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Tuesday, April 14, 2026

Waffenruhe in Nahost: Weiter Kämpfe und gegenseitige Vorwürfe

Wenige Stunden nach Verkündung der Waffenruhe zwischen den USA, Israel und dem Iran startete Israel am Mittwoch die bisher schwersten Angriffe seit Anfang März im Libanon. Mehr als 250 Menschen kamen bei den Luftangriffen – viele davon mitten in Wohngebieten der Hauptstadt Beirut – laut libanesischem Zivilschutz ums Leben, Hunderte wurden verletzt.

Israel betonte, die vereinbarte Waffenruhe gelte nicht für den Libanon. US-Präsident Donald Trump veröffentlichte diese Sichtweise Stunden später in einem PBS-Interview. Er sagte, der Konflikt im Libanon werde später geregelt.

Laut Vermittler Pakistan ist der Libanon dagegen sehr wohl Teil der Waffenruhevereinbarung. Auch mehrere europäische Staaten fordern, dass auch im Libanon zwischen Israel und der vom Iran finanzierten Schiitenmiliz Hisbollah die Waffen schweigen müssten.

Iran verstärkt verbalen Druck auf USA

Der Iran machte Mittwochabend Druck auf die USA, Israel zur Einstellung der Angriffe im Libanon zu bewegen. „Die Bedingungen für die Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA sind klar und eindeutig: Die USA müssen sich entscheiden – entweder Waffenruhe oder Fortsetzung des Krieges via Israel. Sie können nicht beides haben“, schrieb Außenminister Abbas Araktschi auf der Plattform X.

Teheran droht mit Rückzug aus Waffenruhe

Iranische Medien und der Fernsehsender al-Jazeera berichteten unterdessen, dass Teheran bereit sei, sich aus der Waffenruhe zurückzuziehen und Vergeltung für israelische Angriffe im Libanon zu üben.

„Der Iran wird sich von der Vereinbarung zurückziehen, wenn Israel mit seinen Angriffen auf den Libanon weiter die Waffenruhe verletzt“, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim. Die iranische Revolutionsgarde erklärte im Onlinedienst Telegram: „Israel für die Gräueltaten, die es im Libanon begonnen hat, und die Verletzungen der Waffenruhebedingungen zu bestrafen“.

Israel: Bisher schwerste Angriffe im Libanon

Israel hat im Libanon nach eigenen Angaben seinen bisher größten Angriff seit Kriegsbeginn auf Einrichtungen der radikalislamischen Hisbollah-Miliz durchgeführt. Laut dem libanesischen Gesundheitsministerium wurden bei den Angriffen Dutzende Menschen getötet und Hunderte verletzt.

Drohnen in Saudi-Arabien und Iran

Aber auch außerhalb des Libanons wurde die Waffenruhe durchbrochen. Das saudi-arabische Verteidigungsministerium erklärte am Mittwoch, neun iranische Drohnen abgefangen zu haben. Die Flugobjekte wurden zerstört. Kuwait berichtete von schweren Sachschäden, darunter an Öl- und Entsalzungsanlagen, durch Drohnenangriffe. Zuletzt hatte der Iran immer wieder Drohnen und Raketen auf Golfstaaten abgefeuert.

Der iranische Außenminister Araktschi warf wiederum Israel Verletzungen der Waffenruhe nicht nur im Libanon, sondern auch im Iran vor. Dem iranischen Staatsfernsehen zufolge fing die Armee eine Drohne vom Typ Hermes aus israelischer Produktion über der Stadt Lar ab.

Israel hebt die meisten Einschränkungen auf

Israels Zivilschutz kündigte für Donnerstag die weitgehende Lockerung von Einschränkungen für die Zivilbevölkerung an. Nur für bestimmte Regionen wie den Norden Israels, die nördlichen Golanhöhen sowie den Großraum Tel Aviv sollten dennoch als Voraussetzungen für größere Versammlungen gelten.

Vorläufige Einigung in letzter Minute

Kurz vor Ablauf eines US-Ultimatums hatte Pakistan am Dienstag eine Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA vermittelt. Der pakistanische Regierungschef Shehbaz Sharif erklärte, die Feuerpause solle im gesamten Nahen Osten gelten, einschließlich des Libanon.

Zu den möglichen Verletzungen der Waffenruhe erklärte Sharif am Mittwoch im Onlinedienst X, entsprechende Berichte erhalten zu haben. Er fordert alle Konfliktparteien auf, „Zurückhaltung zu üben“ und die Feuerpause einzuhalten.

Die Einigung auf eine zunächst zweiwöchige Waffenruhe war am Dienstagabend Zustande gekommen. Im Gegenzug für eine Einstellung der Kampfhandlungen erklärte sich der Iran bereit, die Straße von Hormus ab Donnerstag oder Freitag wieder zu öffnen. Am Mittwoch wurde ein Öltanker gestoppt.

Erdogan warnt vor „Provokationen“

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan telefonierte mit Trump und warnte vor der Gefahr „möglicher Provokationen“ und einer „Sabotage“. Erdogan hatte Israel zuletzt wiederholt vorgeworfen, um eine Beendigung des Krieges zu sabotieren. Die Beziehungen zwischen den beiden Staaten sind seit Jahren auf einem Tiefpunkt, Hintergrund sind auch unterschiedliche regionale Machtinteressen.

Laut Weißem Haus sollen am Samstag direkte Verhandlungen mit dem Iran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad stattfinden. Für die USA schickt Trump den Vizepräsidenten JD Vance, den Sondergesandten Steve Witkoff sowie Jared Kushner. Für den Iran soll unter anderem Außenminister Araktschi verhandeln.

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