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Thursday, April 16, 2026

Tempolimit, Homeoffice: Energieagentur gibt Tipps gegen die Ölkrise

Die IEA nannte konkret „zehn Maßnahmen, die von Regierungen, Unternehmen und Haushalten schnell umgesetzt werden können“. Der Verbrauch könnte unter anderem durch mehr Homeoffice, ein Senken des Tempolimits auf Autobahnen um mindestens zehn Kilometer pro Stunde sowie das Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel reduziert werden.

Außerdem schlägt die Energieagentur vor, die Zufahrt in die Großstädte im täglichen Wechsel jeweils Autos mit geradem und ungeradem Kennzeichen zu erlauben, wodurch Staus und der Kraftstoffverbrauch reduziert würden.

ORF/Christian Öser

Bahn statt Auto: Die IEA rät unter anderem zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel

Carsharing und Verzicht auf Flugreisen empfohlen

Zusätzliche Vorteile ließen sich durch Carsharing, eine effizientere Fahrweise und durch eine verbesserte Effizienz im Güter- und Lieferverkehr erzielen. Weiter soll der Flüssiggasverbrauch im Verkehrssektor reduziert werden, sodass dieser in ausreichenden Mengen zum Kochen vorhanden ist. Generell soll aber auch beim Kochen die Abhängigkeit von Flüssiggas durch modernere Kochmethoden reduziert werden. In Österreich ist diese Empfehlung kaum von Relevanz.

Auch der Verzicht auf Flugreisen könnte den Ölbedarf in der Krise senken, teilte die IEA mit. Die Industrie könnte versuchen, wo das möglich ist, auf alternative Rohstoffe als Energiequelle umzustellen. Regierungen könnten durch regulatorische Maßnahmen und gezielte Anreize mit gutem Beispiel vorangehen und Unterstützung auf die Verbraucher konzentrieren, die sie am dringendsten benötigen. Erfahrungen aus früheren Krisen zeigen, dass gezielte Unterstützungsmechanismen wirksamer als breit angelegte Subventionen sind.

IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol

Reuters/Dilara Senkaya

IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol

Freigabe strategischer Ölreserven nicht ausreichend

„Der Krieg im Nahen Osten führt zu einer schweren Energiekrise einschließlich der größten Versorgungsunterbrechung in der Geschichte des globalen Ölmarktes“, sagte IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol. „Sollte es nicht zu einer raschen Lösung kommen, werden die Auswirkungen auf die Energiemärkte und die Volkswirtschaften immer gravierender werden“, so Birol. Im Interview mit der „Financial Times“ sagte er, dass die Wiederherstellung der Öl- und Gasflüsse aus der Golfregion bis zu sechs Monate dauern könnte.

Zwar hatten die IEA-Mitgliedsländer mit der Freigabe strategischer Ölreserven begonnen, um die durch den Krieg angespannten Märkte zu stabilisieren. Das allein könne das Ausmaß der Störungen jedoch nicht vollständig ausgleichen, erläuterte die IEA. Die Steuerung der Nachfrage sei ein entscheidendes und unmittelbar wirksames Instrument, um eine sichere Energieversorgung zu gewährleisten und den Druck auf die Verbraucher zu verringern.

Seit Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar ist die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports verläuft, durch das iranische Militär de facto gesperrt. Die Öl- und Gaspreise stiegen in der Folge stark.

Autopickerl für den autofreien Tag in Österreich.1974

APA-Images/brandstaetter images/Austrian Archives

Im Zuge der Ölkrise 1973 wurde in Österreich ein autofreier Tag eingeführt und Autos mit Aufklebern gekennzeichnet

Erinnerungen an eine Ölkrise von 1973

Das weckt in Europa auch Erinnerungen an die Ölkrise von 1973. Auslöser für den damaligen Preisschock war der Krieg zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarländern. Um Treibstoff zu sparen, wurde in Österreich unter dem damaligen Bundeskanzler Bruno Kreisky ein temporäres Tempolimit von 100 km/h eingeführt.

Auch ein autofreier Tag pro Woche wurde beschlossen – die Fahrzeuge wurden mit Aufklebern auf der Windschutzscheibe gekennzeichnet, auf denen offensichtlich war, an welchen Tagen sie nicht fahren durften. Seit damals haben die österreichischen Schulen auch die umgangssprachlich noch immer so genannten „Energieferien“.

In Deutschland reagierte die damalige Regierung unter Kanzler Helmut Schmidt (SPD) mit einem „Energiesicherungsgesetz“, das Energieeinsparungen in Höhe von zehn bis 15 Prozent vorsah. Sichtbarste Auswirkung waren vier autofreie Sonntage im November und Dezember 1973: Die von Fußgängern und Radfahrern in Beschlag genommenen Autobahnen und Landstraßen wurden zum Symbol der Ölkrise. Um einen zusätzlichen Spareffekt zu erzielen, wurde die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen vorübergehend auf 100 km/h, auf Landstraßen sogar auf 80 km/h gesenkt.

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