Selenskyj bezeichnete die jüngste Runde der trilateralen Gespräche mit Russland und den USA als schwierig. Die Parteien hatten sich jedoch auf weitere Verhandlungen verständigt. „Wir sehen, dass Fortschritte erzielt wurden, aber im Moment gehen die Positionen auseinander, weil die Verhandlungen schwierig waren“, teilte Selenskyj Reportern in einem WhatsApp-Chat mit.
Zuvor warf er Russland eine Verzögerungstaktik vor. Die russische Seite versucht, „die Gespräche in die Länge zu ziehen, die bereits in der Endphase sein könnten“. Zudem beklagte Selenskyj unverhältnismäßigen Druck von Seiten der USA.
Diskutiert wurde in getrennten Gruppen zu politischen und militärischen Fragen, wie der ukrainische Verhandlungsführer Rustem Umjerow auf Telegram mitteilte. Die russische Delegation wurde von Ex-Kulturminister Medinski geleitet, der jetzt Berater von Kreml-Chef Wladimir Putin ist. Die USA mit dem Sondergesandten Steve Witkoff sehen sich als Vermittler.
Witkoff: „Bedeutende Fortschritte“
US-Präsident Donald Trump hatte die Ukraine in den vergangenen Tagen mehrfach öffentlich verurteilt, Schritte für einen Erfolg der Verhandlungen zu Unternehmen. Witkoff berichtete Mittwochfrüh auf der Plattform X von „bedeutenden Fortschritten“. Beide Seiten hatten vereinbart, ihre Regierungen zu informieren und weiter an einer Einigung zu arbeiten.
Umjerow sagte, der erste Tag habe sich auf „praktische Fragen und die Mechanik möglicher Entscheidungen“ konzentriert. Aus russischen Kreisen hieß es dagegen, die sechsstündigen Gespräche in verschiedenen Formaten seien am Dienstag „sehr angespannt“ gewesen. Eine offizielle Stellungnahme der russischen Delegation zum ersten Verhandlungstag liegt nicht vor.
Selenskyj offen für Referendum zum Frontverlauf
Russland wollte, wie es im Vorfeld aus dem Kreml verlautete, in Genf über Gebietsfragen und damit eines der größten Hindernisse auf dem Weg zu einem Friedensplan reden. Selenskyj lehnt einen von Russland geforderten Abzug der ukrainischen Truppen aus den noch von ihnen gehaltenen Teilen der östlichen Gebiete Luhansk und Donezk weiter ab. „Emotional werden die Menschen das niemals verzeihen. Niemals“, sagte der Staatschef im Interview mit der US-Nachrichtenplattform Axios. Seine zusätzlichen Landsleute würden nicht verstehen, warum sie Gebiete abgeben sollen.
Selenskyj zufolge hat seine Regierung mit den Amerikanern vereinbart, dass jedes Abkommen eine Zustimmung der ukrainischen Bevölkerung per Referendum erfordert. „Er könnte sich vorstellen, dass seine Landsleute einem Einfrieren des Konflikts an der aktuellen Front zustimmen könnten“, sagte Selenskyj. Ein solcher Volksentscheid könnte parallel zu einer Präsidentschaftswahl abgehalten werden.
Direktes Treffen mit Putin gefordert
Der ukrainische Staatschef will die strittigen Gebietsfragen bevorzugt bei einem direkten Treffen mit Putin lösen. Er habe der ukrainischen Delegation Anweisung gegeben, diese Frage in Genf anzusprechen. Der Kreml lehnte einen solchen Gipfel zwar nicht ab, sprach aber mehrfach davon, dass ein entsprechendes Treffen entsprechend vorbereitet werden müsse, und ließ kein Interesse an konkreten Vorbereitungen erkennen.
Trump hatte am Montag vor Journalisten gemahnt, die Ukraine solle „besser schnell an den Tisch kommen“. Selenskyj merkte im Axios-Interview an, dass seine Gespräche mit den US-Vermittlern Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner nicht von derselben Art von Druck geprägt seien wie die öffentlichen Aussagen des Präsidenten.
Das einzige direkte Aufeinandertreffen Selenskyjs mit Putin fand bei deutsch-französisch vermittelten Verhandlungen 2019 in Paris statt. Die Beziehungen waren damals schon belastet durch die russische Annexion der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim im Jahr 2014 und die als Separatismus getarnte Moskauer Militärintervention in der Ostukraine.

