Trump war durch die gestiegenen Ölpreise innenpolitisch unter Druck geraten. Das Weiße Haus hatte dazu vor Veröffentlichung des CBS-Interviews, in dem Trump das baldige Ende des Krieges in Aussicht stellte, erklärt, der Präsident prüfe „alle glaubwürdigen Optionen“, um die Ölpreise zu kontrollieren. Zudem kündigte Trump an, die Kontrolle über die für den Öl- und Gashandel wesentliche Straße von Hormus übernehmen zu wollen.
Bereits am Sonntag sagte der US-Präsident, der Anstieg der Ölpreise sei nur ein „geringer Preis“ für die Beseitigung der Bedrohung durch das iranische Atomprogramm. „Nach der Beseitigung dieser Gefahr würden die Ölpreise schnell und langfristig wieder sinken“, schrieb er auf seinem Netzwerk Truth Social.
Gewinner und Verlierer
Obwohl die USA als weltweit größtes Förderland nicht auf Öl aus der Kriegsregion angewiesen sind, sind die Folgen dennoch spürbar: Anders als bei Gas ist der Ölmarkt global, Preissteigerungen treffen alle Länder. Die riesige US-Ölindustrie unterstützt zunächst sogar von hohen Preisen und trägt damit auch zur Gesamtwirtschaftsleistung bei. Das ist aber nur eine Seite der Medaille.
Den Konsumenten und anderen Wirtschaftszweigen macht der hohe Ölpreis sehr wohl zu schaffen. Die Benzinpreise in den USA stiegen seit Kriegsbeginn bereits um rund 17 Prozent, Diesel sogar um ein Viertel. Speziell ärmere Haushalte in den USA, die ohnehin mit zunehmenden Lebenshaltungskosten zunehmend kämpfen, spüren das.
Rechnung am Wahltag?
Mit dem Angriff auf den Iran hat Trump bereits gegen seine zentrale Wahlkampfbotschaft „America First“ – ohne neue Kriege – verstoßen. Umfragen zu Kriegsbeginn zeichneten kein eindeutiges Bild, aber die Mehrheit seiner Wählerschaft stellte sich eher hinter Trump.
Sind ökonomische Folgen im Alltag zu spüren, kann das Bild aber sehr schnell kippen: Und selbst US-Bürgerinnen und -Bürger, die sich nicht besonders für die Außenpolitik interessieren, könnten sich spätestens an der Zapfsäule eine Meinung dazu bilden, ob die USA den Krieg im Iran weiterführen sollen. Für die Midterms im November könnte das für Trump eine große Gefahr sein, sind sich Politexperten einig, wie etwa die „Financial Times“ schreibt.
Die Inflation könnte steigen
Mit steigenden Spritpreisen werden sich auch bald andere Güter, insbesondere Lebensmittel, verteuern. Laut CNN rechnen Goldman-Sachs-Ökonomen damit, dass bei einem längeren Krieg die Inflation Richtung drei Prozent gehen könnte. Ursprünglich war man von einer Teuerungsrate von zwei Prozent ausgegangen.
Diskutiert wird, ob und wollen die USA ihre strategischen Ölreserven freigeben, um einen möglichen Preisanstieg wieder neuen einzufangen. Die G-7-Staaten traten bei der Entscheidung darüber zunächst auf die Bremse. Der Energieminister der führenden Industriestaaten beauftragt am Dienstag die Internationale Energieagentur (IEA), die Lage zu prüfen.
Ölintensive Wirtschaft als US-Problem
Doch das Problem der USA liege viel tiefer, schreibt die Politikwissenschaftlerin Rosemary Kelanic in einem Gastkommentar der „New York Times“: Die US-Wirtschaft sei sehr ölintensiv: „Sie verbraucht viel Öl, um jeden Dollar ihres Bruttoinlandsprodukts zu erwirtschaften.“ Die EU-Wirtschaft ist nur halb so ölintensiv wie die amerikanische. Selbst die chinesische und die russische Wirtschaft waren in der Produktion weniger auf Öl angewiesen.
Das Problem würde sich durch die Politik von Trump weiter verschärfen: Denn China setzt – auch aus den Erfahrungen früherer Ölpreiskrisen – verstärkt auf alternative Energien und vor allem Elektromobilität. Die USA hätten jedoch das Programm dafür zurückgefahren und verstärkt auf fossile Energie gesetzt. Und damit würden die USA im Vergleich zu anderen Volkswirtschaften auch mögliche nächste Krisen in Nahost deutlicher spüren.

