Der New Yorker Kunsthistoriker Fine leitet das Museum seit dem Vorjahr, die Vorwürfe kommen von der Direktorin der Außenstelle Schloss Ambras bei Innsbruck, Veronika Sandbichler. Sie spricht über „systematisches Mobbing“ und von einer „toxischen Führungskultur“, die ZIB2 berichtete am Dienstagabend.
Der KHM-Museumsverband wies die Vorwürfe zurück. Im Kuratorium des Museums fand eine Sondersitzung statt, nachdem Sandbichler ihre Vorwürfe am Mittwoch im Ö1-Morgenjournal nochmals präzisiert hatte. Fein bestreitet alle gegen ihn vorgebrachten Mobbing- und Bossing-Vorwürfe dezidiert. „Ich weise den Vorwurf zurück, dass es ein systematisches Mobbing im KHM-Museumsverband gibt“, sagte er am Mittwochabend.
Verweis auf Verhandlungen über Abfertigung
Die von Sandbichler vorgebrachten Vorwürfe seien nach dem Scheitern von Verhandlungen über die Abfertigungshöhe eines von Sandbichler angestrebten Ausscheidens aus dem langjährigen Arbeitsverhältnis an die Öffentlichkeit getragen worden, heißt es. Er sei „mit einer ambitionierten Vision für den KHM-Museumsverband angetreten“, sagte Fine. Vor allem für langjährige Mitarbeitende sei es „vielleicht schwierig, mit dieser Vision umzugehen“.
Er und Frey hatten infolge schlechter Performance des Museumsstandortes auf Schloss Ambras Handlungsbedarf gesehen und Sandbichler und ihr Team zur Entwicklung neuer Ideen eingeladen. Die Besucherzahlen, die meist um die 100.000 pro Jahr liegen, hatten zuletzt einen starken Rückgang verzeichnet. „Wir waren aber der Meinung, dass es das Potenzial des Zweieinhalbfachen hat, wenn wir die Dinge richtig angehen“, sagte Frey.

„Schwierige Diskussionen“ im Herbst
Man habe in Workshops und Gesprächen zunächst den Eindruck gewonnen, dass Sandbichler sich mit der erbetenen Planung einer Weiterentwicklung beschäftige, habe diesen Eindruck jedoch später revidieren müssen. Eine Eskalation in der Form, dass er sie angeschrien habe, habe es aber nicht gegeben, so Fine.
„Es waren im Herbst schwierige Diskussionen mit Frau Dr. Sandbichler, aus meiner Sicht wurden sie nie unkollegial und unprofessionell geführt“, sagte der Generaldirektor, der hinzufügte: „Ich möchte persönlich sagen, es tut mir leid, dass es Frau Dr. Derzeit befinde sie sich im Krankenstand, hieß es.

„Ernsthafte Prüfung“ angekündigt
Nach Darstellung der KHM-Führungsspitze sei im Jänner von Sandbichler der Wunsch nach einer Vertragsauflösung geäußert und in den folgenden Verhandlungen der Anwälte zur gesetzlichen Abfertigung eine freiwillige Abfertigung von zwei Jahresgehältern gefordert worden. Am 25. Februar waren diese Gespräche von Sandbichlers Anwalt Martin Maxl abgebrochen worden. Am selben Tag soll die Kuratoriumsvorsitzende Ulrike Baumgartner-Gabitzer erstmals mit schweren Vorwürfen gegen die Geschäftsführung konfrontiert worden sein.
Diese traten vor den Geschäftsführern alleine vor die Presse und berichteten von einer am Nachmittag stattgefundenen, außerordentlichen Kuratoriumssitzung, in der man sich einig gewesen sei, die erhobenen Vorwürfe „sehr ernsthaft“ prüfen zu wollen.
Anwalt: 20 Personen ausgeschieden
Sandbichlers Anwalt Maxl argumentiert, dass es sich beim Fall seiner Mandantin um keinen Einzelfall handle. „Da sind knapp 20 Personen durch genau diese toxische Führungskultur aus dem KHM ausgeschieden“, sagte er im Ö1-Morgenjournal. Sandbichler spricht von „sehr, sehr viele Kolleginnen und Kollegen, die Angst haben, ihren Job zu verlieren“. Sie habe unmittelbar nach dem Erheben der Vorwürfe Gespräche mit dem Gleichbehandlungsbeauftragten und dem Betriebsrat geführt, diese seien aber keine Vorwürfe bekannt gewesen, sagte Baumgartner-Gabitzer.
Weitere Mitarbeiterinnen erheben Vorwürfe
In der ZIB1 wurde am Mittwochabend jedoch berichtet, vier ehemalige KHM-Mitarbeitende hätten sich an den ORF gewandt. Zwei Personen wurden in der Sendung verfremdet gezeigt. „Ich kann mich an mehrere Meetings erinnern. Da geht es darum, eine Person vor den anderen fertig zu machen. Es geht öfters gegen Frauen – öfters gegen Frauen als gegen Männer“, sagte ein Mann. „Mehrere Kolleginnen haben mehrmals die Woche geweint. Die haben sehr gelitten und hatten große Selbstzweifel“, berichtete eine Frau. „Ich habe bei mindestens zwei Kolleginnen sehr gut beobachten können, wie sie systematisch zur Kündigung gedrängt wurden. Das war nicht impulsiv, sondern sehr, sehr überlegt. Und das macht das Ganze ziemlich hässlich.“
Mobbingvorwürfe gegen KHM-Spitze erhoben
Gegen Direktion und Geschäftsführung des Kunsthistorischen Museums Wien wurden schwere Mobbingvorwürfe erhoben. Mehrere aktuelle und ehemalige Mitarbeiter berichteten von einem toxischen Arbeitsklima.
Vorwürfe für Fine „diffus“
Mit diesen Aussagen bei der Pressekonferenz konfrontiert, entgegnete Fine, er kenne den Bericht noch nicht und wolle sich außerdem zu „diffusen Vorwürfen“ nicht äußern. Er und Frey, dem von Maxl unter anderem vorgeworfen wird, „jahrelang ein autonomes Machtgefüge mit der Beförderung ihm persönlich nahestehender Personen aus sachfremden Motiven“ aufgebaut zu haben, waren vom Kuratorium um Stellungnahmen gebeten worden und hätten diese auch geliefert.
Dem Kulturministerium soll von Maxl eine Liste von 16 Personen vorgelegt worden sein, die eine ungewöhnlich hohe Abgangsrate im KHM seit dem Antritt von Fine belegen soll. „Wir kennen diese Liste. Diese 16 Namen sind eine sehr selektive und aus meiner Sicht nicht nachvollziehbare Auswahl“, sagte Frey, nur drei beträfen Führungskräfte, von denen man sich im Jänner 2025 aufgrund der Neuorganisation getrennt habe. Insgesamt sei die Fluktuation nicht höher als früher. Wie die KHM-Führungsspitze nun weiter vorgehen wird, ist unklar. „Ich habe die Hoffnung, dass wir einvernehmlich die Gespräche wieder aufnehmen können“, sagte Frey.
„Fairer Umgang“ für Ministerium eine Priorität
Das Kulturministerium betonte gegenüber der APA, dass in der Angelegenheit bereits Stellungnahmen der Geschäftsführung des KHM-Museumsverbandes und der Kuratoriumsvorsitzenden eingeholt worden seien. Eine externe Revision sei vom Kuratorium des KHM beauftragt worden.
Ein fairer und respektvoller Umgang in Kunst und Kultur habe für Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) „aber oberste Priorität, ebenso die konsequente Einhaltung von Compliance-Grundsätzen“.

