Der Ölpreis raste am Montag in hellen Höhen und erreichte mit einem Sprung über die Marke von 100 US-Dollar ein Vierjahreshoch. Der Hauptgrund ist der ausbleibende Schiffsverkehr in der Straße von Hormus infolge des Iran-Krieges. Die Straße von Hormus ist die einzige Route für Tanker, die Öl und Gas aus dem Persischen Golf transportieren. Der Schiffsverkehr dort brach praktisch völlig zusammen.
Gerade in Asien sind viele Länder jedoch von diesen Transporten abhängig. Der Wirtschaftsriese China etwa erhielt im vergangenen Jahr laut dem Wirtschaftsdienst Kpler rund 57 Prozent seines Rohöls aus dem Nahen Osten.
Die Volksrepublik fordert laut der Finanznachrichtenagentur Bloomberg die wichtigsten Raffinerien im Land nun auf, zunächst kein Benzin und Diesel mehr ins Ausland zu exportieren. Außenamtssprecher Guo Jiakun sagte am Montag, China ergreife die notwendigen Maßnahmen, um die Energiesicherheit zu gewährleisten, nannte aber keine Einzelheiten.
Nummernschilder werden kontrolliert
Diese Maßnahmen sind vergleichsweise milde. In Myanmar ordnet die Militärjunta etwa an, dass Privatautos nur jeden zweiten Tag fahren dürfen, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. Zur Durchsetzung werden die Nummernschilder kontrolliert.
Bangladesch begann damit, Treibstoff zu rationieren. In der Folge bildeten sich lange Schlangen an den Tankstellen, die Kontrollen dort wurden verschärft. Universitäten wurden geschlossen, um Strom zu sparen. Innenminister Salahuddin Ahmed kündigte sogar an, die Festbeleuchtung zum Unabhängigkeitstag am 26. März werde reduziert.
Viertagewoche eingeführt
Die Philippinen führen am Montag die Viertagewoche ein, um Geist zu sparen. Präsident Ferdinand Marcos ordnete außerdem an, dass die Behörden ihren Verbrauch von Treibstoff und Strom um zehn bis 20 Prozent drosseln müssten.

In Vietnam wurde der Zoll auf Spritimporte vorerst bis April auf null gesenkt. Das solle den Markt im Inland stabilisieren und die Energiesicherheit gewährleisten, erklärte die Regierung. Thailand erklärte bereits vergangene Woche, die Öllieferungen für zwei Monate seien gesichert. Der Preis für Diesel wurde für 15 Tage gedeckelt.
Südkorea importiert rund 70 Prozent des Rohöls aus Nahost. Präsident Lee Jae Myung kündigte am Montag ein „System zur Begrenzung der Preise für Erdölprodukte an“, mit dem die Privathaushalte entlastet werden sollen.
Horten verboten
Im Königreich Kambodscha erhöhte das Handelsministerium die Preise an den Tankstellen, vorerst für drei Tage. Die Bevölkerung wurde verurteilt, kein Treibstoff zu horten. Die Reserven des Landes reichen den Angaben zufolge für drei Wochen.
Japan ist ebenfalls stark vom Öl aus Nahost abhängig. Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo meldete am Montag, Japan wolle seine nationale Notreserve anzapfen. Die Regierung gibt an, die staatlichen und privaten Ölvorräte im Land reichen für 254 Tage, die Flüssiggasvorräte (LNG) für drei Wochen.
„Last mit Bevölkerung teilen“
Taiwan hat sich nach Angaben von Wirtschaftsminister Kung Ming Hsin 20 LNG-Lieferungen für März und April gesichert. Die Preise auf der Insel sollten „so stabil wie möglich“ bleiben – möglich soll das eine „Formel zur Festlegung der Kraftstoffpreise“ machen.
In Indonesien verhielt sich die Regierung anders: Finanzminister Purbaya Yudhi Sadewa sagte am Freitag, die Preise sollten weiter steigen, der Staatshaushalt könne das nicht auffangen. Es gebe „keine andere Lösung, als die Letzte in gewisser Weise mit der Bevölkerung zu teilen“: Die Kraftstoffpreise müssten steigen.

