Aktuell Russland von den hohen Rohölpreisen wegen des Krieges der USA und Israels gegen den Iran und der Blockade der Straße von Hormus. Das versuchte die Ukraine zu unterbinden. Am Montag waren erneut Einrichtungen der russischen Erdöl- und Treibstoffindustrie Ziel von Luftangriffen mit Drohnen.
Diese galten dem Hafen der Stadt Tuapse am Schwarzen Meer, wie es in russischen Berichten hieß. Mindestens ein Mensch kam ums Leben, wie der Gouverneur der Region Krasnodar, Weniamin Kondratjew, auf der Plattform Telegram schrieb. Im Hafen sei ein Brand ausgebrochen, Trümmer von Drohnen hätten Gebäude in der Stadt beschädigt, darunter eine Schule und einen Kindergarten und außerdem eine Erdgasleitung.
Wichtiger Exporthafen getroffen
Augenzeugen berichteten von Explosionen und zwei brennenden Tanks der Raffinerie und hohen Flammen im Bereich des Hafens. Auf Videos waren Feuer und eine große schwarze Rauchwolke zu sehen. Die Behörden berichten von Schäden an der Infrastruktur des Hafens. Die Behörden der Stadt teilen mit, dass die Schulen geschlossen blieben.
Der Hafen von Tuapse war bereits vergangene Woche Ziel eines ukrainischen Angriffs. Am Schwarzen Meer ist er einer der wichtigsten Häfen für den russischen Erdölexport. In Tuapse betreibt der größte russische Mineralölkonzern Rosneft eine Raffinerie. Die Hafenstadt liegt etwa 75 Kilometer westlich der Großstadt Sotschi. Die englischsprachige Tageszeitung „Kyiv Independent“ (Onlineausgabe) berichtete außerdem von ukrainischen Angriffen auf Erdöllager auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim.
Laut ukrainischer Rechnung Milliardenverluste
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Sonntag mitgeteilt, Kiews Angriffe auf Russlands Erdölinfrastruktur hätten allein im März zu einem Verlust von mindestens 2,3 Milliarden Dollar (rund 1,95 Mrd. Euro) an Einnahmen im Export geführt. Russland verkauft aktuell das meiste Erdöl nach Asien, nachdem es im Westen Sanktionen unterliegt.
Nach Einschätzung des „Kyiv Independent“ wurden durch die ukrainischen Luftangriffe und die Beschlagnahmung von Tankschiffen der russischen „Schattenflotte“ im April rund 40 Prozent der russischen Erdölexportkapazitäten lahmgelegt. Die nun angegriffene Rosneft-Raffinerie hat laut der Zeitung eine Kapazität zur Verarbeitung von zwölf Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr.
Russland-Streitkräfte vom Krieg gegen den Iran
Nützliches Russland aktuell vom Krieg der USA und Israels gegen den Iran und der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus. Direkte Folge ist der seit Anfang März stark gestiegene Preis für Rohöl samt drohenden Lieferengpässen. Russland verkauft sein Öl vor allem nach Asien, in Europa unterliegt es grundsätzlich Sanktionen.
Allerdings gibt es aufgrund des Krieges gegen den Iran und der Unterbrechung der globalen Lieferketten Ausnahmen. Diese wurden erst am Sonntag erneut verlängert. Russland kann nun bis Mitte Mai Erdöl, das bereits auf Tanker geladen ist, verkaufen. Laut Schätzungen bringt das Moskau etwa zehn Milliarden Dollar (etwa 8,5 Mrd. Euro).
„Jeder Dollar ist Geld für den Krieg“
Die Exporterlöse bringen Russland am Ende auch Geld, um den Krieg gegen die Ukraine weiter zu finanzieren. Das Kiew versuchte mit Angriffen auf russische Raffinerien und Erdöllager zu unterbinden. Selenskyj kritisierte laut BBC die Verlängerung der Ausnahmeregelung für die russischen Erdölexporte mit den Worten: „Jeder Dollar, der für russisches Öl bezahlt wird, ist Geld für den Krieg.“

Angriffe auf zentrale Pipeline
Die ukrainische Armee forciert daher ihre Angriffe auf das Raffinerie- und Leitungsnetz in Russland. Vor zwei Wochen war das Ziel ein wichtiger Erdölterminal im Süden Russlands am Schwarzen Meer. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, bei dem Angriff mit Drohnen auf den Terminal des internationalen Caspian Pipeline Consortium (CPC) im Hafen der Stadt Noworossijsk seien die Pipeline an einer Anlegestelle sowie ein Terminal beschädigt worden. Schon im letzten November gab es dort schwere Schäden nach ukrainischen Angriffen.
Vier Tanks für Erdölprodukte waren in Brand geraten, hieß es weiter. Durch die CPC-Pipeline fließt rund ein Prozent der weltweiten Erdöllieferungen, über sie laufen auch 80 Prozent der kasachischen Exporte. Zu den Eigentümern gehören die US-Erdölkonzerne Chevron und ExxonMobil.
In den USA sorgten die Angriffe daher für Unmut. Auch Österreich bezieht einen wesentlichen Teil seiner Erdöllieferungen aus Kasachstan und über die CPS-Pipeline und dann über die Transalpine Ölleitung (TAL) über Italien. An dieser Pipeline laufen aktuell Ermittlungen wegen des Verdachts der Sabotage durch Unbekannte.

