2018 war ich zum ersten und einzigen Mal als Reporter bei einem Kandidatenturnier. Der Herausforderer für den damals noch regierenden Weltmeister Magnus Carlsen wurde damals im „Kühlhaus am Gleisdreieck“ in Berlin-Kreuzberg ermittelt, ein Veranstaltungsort mit industriellem Sichtbeton-Charme, der bald den Spitznamen „Der Bunker“ bekam. An der Frontseite des Bunkers hatte die Firma „World Chess“, die das Turnier im Auftrag der FIDE organisierte, als Werbemaßnahme ein riesiges Banner anbringen ließ, auf dem Stand: „Das Betreten dieses Gebäudes könnte Ihren IQ erheblich steigern. Schach macht das mit Menschen.“
Nach einem wilden Turnier mit einem hohen Quote – nicht nur an Intelligenz, sondern auch an entschiedenen Parteien, setzte sich am Ende Fabiano Caruana durch. Den besten Start hatte aber Wladimir Kramnik erwischt, der seinen Stil für die letzte Chance, sich noch einmal für ein WM-Match zu qualifizieren, komplett umgestellt hatte und mit beiden Farben in jeder Partie rücksichtslos auf Gewinn spielte.
Anfangs ging das gut, dann aber kassierte Kramnik Niederlage um Niederlage. Das hielt den Ex-Weltmeister nicht davon ab, in den Pressekonferenzen nach dem Ende seiner Parteien jedes Mal aufs Neue zu behaupten, dass er eigentlich vollständig auf Gewinn gestanden sei und nur aufgrund unerklärlicher Patzer verloren habe.

