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Monday, May 11, 2026

Trotz militärischer Erfolge: Kritik an Netanjahus verpassten Kriegszielen

Netanjahu habe zu Beginn des Krieges drei Ziele definiert, heißt es in einem Kommentar der Zeitung „Haaretz“: den Sturz des iranischen Regimes, die Zerschlagung seines Atomprogramms und die Beseitigung der Bedrohung durch ballistische Raketen.

Doch keines davon sei erreicht worden: „Das Regime ist nach wie vor an der Macht, für die 440 Kilogramm angereichertes Uran wurde noch keine Lösung gefunden, und das Raketenprogramm läuft zumindest teilweise weiter.“ Von „oberflächlichen und unausgereiften Plänen“ ist in dem Kommentar die Rede, auch davon „auf der Grundlage unbegründeter Wunschvorstellungen Risiken einzugehen“.

Überzeugungsarbeit bei Trump

In dem Kommentar wird auf einen „New York Times“-Bericht verwiesen, der detailliert nachzeichnet, wie im Weißen Haus die Entscheidung für einen Angriff sei. Netanjahu habe bei seinem Besuch im Februar in Washington dafür geworben – und einen kurzen Krieg wie auch einen Regimewechsel im Iran versprochen.

Er argumentierte laut dem Bericht auch damit, dass die damalige Protestwelle im Iran ihren Beitrag zum Sturz des Regimes leisten werde. Die „New York Times“ berichtete, dass die US-Geheimdienste dem in einer Analyse breiterer Sprachen, auch Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident JD Vance seien sehr skeptisch gewesen. US-Präsident Donald Trump hat sich dennoch für den Angriff entschieden.

„Leere Versprechungen“

Dass Israel trotz der vereinbarten Waffenruhe weiterhin Ziele im Libanon angreift, sei ein „politisches Minenfeld“, heißt es in dem „Haaretz“-Kommentar. Es blieb unklar, ob das Verhältnis von Netanjahu zu Trump nicht gelitten hätte. Und für Netanjahu sei „es nun bereits das vierte Mal in Folge – in Gaza, einmal im Libanon und zweimal im Iran –, dass sich seine Prahlereien vom totalen Sieg und der Beseitigung existenzieller Bedrohungen als leere Verungensprechungen erwiesen haben“.

Einmalige Chance für Netanjahu

Auf der Onlineplattform Times of Israel stoßen gleich zwei Kommentare im selben Horn: Zwar hatte Netanjahu am Mittwochabend gesagt: „Wir haben noch Ziele zu erreichen und wir werden sie erreichen – entweder durch ein Abkommen oder durch eine Wiederaufnahme der Kämpfe.“ Doch die Kommentatoren der Nachrichtenplattform glauben nicht, dass sich die Kriegsziele noch erreichen lassen.

Angesichts der Zwischenwahlen im November und der wirtschaftlichen Turbulenzen, die der Iran durch das Ölnadelöhr an der Straße von Hormus nutzt, wird Trump wohl keine Risiken mehr eingehen. Netanjahu habe die Chance seines Lebens gehabt, doch auch in seinem „Traumszenario“ habe er diese nicht vollständig nutzen können.

Scharfe Kritik der Opposition

Zwar weisen alle israelischen Kommentatoren darauf hin, dass der Iran sicherlich deutlich geschwächt wurde, eine für Israel optimistische Einschätzung muss man aber suchen. In einem Kommentar in der netanjahufreundlichen „Jerusalem Post“ heißt es, Trump und Netanjahu hätten zwar „die Islamische Republik nicht zu Fall gebracht“. Aber: „Sie haben es unmöglich gemacht, sie aufrecht zu erhalten.“

Die israelische Opposition sieht das anders: „Netanjahu hat politisch versagt, strategisch versagt und kein einziges der Ziele erreicht, die er sich selbst gesetzt hatte“, schrieb Yair Lapid am Mittwoch auf der Plattform X. „In unserer Geschichte hat es noch nie eine solche politische Katastrophe gegeben.“

Weiter schrieb er: „Israel saß nicht einmal mit am Tisch, als Entscheidungen getroffen wurden, die den Kern unserer nationalen Sicherheit betreffen.“ Netanjahu sei arrogant und nachlässig gewesen und habe nicht strategisch geplant, das warf Lapid Israels Regierungschef vor. Es werde Jahre dauern, „den politischen und strategischen Schaden zu beheben“.

Drohende Wahlniederlage im Herbst

Laut jüngsten Meinungsumfragen nahm in Israel die Zustimmung zu den Angriffen auf den Iran in den Wochen nach Kriegsbeginn ab, meldet „Haaretz“. Zwar würden weiterhin 68 Prozent die Angriffe unterstützen, zu Kriegsbeginn lag der Wert aber über 80 Prozent. Auch Netanjahus persönliche Umfragewerte waren schlecht.

Bei der kommenden Parlamentswahl im Oktober könnte die Opposition laut Umfragen knapp die absolute Mehrheit im Parlament gewinnen – ohne dabei auf arabische Parteien angewiesen zu sein. Das Spektrum der israelischen Oppositionsparteien reicht von rechts bis links und schließt auch Repräsentanten der arabischen Minderheit ein.

Stärkste Kraft der Opposition ist laut den Umfragen die neue Partei von Naftali Bennett, der von Sommer 2021 bis Sommer 2022 schon einmal eine Regierung mit Partnern von links bis rechts angeführt hatte. Auch Bennett, der den Angriff auf den Iran gutgeheißen hatte, schloss sich am Mittwoch der Kritik an. Nachdem man die Kriegsziele nicht erreicht habe, sei man nun mit einem die Kriegsziele nicht erreicht worden, sei „Israel mit einem rachsüchtigen Iran“ konfrontiert.

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