18.9 C
New York
Tuesday, April 14, 2026

US-Ultimatum an Iran: Wenig Hoffnung auf Deeskalation

Der Iran werde sich nicht auf Ultimaten und Fristen einlassen, hieß es Montagfrüh. Die für den globalen Handel mit Erdgas und Erdöl wichtige Straße von Hormus werde erst dann wieder geöffnet, „wenn im Rahmen einer neuen Rechtsordnung die Schäden des aufgezwungenen Krieges vollständig aus einem Teil der Transitgebühren kompensiert werden“, hieß es aus dem Büro des iranischen Präsidenten Massud Peseschkian. Der Iran fordert damit Kriegsentschädigung.

Das Marinekommando der Revolutionsgarde, der Elitestreitmacht des Iran, wurde von staatlichen Medien mit den Worten zitiert, die Meerenge werde „niemals wieder in ihren früheren Zustand zurückkehren, insbesondere nicht für die USA und Israel“. Der Iran beanspruchte die Kontrolle über die gesamte Passage und richtete aktuell ein Art Mautsystem ein. Laut iranischen Medienberichten vom Montag, zitiert von der BBC, durften am Sonntag 15 Schiffe die Straße von Hormus passieren.

Gegenseitige Beschimpfungen

Trump hatte der Führung in Teheran am Wochenende erneut mit Angriffen auf Kraftwerke und Brücken gedroht, sollte sie bis Dienstagabend, 20.00 Uhr US-Ostküstenzeit (Mittwoch 2.00 Uhr MESZ) nicht einlenken. „Am Dienstag ist im Iran gleichzeitig Tag des Kraftwerks und Tag der Brücke. Das wird unvergleichbar!!!“, schrieb Trump am Sonntag auf seiner Plattform Truth Social. „Öffnet die Scheißstraße, ihr verrückten Bastarde, oder ihr werdet in der Hölle landen.“

Trump habe aus „reiner Verzweiflung und Wut“ zu ordinären Beschimpfungen gegriffen, antwortete Peseschkians Sprecher Mehdi Tabatabaei auf der Plattform X und nannte Trump seinerseits einen „Bastard“, der „in seinem Wahnsinn einen totalen Krieg in der Region entfacht“ habe und damit und prahle.

Moskau fordert Verhandlungen

Der russische Außenminister Sergej Lawrow forderte in einem Telefonat mit seinem iranischen Kollegen Abbas Araktschi, Washington solle „die Sprache der Ultimaten“ aufgeben und an den Verhandlungstisch zurückgeben. Wie Lawrows Büro am Sonntag mitteilte, hoffe Moskau darauf, „dass die Bemühungen einer Reihe von Staaten zur Deeskalation der Spannungen rund um den Iran erfolgreich sein werden“.

Vorwurf von Kriegsverbrechen aus Teheran

Die iranische UNO-Mission äußerte sich ebenfalls auf X, Trump drohte erneut „offen damit, die für das Überleben der Zivilbevölkerung im Iran wesentliche Infrastruktur zu zerstören“. Die internationale Gemeinschaft und alle Staaten seien „verpflichtet, solche grausamen Kriegsverbrechen zu verhindern. Sie müssen jetzt handeln. Morgen ist es zu spät“, heißt es in dem Beitrag der UNO-Mission. Auch der iranische Vizeaußenminister Kassem Gharibabadi sprach angesichts von Trumps Drohungen von angekündigten „Kriegsverbrechen“. Solche „leichtsinnigen Schachzüge“ könnten die gesamte Region in Flammen aufgehen lassen. Trump hat sein Ultimatum zuletzt zum dritten – und möglicherweise letzten Mal – verlängert.

Letzte Chance vor Eskalation?

Das wurde auch als mögliches Indiz dafür gewertet, dass hinter den Drohkulissen Gespräche für eine Entschärfung des Konflikts laufen. Die USA, der Iran und regionale Vermittler unternähmen einen „letzten Versuch“, die Bedingungen für einen möglichen 45-tägigen Waffenstillstand auszuhandeln, berichtete das US-Nachrichtenportal Axios unter Berufung auf Aussagen von US-amerikanischen, israelischen und regionalen Quellen. Es sei die einzige Chance, eine dramatische Eskalation noch zu verhindern. US-Angriffe auf die iranische Zivilinfrastruktur hatten Vergeltungsschläge gegen Energie- und Entsalzungsanlagen in den Golfstaaten zur Folge.

USA und Iran sollen Vorschlag erhalten haben

Die USA und der Iran sollen einen Vorschlag für eine Waffenruhe erhalten haben. Hinter der Initiative steht Pakistan. Dies sei ein Zweistufenplan, hieß es am Montag, Kernpunkt einer sofortigen Waffenruhe als Basis für ein dauerhaftes Abkommen.

Der pakistanische Armeechef Marschall Asim Munir sei „die ganze Nacht lang“ in Kontakt mit US-Vizepräsident JD Vance, dem US-Sondergesandten Steve Witkoff und dem iranischen Außenminister Araktschi gewesen. Der Iran bestätigte die Initiative, unterstrich jedoch, keine Ultimaten zu akzeptieren. Trump hatte betont, er rechne mit einem „Deal“, wie er es nennt.

Geheimdienstchef der Revolutionsgarde getötet

Die iranische Revolutionsgarde meldete am Montag den Tod ihres Geheimdienstchefs. Der „einflussreiche und gebildete Chef des Geheimdienstes des Korps der Islamischen Revolutionsgarde, Madschid Chademi“, sei „im Morgengrauen“ bei einem US-israelischen Angriff getötet worden, teilte die Revolutionsgarde im Onlinedienst Telegram mit und sprach in ihrem gewohnten Jargon gegenüber den USA und Israel von einem „verbrecherischen Terroranschlag des amerikanisch-zionistischen Feindes“.

Majid Khademi, Geheimdienstchef der iranischen Revolutionsgarde

IMAGO/ZUMA Press Wire (Archivbild)

Mit dem Tod Chademis verliert die Revolutionsgarde erneut einen hochrangigen Kommandeur

Tote und Schäden durch Luftangriffe

Bei Luftangriffen kamen am Montag erneut zahlreiche Menschen im Iran, darunter in der Hauptstadt Teheran, ums Leben. In Israel starben zwei Menschen in einem Gebäude in der Stadt Haifa, das von einer iranischen Rakete getroffen wurde. Im Südlibanon gab es zumindest 15 Tote nach israelischen Luftangriffen. Mehrere Golfstaaten meldeten am Montag Angriffe aus dem Iran auf ihre Energie- und Wasserinfrastruktur. In Kuwait wurden Erdölanlagen beschädigt, außerdem eine Entsalzungsanlage für Meerwasser. Auch Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate (VEA) berichteten von Angriffen.

Related Articles

Latest Articles