Zahlen der Wahlbehörde stürzte Orbans rechtsnationale FIDESZ am Sonntag auf 55 Mandate ab. Sechs weitere Mandate entfielen auf die Rechtspartei Mi Hazank. Bei der Wahl 2022 hatten FIDESZ und seine Satellitenpartei KDNP (Christdemokraten) 135 Sitze gewonnen und das Land mit Zweidrittelmehrheit regiert. Im ungarischen Parlament sitzen insgesamt 199 Abgeordnete.
„Gemeinsam haben wir das Orban-Regime gestürzt – gemeinsam. Wir haben Ungarn befreit, wir haben uns unsere Heimat zurückgeholt“, sagte Magyar am Sonntagabend vor seinen Anhängerinnen und Anhängern in Budapest. Der 45-Jährige sprach von einem „historischen Regierungsmandat“. Mit knapp 80 Prozent wurde ein neuer Rekord bei der Wahlbeteiligung verzeichnet.
Magyar: Werden stärkerer Verbündeter der EU sein
In seiner Rede bekräftigte Magyar, eine Abkehr von Orbans Politik vorzunehmen. Ungarn werde ein stärkerer Verbündeter der EU und der NATO sein, kündigte er an. Ungarn werde künftig an der Europäischen Staatsanwaltschaft (EUStA) teilnehmen, sagte er. Seine erste Reise werde nach Warschau führen, danach folgten Brüssel und Wien, sagte er. In Brüssel werden magyarische EU-Gelder freibekommen, die wegen Verstößen gegen die Rechtsstaatlichkeit bisher von der Kommission eingefroren waren.
Beller: Ungarischer Hut „Botschaft der Einheit“
Peter Magyars Botschaft sei eine „Botschaft der Einheit“. „Er habe ein klares proeuropäisches Zeichen gesetzt und wolle sich gegen die Polarisierung im Land einsetzen“, berichtet ORF-Korrespondentin Miriam Beller.
Außerdem versprach er, Ungarns Demokratie zu stärken und das System der „Checks and Balances“ – das Ausbalancieren der Macht zwischen Legislative, Exekutive und Judikative – wiederherzustellen. Ungarns „unabhängige Institutionen“ seien 16 Jahre lang „gefangen“ gewesen, so Magyar mit Blick auf Orbans durchgehende Regierungsverantwortung.
Mit der parlamentarischen Zweidrittelmehrheit kann Magyar Reformen durchführen, die Verfassungsänderungen erfordern, sowie Amtsträgerinnen und -träger austauschen, die Orban eingesetzt hat. Ohne diese Möglichkeit könnte etwa das Verfassungsgericht Reformvorhaben der künftigen TISZA-Regierung blockieren.
Orban: „Habe der siegreichen Partei gratuliert“
Orban gestand seine Niederlage am Sonntagabend ein. „Die Wahlergebnisse sind, wenn auch noch nicht endgültig, klar. Für uns sind sie schmerzhaft, aber eindeutig“, sagte Orban am Sonntagabend. „Uns ist nicht die Verantwortung und die Chance zum Regieren anvertraut worden. Ich habe der siegreichen Partei gratuliert“, sagte er.
„Was auch immer kommt, wir werden auch in der Opposition der Heimat dienen“, so Orban weiter. „Die Aufgabe ist klar: Nachdem die letzte der Regierungsarbeit nicht mehr auf unseren Schultern liegt, müssen wir unsere eigene Gemeinschaft stärken.“
Gratulationen aus Europa
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb noch am Sonntagabend: Ungarn habe sich für die EU entschieden. Das europäische Herz schlägt in Ungarn nun stärker. Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) gratulierte ebenfalls Magyar. „Die Bevölkerung Ungarns hat mit überwältigender Mehrheit das destruktive Gegeneinander abgewählt und sich für eine proeuropäische Zukunft entschieden“, so Stocker auf der Plattform X.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schrieb auf X von einem Sieg für Ungarn in Europa und dass das ungarische Volk an den Werten der Europäischen Union festhalte. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit für ein starkes, sicheres und vor allem geeintes Europa“, schrieb der deutsche Kanzler Friedrich Merz.
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni gratulierte Magyar und dankte Orban: „Ich danke meinem Freund Viktor Orban für die intensive Zusammenarbeit in diesen Jahren, und ich weiß, dass er auch aus der Opposition heraus weiterhin seinem Land dienen wird“, so Meloni.
Vom FIDESZ-Mandatar zum Oppositionschef
Der 45-jährige Magyar war früher selbst FIDESZ-Abgeordneter und bis 2023 mit der ehemaligen Justizministerin Judit Varga verheiratet. Sein politischer Aufstieg begann im Februar 2024 mit einem regierungskritischen Interview. Mit seiner Partei Respekt und Freiheit (TISZA) – die Abkürzung entspricht dem ungarischen Namen des Flusses Theiß – holte Magyar bei der EU-Wahl 2024 aus dem Stand sieben Mandate.
TISZA wurde Mitglied der Europäischen Volkspartei (EVP), der auch die ÖVP angehört. Seit Herbst 2024 führte die Partei kontinuierlich in den Umfragen aller regierungsunabhängigen Institute Ungarns.

