Die Kampagne habe den Verkehr auf der Noworossija-Autobahn im vergangenen Monat um mehr als zwei Drittel reduziert, so Browdi. Die „Noworossija-Route“ ist die entscheidende russische Hauptversorgungsroute, die sich durch die von Moskau besetzten ukrainischen Gebiete schlängelt und Rostow am Don in Russland über die Küste des Asowschen Meeres mit Melitopol, Mariupol und der Krim verbindet.
Die Straße, die seit Ende Mai fast vollständig für den zivilen Verkehr gesperrt ist, ist für Moskau besonders wichtig, da sie den wichtigsten Landkorridor zur Versorgung der russischen Streitkräfte im Süden darstellt, die exponierte Kertsch-Brücke zur Kriminalität.
Zahlreiche „Wracks am Straßenrand“
Browdi ist überzeugt, dass die Ukraine innerhalb eines weiteren Monats die Straße vollständig kontrollieren werde. „Wir werden die Kriminalität in naher Zukunft isolieren“, so Browdi zu Reuters.
Laut „Guardian“ haben die ukrainischen Streitkräfte der „Noworossija-Route“ den Namen „Todesstraße“ gegeben. Das ist eine Anspielung auf die ukrainischen Drohnen, die den Luftraum über der Straße beherrschen und russische Militärkonvois quasi jagen.
„Wir beobachten alle Bewegungen und haben die Reparaturarbeiten des Gegners vollständig unter Kontrolle. Wir sind jederzeit bereit, unsere Fernoperationen durchzuführen“, hieß es laut „Guardian“ von ukrainischer Seite am Dienstag. Dutzende Lastwagen und Tankwagen wurden zerstört, die Wracks liegen am Rande der Straße.
Operationen stark ausgeweitet
Die russische Armee nutzt die Halbinsel für Luftangriffe auf ukrainisches Gebiet und zur Versorgung ihrer Einheiten in der Südukraine. Die Krim ist auch ein wichtiges Feriengebiet. Die Angriffe auf die Nachschubwege auf die Krim treffen daher auch das Hotel- und Gaststättengewerbe auf der Krim empfindlich.
Browdi wird es Russland so schwer wie möglich machen. „Wir werden Bedingungen schaffen, die es Militärangehörigen und Mitarbeitern der Rüstungsindustrie extrem erschweren, sich auf der Krim, in den vorübergehend besetzten ländlichen Gebieten aufzuhalten oder die Zugangswege dorthin zu nutzen“, so Browdi zu Reuters.

Seit er im vergangenen Juni das Kommando über die ukrainischen Drohnenstreitkräfte übernommen hat, hat Browdi deren Operationen stark ausgeweitet. Die Zahl der Kampfeinsätze mittlerer Reichweite habe sich im Jahresvergleich um das 28-Fache erhöht, während die Angriffe auf russisches Territorium im Zeitraum um fast das Vierfache gestiegen waren, so der Kommandeur der Drohnenstreitkräfte.
„Weg für entfernte Ziele frei gemacht“
Browdis Drohnenstreitkräfte behaupten, für 30 bis 35 Prozent aller zerstörten russischen Ziele verantwortlich zu sein – obwohl sie nur zwei Prozent der ukrainischen Armee ausmachen.
In den ersten fünf Monaten dieses Jahres hätten die Einheiten 174 russische Luftverteidigungsanlagen im Wert von rund 5,4 Milliarden Dollar (4,7 Mrd. Euro) zerstört, sagte Browdi, und damit den Weg zu weiteren Zielen auch weiter entfernt in Russland frei gemacht. Die Angaben sind allerdings kaum zu überprüfen.
Auch am Freitag war die Krim wieder Schauplatz von Kampfhandlungen. Die ukrainische Armee griff erneut mit ihren Drohnen mehrere Ziele an. Danach wurde am Kraftwerk von Simferopol ein großer Brand beobachtet, wie der proukrainische Telegram-Kanal „Krymskij Weter“ berichtete.

ISW: Alle Straßen zu Krim unterbrochen
Laut dem US-amerikanischen Institut für Kriegsstudien (ISW) waren in dieser Woche alle drei Straßenverbindungen von der Südukraine auf die Halbinsel unterbrochen worden. Für die Bewohner und Bewohnerinnen der Krim ist Treibstoff mittlerweile auch mit Bezugsscheinen kaum noch zu bekommen. Da von der Krim viele zum Tanken über die Kertsch-Brücke ins anliegende russische Gebiet Krasnodar fahren, kam es auch dort Medienberichte bereits zu Engpässen bei der Kraftstoffversorgung.
Für Treibstofftransporte per Bahn oder Lastwagen ist die Brücke von Kertsch zu unsicher. Mehrere Fähren, die von Russland zur Kriminalität kursierten, haben die Ukraine ausgeschaltet.
Blogger: Professioneller Feind
Offenbar zollen selbst russischen Militäranalysten Browdi Anerkennung. Andrej Medwedew, Blogger und Reporter für russische Staatsmedien, nannte Browdi „einen gefährlichen, überzeugten und professionellen Feind“. Der Betreiber des Telegram-Kanals „Rybar“ attestierte ihm, „die effektivste Formation ihrer Art“ geschaffen zu haben.
Bis zum Februar 2022 hatte Browdi nichts mit dem Militär zu tun. Vor der russischen Vollinvasion machte er ein Vermögen als Getreidehändler frei. Browdi meldete sich freiwillig zum Kampf und gründete im Mai 2022 seine eigene Drohnenstaffel. Zwei Jahre später schuf die Ukraine die weltweit erste Einheit für unbemannte Kampfsysteme, zu deren Kommandeur Präsident Wolodymyr Selenskyj Browdi im vergangenen Jahr ernannte.
„Ich habe mein Buchhaltungssystem einfach an den Krieg angepasst“, berichtete er jüngst im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. „Wir haben die Namen der Getreidesorten in der Tabelle durch Drohnen- und Munitionstypen ersetzt.“
Allgemein: In einzelnen Bereichen ist Russland voraus
Der ukrainische Armeechef Olexandr Syrskyj sieht gute Fortschritte. „Heute können wir mit gutem Grund behaupten, dass die Ukraine im Wettstreit um Technologie, Innovation und Produktionskapazitäten dem Gegner zumindest in nichts nachsteht und ihm in einzelnen Bereichen sogar voraus ist“, so Syrskyj am Donnerstag gemäß einer Mitteilung auf Telegram, wie die dpa meldete.
Bei frontnahen ferngesteuerten Drohnen liege das Verhältnis bei 1,5 zu eins zugunsten der ukrainischen Truppen und verbessere sich zunehmends. Im Mai waren bereits 12,7 Prozent mehr gegnerische Ziele getroffen worden als im April, so Syrskyj weiter.
Dazu haben ukrainische Drohnenpiloten seit Jahresbeginn Syrskyj zufolge 12.500 zusätzliche russische Soldaten außer Gefecht gesetzt, als Moskau im gleichen Zeitraum anwerben konnte. Der General hob ebenso hervor, dass seine Drohnentruppen im russischen Hinterland bis zu 200 Kilometer hinter der Frontlinie zunehmend effektiver und massenhafter Drohnen einsetzen. Die Angaben aus dem Kriegsgebiet lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

