Wegen eines historischen Rekordtiefs des Donau-Wasserstandes und des damit verbundenen Kühlwassermangels musste das ungarische Kernkraftwerk Paks seinen Reaktorblock 3 komplett vom Netz nehmen und die Leistung von Block 2 auf die Hälfte senken.
Laut Aussendung des Betreibers MVM Paks Nuclear Power Plant Ltd. (Paksi Atomeromu Zrt.) von heute sank der Wasserpegel der Donau in den vergangenen Stunden weiter, er liegt aktuell bei minus 112 Zentimetern.
Die Entscheidung sei im Sinne der Aufrechterhaltung des sicheren Betriebs des AKW und der Einhaltung der Vorschriften des Umweltschutzes getroffen worden, heißt es in der Aussendung. Laut Behörden ist die Energieversorgung des Landes dennoch gesichert.
Kritik am Bau neuer Reaktorblöcke
Paks liefert über die Hälfte des ungarischen Stroms. Gleichzeitig ist der umstrittene Bau von zwei weiteren Reaktorblöcken (Paks II) mittels russischer Darlehen und unter Leitung des russischen Staatskonzerns Rosatom in Planung bzw. Ausführung.
Einschlägige Kritik kommt von Umweltschützern sowie -schützerinnen sowie von Nachbarländern. Diese bezieht sich auf die enge Bindung zu Russland und die angespannte Kühlwassersituation an der Donau.
Ungarn betreibt seit 1982 in der südungarischen Stadt Paks das von der damaligen Sowjetunion gelieferte Atomkraftwerk. Zwei der vier Blöcke sollen durch die beiden neuen Reaktoren aus der Fertigung von Rosatom ersetzt werden. Ursprünglich wurde mit einer Inbetriebnahme nicht vor Mitte der 2030er Jahre gerechnet.
Neue Regierung wird Revision aller Verträge
2017 hatte die Europäische Kommission staatliche Beihilfen in Höhe von zehn Milliarden Euro für den Bau genehmigt. Die Vergabe des Projektes erfolgte direkt an Rosatom – ohne das vorgeschriebene EU-weite Ausschreibungsverfahren. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte 2025 in einem Urteil festgestellt, dass diese direkte Vergabe des milliardenschweren Auftrags an Rosatom gegen EU-Recht verstößt.
Unter der neuen ungarischen Regierung von Premier Peter Magyar steht Paks II auf dem Prüfstand. Die einschlägigen Verträge des von Russland und Rosatom beherrschten Baus sollen neu bewertet werden.

