„Viele Millionen Ungarn werden morgen für ein europäisches, funktionsfähiges, menschliches, freies und unabhängiges Ungarn stimmen“, sagte Magyar am Vorabend der Parlamentswahl am Sonntag in der ostungarischen Stadt Debrecen vor mehr als 10.000 Anhängerinnen und Anhängern seiner bürgerlichen Partei TISZA.
„Die Theiß schwillt an!“, skandierten sie immer wieder. Die Abkürzung TISZA steht für den Parteinamen Respekt und Freiheit und bedeutet auf Ungarisch zugleich den Fluss Theiß, der durch das Land fließt und früher für seine Überschwemmungen bekannt war.
Magyar verspricht Ende der Korruption
„Morgen werden wir die Staatspartei (FIDESZ von Orban) bezwingen und unsere wunderbare Heimat von Korruption, Lüge, Hassrede und Verarmung befreien“, rief Magyar in der Menge. Während Orban russische Agenten holte und den Interessen Moskaus diene, werde seine künftige Regierung das Land wieder in Europa verankern. „Der Platz Ungarns ist, war und wird in Europa sein.“
Für den seit 16 Jahren regierenden Orban und FIDESZ könnte es erstmals nach langer Zeit eng werden. In den meisten Meinungsumfragen lag Magyars TISZA deutlich vor der Regierungspartei. Die Wahllokale schließen um 19.00 Uhr. Mit aussagekräftigen Teilergebnissen wird am späten Sonntagabend gerechnet.
Orban: „Frieden wichtigstes Ziel“
Orban sprach wiederum vor gut 2.000 Anhängerinnen und Anhängern vor der berühmten Fischer-Bastei auf der Budapester Burg. „Frieden ist das wichtigste Ziel dieser Wahl“, sagte er mit Blick auf den Krieg in der von Russland angegriffenen Ukraine.

„Wir werden unsere Kinder nicht in den Krieg (in der Ukraine) ziehen lassen“, betonte er. „Wir haben nichts mit diesem Krieg zu tun, es ist ein Bruderkrieg zwischen zwei slawischen Völkern.“ Orban kämpft seit Monaten hauptsächlich mit Kritik an der Ukraine und Angstmache rund um eine mögliche Verstrickung Ungarns in den Krieg im Nachbarland um Wählerstimmen.
Ungarn vor Richtungswahl
In Ungarn steht eine richtungsweisende Wahl bevor: Erstmals seit 16 Jahren könnte Ministerpräsident Viktor Orban seine Macht verlieren. Umfragen sehen Herausforderer Peter Magyar vorne.
Orban wies gleichzeitig den von vielen Kritikerinnen und Kritikern geäußerten Vorwurf zurück, eine russlandfreundliche Politik zu betreiben. Dass der Vorwurf nicht stimme, zeige sich auch daran, dass die derzeitige US-Regierung ihn unterstütze. Das sei ein Beweis dafür, „dass wir zum Westen gehören“, sagte Orban. US-Präsident Donald Trump hatte Orban Erfolg bei der Wahl gewünscht, Trumps Vize JD Vance unterstützte Orban im Wahlkampf.
Orban: Zeit für Generationswechsel ist noch nicht gekommen
„Er könne verstehen, dass junge Leute einen Generationswechsel in der Politik wünschten“, sagte Orban. Die Zeit dafür sei aber noch nicht gekommen: „Wir leben im Zeitalter der Gefahren“, sagte Orban, daher seien „erfahrene“ Politiker in der Regierung notwendig. Orban ist 62 Jahre alt und seit 16 Jahren durchgehend in Ungarn regiert. Davor hatte er ein weiteres Regierungsmandat von 1998 bis 2002.

