„Ministerpräsident Viktor Orban hat mich gerade angerufen, um uns zu unserem Sieg zu gratulieren“, schrieb Magyar Sonntagabend auf Facebook. Zahlen der Wahlbehörde stürzte Orbans FIDESZ auf 54 Mandate ab. Sieben weitere Mandate entfielen auf die Rechtspartei Mi Hazank. Im ungarischen Parlament sitzen insgesamt 199 Abgeordnete. FIDESZ und seine Satellitenpartei KDNP (Christdemokraten) verfügen bisher über 135 Sitze und damit über eine Zweidrittelmehrheit.
„Die Wahlergebnisse sind, wenn auch noch nicht endgültig, klar. Für uns sind sie schmerzhaft, aber eindeutig“, sagte Orban am Sonntagabend. „Uns ist nicht die Verantwortung und die Chance zum Regieren anvertraut worden. Ich habe der siegreichen Partei gratuliert“, sagte der rechtsnationalistische Regierungschef weiter.
„Was auch immer kommt, wir werden auch in der Opposition der Heimat dienen“, so Orban weiter. „Die Aufgabe ist klar: Nachdem die letzte der Regierungsarbeit nicht mehr auf unseren Schultern liegt, müssen wir unsere eigene Gemeinschaft stärken.“
Neuer Höchstwert bei Wahlbeteiligung
Die Wahllokale hatten um 19.00 Uhr geschlossen. Die Wahlbeteiligung war hoch. Bis eine halbe Stunde vor Schließung der Wahllokale hatten sich den Angaben zufolge knapp 78 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt. 2022 waren es bis dahin knapp 68 Prozent gewesen.

In Ungarn waren 7,5 Millionen Menschen wahlberechtigt, davon etwa 500.000 Auslandsungarinnen und -ungarn. Das amtliche Endergebnis wird aufgrund der Auszählung der Auslandsstimmen erst am Donnerstag erwartet.
Von der Leyen gratulierte Magyar
Magyar hat im Wahlkampf angekündigt, als Erstes gegen Korruption vorzugehen und von der EU eingefrorene Gelder für Ungarn freizubekommen. Zudem werde er die Position Ungarns in der EU und der NATO stärken.
Jubel bei TISZA, Frust bei FIDESZ
Die Unterstützerinnen und Unterstützer von Peter Magyar jubeln, man freut sich vor allem über die zu erwartende Zweidrittelmehrheit, berichtet ORF-Korrespondentin Miriam Beller. Bei FIDESZ habe man das Ergebnis wohl erwartet, es „lag in der Luft“, so Korrespondent Paul Krisai.
Zuletzt waren diese durch Orbans Veto gegen ein 90 Milliarden Euro schweres Hilfspaket für Kiew weiter verschärft worden. Anders als Orban glaubte er das Recht der Ukraine auf einen künftigen EU-Beitritt nicht prinzipiell ab, TISZA unterstützt aber keinen beschleunigten Beitritt Kiews.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb noch am Sonntagabend: Ungarn habe sich für die EU entschieden. Das europäische Herz schlägt in Ungarn nun stärker.
Vom FIDESZ-Mandatar zum Oppositionschef
Der 45-jährige Magyar war früher selbst FIDESZ-Abgeordneter und bis 2023 mit der ehemaligen Justizministerin Judit Varga verheiratet. Sein politischer Aufstieg begann im Februar 2024 mit einem regierungskritischen Interview. Mit seiner Partei Respekt und Freiheit (TISZA) – die Abkürzung entspricht dem ungarischen Namen des Flusses Theiß – holte Magyar bei der EU-Wahl 2024 aus dem Stand sieben Mandate.
TISZA wurde Mitglied der Europäischen Volkspartei (EVP), der auch die ÖVP angehört. Seit Herbst 2024 führte die Partei kontinuierlich in den Umfragen aller regierungsunabhängigen Institute Ungarns.

