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Friday, April 17, 2026

„Urbi et orbi“: Papst ruft zu „Frieden in aller Welt“ auf

„Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder! Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden! Nicht für einen Frieden, der mit Gewalt erzwungen wird, sondern durch Dialog!“, sagte der Papst in einer kurzen Ansprache von der zentralen Loggia des Petersdoms noch vor dem Segen. Nach Schätzungen nahmen an der Ostermesse auf dem Petersplatz im Vatikan unter strahlend blauem Himmel mehr als 40.000 Menschen teil. Die Feier wurde in vielen Ländern live übertragen.

Man dürfe sich angesichts der vielen aktuellen Konflikte nicht an Gewalt gewöhnen. „Wir finden uns damit ab und werden gleichgültig“, kritisierte Leo XIV. „Gleichgültig gegenüber dem Tod Tausender Menschen. Gleichgültig gegenüber den Folgen von Hass und Spaltung, welche die Konflikte nach sich ziehen. Gleichgültig gegenüber den wirtschaftlichen und sozialen Folgen, die sie verursachen und die wir doch alle spüren.“

AP/Alessandra Tarantino

Der Petersplatz war bei strahlendem Sonnenschein mit Tausenden Gläubigen gefüllt

Gefahr der „Globalisierung der Gleichgültigkeit“

Ausdrücklich wies der Papst auf die Gefahr einer „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ hin, die schon sein Vorgänger Franziskus angeprangert hatte. „Wie viel Todeswillen sehen wir jeden Tag in den vielen Konflikten in den verschiedenen Teilen der Welt“, so der erste Papst aus den Vereinigten Staaten, der seit Mai Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholikinnen und Katholiken ist. Sein Vorgänger, der argentinische Papst Franziskus, war am Ostermontag im vergangenen Jahr im Alter von 88 Jahren gestorben.

„Wir alle fürchten uns vor dem Tod, und aus Angst wenden wir uns ab. Wir ziehen es vor, nicht hinzuschauen. Wir dürfen nicht länger gleichgültig bleiben! Und wir dürfen uns nicht mit dem Bösen abfinden“, erklärte der 70-Jährige. Er lud die Gläubigen ein, gemeinsam mit ihm an der Gebetswache für den Frieden zu kämpfen, die am Samstag auf dem Petersplatz gefeiert wird.

Papst Leo XIV. bei der Ostermesse am Petersplatz

AP/Alessandra Tarantino

Papst Leo XIV. bei der Ostermesse auf dem Petersplatz

Osterwünsche in zehn Sprachen

Der polyglotte Papst griff auch eine Tradition einiger seines Vorgängers, darunter Johannes Paul II., wieder auf und wünschte den Gläubigen frohe Ostern in zehn verschiedenen Sprachen, darunter Deutsch, Polnisch, Arabisch und Chinesisch. Auf Deutsch sagte er: „Frohe Ostern! Bringt allen die Freude des auferstandenen Jesus, der unter uns gegenwärtig ist.“ Auch auf Latein wünschte er den Gläubigen ein frohes Osterfest. Die Tradition, in verschiedenen Sprachen Osterglückwünsche an die Gläubigen zu richten, war von Papst Franziskus unterbrochen worden.

Der Papst rief in seinem Osterpredigt die Gläubigen dazu auf, den Mut nicht zu verlieren. „Es stimmt, dass es oft so scheint, als gäbe es keinen Gott: Wir sehen Ungerechtigkeit, Bosheit, Gleichgültigkeit und Grausamkeit, die nicht abnehmen. Aber ebenso sicher ist, dass mitten in der Dunkelheit immer etwas Neues zu wachsen beginnt, das früher oder später Frucht bringt, denn Ostern schenkt uns diese Hoffnung und erinnert uns daran, dass in Christus, dem Auferstandenen, jeden Tag eine neue Schöpfung möglich ist.“

Papst Leo XIV. bei der Ostermesse am Petersplatz

AP/Andrew Medichini

Papst Leo XIV. ist Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholikinnen und Katholiken

Leo traditionell als Franziskus

Ostern sei „ein neuer Anfang, das Leben, das durch den Sieg Gottes über den alten Widersacher ewig geworden ist“, Schloss der Papst. Bereits in der Osternacht am Vorabend hatte Leo XIV. Die Christen dazu aufgerufen, allen die frohe Botschaft zu bringen, dass Jesus auferstanden ist. Mit seiner Kraft könnte sie eine neue Welt des Friedens und der Einheit gestalten.

Leo XIV. hatte sich in den vergangenen Tagen traditionell als sein Vorgänger gezeigt. In Erinnerung an das letzte Abendmahl wusch er am Gründonnerstag in der Lateranbasilika von Rom zwölf Priestern die Füße, während Franziskus aus diesem Anlass zum Zeichen der Demut während seines Pontifikats ins Gefängnis ging. Bei der Karfreitagsprozession in Rom trug Leo im Unterschied zu seinem Vorgänger selbst das Kreuz.

Den lateinischen Segen „Urbi et orbi“ hatte Leo bereits zu Weihnachten sowie unmittelbar nach seiner Wahl gespendet. Der Spruch bezieht sich auf den Anspruch, Führer der weltweiten Christenheit zu sein.

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