkurrenz durch andere Inhalte ist groß.

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