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Monday, April 20, 2026

Ukraine-Krieg: Russland im März ohne Geländegewinne

Nach Angaben des US-Thinktanks Institute for the Study of War (ISW) sei es der russischen Armee im vergangenen Monat nicht gelungen, neues Gebiet zu erobern. Zuletzt war das im September 2023 der Herbst, wie das ISW am Donnerstag mitteilte. Die ukrainischen Streitkräfte eroberten laut diesen Angaben im März einige kleine Gebiete im Umfang von neun Quadratkilometern zurück.

Nach monatelangen Fortschritten hatten die russischen Kräfte an der gesamten Front ein Tempo verloren, hob die Agentur AFP mit Verweis auf ISW-Daten hervor. Der russische Vormarsch habe sich bereits seit Ende 2025 wegen Gegenoffensiven im Südosten der Ukraine merklich verlangsamt. Den ISW-Daten zufolge nutzte die russische Armee im Jänner Gelände Gewinne von 319 und im Februar von 123 Quadratkilometern.

Die Angaben der Analyse berücksichtigen keine Vorstöße einzelner russischer Soldaten seits der Front und auch keine Geländeeroberungen, die die russische Seite verkündet, die vom ISW jedoch weder bestätigt noch widerlegt werden konnten. Das ISW erarbeitete die Auswertung zusammen mit dem Critical Threats Project, einem weiteren US-Thinktank mit Schwerpunkt auf Konflikten.

Größte Geländegewinne in ersten Kriegswochen

Russland kontrolliert derzeit etwa ein Fünftel des Gebiets der Ukraine. Der Großteil davon wurde bereits in den ersten Wochen des Krieges erobert. Im Vorjahr eroberte die russische Armee die ISW-Daten und dann mehr Gebiete als in den vorangegangenen 24 Monaten. In den ersten drei Monaten dieses Jahres waren die russischen Zugewinne jedoch nur halb so groß wie im Vorjahreszeitraum.

Selenskyj: Russische Offensive vereitelt

Für die Ukraine sei die derzeitige Lage an der Front nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj „komplex, aber so gut wie seit zehn Monaten nicht mehr“. Die ukrainischen Truppen hätten im vergangenen Monat eine russische Offensive vereitelt, teilte sein Präsidialamt am Freitag mit. Allerdings würden nun die russischen Streitkräfte ihre Angriffe verstärken.

Russland überzieht die Ukraine mit Drohnenangriffen

Trotz zahlreicher Friedensappelle rund um Ostern intensiviert Russland seine Angriffe auf die Ukraine. In den vergangenen 48 Stunden wurde das Land schwer bombardiert, zahlreiche Menschen starben.

Das Militär sammelt Selenskyjs Angaben derzeit etwa in der Nähe des russischen Logistikzentrums Pokrowsk in der Region Donezk sowie in der Nähe von Huljajpole im Südosten der Region Saporischschja verstärkte Truppenverbände.

Dauerangriffe auf Charkiw

Der ukrainische Generalstab meldete am Freitag 230 Kampfhandlungen in den vergangenen 24 Stunden und erklärte, die meisten Angriffe hätten in der Nähe von Pokrowsk und Saporischschja stattgefunden.

Dazu kamen Berichte über russische Dauerangriffe auf die grenznahe Großstadt Charkiw im Osten des Landes. Allein in der Nacht am Freitag habe es vier Angriffe gegeben, schrieb der Militär-Raketengouverneur des Gebiets Charkiw, Oleh Synjehubow, auf Telegram. Auch Drohnen wurden eingesetzt.

Reuters/Sofiia Gatilova

Laut ukrainischen Angaben gibt es seit Donnerstag verstärkt russische Angriffe auf Charkiw

Auch am Vortag habe Russland die zweitgrößte Stadt der Ukraine immer wieder mit Kampfdrohnen angegriffen. In der Stadt herrscht schnell rund um die Uhr Luftalarm. Ukrainische Rettungskräfte sprachen von russischen Drohnen des iranischen Bautyps Schahed mit schnellem Jetantrieb. Der Flug von Russland bis Charkiw sei so kurz, dass eine Abwehr schwierig sei. Charkiw zählte vor dem Krieg 1,4 Millionen Einwohner und Einwohnerinnen und liegt nur etwa 40 Kilometer von der russischen Grenze entfernt.

„Neue Taktik“

„Wir sehen, dass der Feind neue Routen, ständig modernisierte Drohnen und neue Taktiken einsetzt“, sagte der Sprecher der ukrainischen Luftstreitkräfte, Jurij Ihnat, im ukrainischen Fernsehen. In den vergangenen 24 Stunden haben Russland mehr als 400 Langstreckendrohnen sowie zehn ballistische Raketen abgefeuert. Letztere seien vor allem auf Gebiete nahe der Front gerichtet gewesen. Es ist das zweite Mal in dieser Woche, dass Russland auf einen nächtlichen Drohnenbeschuss schwere Angriffe am Tag folgen lässt.

Angriffe in weiten Teilen des Landes

Auch abseits der Front meldeten ukrainische Behörden am Freitag großangelegte russische Angriffe. Drohnen hatten Wohngebäude und zivile Infrastruktur in den Regionen zentral Schytomyr und Kiew getroffen, teilten die dortigen Gouverneure über Telegram mit. Dabei habe es auch Tote gegeben.

Selenskyj verurteilte die Angriffe als „Zuspitzung zu Ostern“. Die russischen Streitkräfte hatten ihre Angriffe in einer Zeit intensiviert, in der eigentlich Ruhe am Himmel herrschen sollte. Laut ukrainischen Luftstreitkräften erfolgte der Angriff mit mehr als 500 Drohnen und 37 Raketen unterschiedlichen Typs. Der Großteil der Flugkörper sei abgefangen worden. An 20 Orten habe es aber Einschläge gegeben.

Ukrainische Drohnen über Russland

Auf russischer Seite teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit, in der Nacht auf Freitag seien 192 ukrainische Drohnen abgefangen worden. Mögliches Ziel waren Agenturangaben nach russischen Ölexporthäfen am Finnischen Meerbusen bei St. Petersburg.

Die Ukraine nahm zuletzt verstärkt die russische Ölinfrastruktur ins Visier ihrer Gegenangriffe. Nach ukrainischen Drohnenangriffen seien zuletzt die Öl- und Flüssigerdgasexporte aus den russischen Ostsee-Häfen Primorsk und Ust-Luga zum Erliegen gekommen, berichtete Reuters am Mittwoch mit Verweis auf finnische Angaben.

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