Die Gewalt habe sich insbesondere gegen die ethnischen Gruppen der Zaghawa und Fur gerichtet. Ein Bericht der UNO-Mission beschreibt „drei Tage des Horrors“, als die RSF Ende Oktober vergangenen Jahres die Stadt einnahm. Al-Faschir war zu diesem Zeitpunkt die letzte verbliebene Hochburg der regulären sudanesischen Streitkräfte (SAF) in der westlichen Region Darfur. Tausende Menschen wurden getötet oder vergewaltigt.
„Das Ausmaß, die Koordination und die öffentliche Billigung der Operation durch die RSF-Führung zeigen, dass die Verbrechen in und um al-Faschir keine zufälligen Kriegsexzesse waren“, sagte der Vorsitzende der Mission, Mohamad Chande Othman. Es handelt sich vielmehr um einen Teil einer geplanten und organisierten Operation, die die entscheidenden Merkmale eines Völkermords aufweise.
Koordiniertes Vorgehen der RSF
Dem Bericht zufolge fanden die Ermittler Beweise für ein koordiniertes Vorgehen der RSF. Die Angriffe hatten sich gezielt gegen Personen bestimmter ethnischer Zugehörigkeit gerichtet. Überlebende berichteten von expliziten Drohungen, die Stadt zu „säubern“. Zeugen zitierten RSF-Kämpfer mit den Worten: „Gibt es hier Zaghawa unter euch? Wenn wir Zaghawa finden, werden wir sie alle töten.“ Dem Sturm auf die Stadt war eine 18-monatige Belagerung vorausgegangen.
RSF bestritt bisher Vorwürfe stets
Die RSF und die sudanesische Regierung reagierten nicht auf Anfragen der Nachrichtenagentur Reuters. Auch auf die Übermittlung des Berichtsentwurfs durch die UNO erfolgte laut den Ermittlern keine Reaktion. In der Vergangenheit hatte die RSF derartige Vorwürfe beschrieben und erklärt, die Berichte seien von ihren Feinden erfunden worden.
Verurteilung durch europäische Länder
Am Mittwoch hatte Österreich gemeinsam mit anderen europäischen Staaten sowie Kanada und Neuseeland mögliche „Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ im Sudan angeprangert. „Wir verurteilen aufs Schärfste die abscheulichen Gewalttaten gegen Zivilisten, insbesondere Frauen und Kinder, sowie alle schweren Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.
„Wir wiederholen dringend unseren Appell an die Rapid Support Forces (RSF), die sudanesischen Streitkräfte und ihre verbündeten Milizen, die Kämpfe unverzüglich eingestellt“, hieß es in der Erklärung, die von den Außenministern von 28 Ländern, einer EU-Kommissarin und einem humanitären Vertreter der Schweiz unterzeichnet wurde.
Türk: „Außergewöhnlich schwere Verbrechen“
UNO-Menschenrechtskommissar Volker Türk forderte bereits in der Vorwoche Ermittlungen, um die Verantwortlichen der „außergewöhnlich schweren Verbrechen mit allen verfügbaren Mitteln“ zur Rechenschaft zu ziehen.
Die Vereinten Nationen bezeichnen den seit April 2023 andauernden Krieg im Sudan als größte humanitäre Krise der Welt. Zwölf Millionen Menschen sind durch die Kämpfe vertrieben worden, rund die Hälfte der Bevölkerung ist von Hunger bedroht.

