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Monday, May 11, 2026

Sudan: RSF finanziert Krieg mit Beute aus Museen

Fachleute berichten laut der Zeitung, dass die geplünderten Kulturschätze auf dem illegalen internationalen Kunstmarkt an den Meistbietenden verkauft würden. Seit Beginn des Krieges im April 2023 soll die Miliz laut der Nationalen Gesellschaft für Altertümer und Museen (NCAM) Kulturgüter im Wert von 150 Millionen US-Dollar (rund 130 Mio. Euro) errichtet haben.

„Wir gehen davon aus, dass die Miliz Verbindungen zu internationalen kriminellen Organisationen unterhält, um den Verkauf dieser Gegenstände zu erleichtern“, sagte Abdelrahman Ali Mohamed, Experte bei der UNO-Kulturorganisation UNESCO, der Zeitung. Die UNESCO arbeitet derzeit an einer Datenbank aller geplünderten Gegenstände, „um deren Aufspüren und Wiederbeschaffung zu ermöglichen“.

Reuters/El Tayeb Siddig

Ein Großteil der Bestände des Sudanesischen Nationalmuseums in der Hauptstadt Khartum wurde geplündert

Minister: Mindestens 20 Museen geplündert oder zerstört

Das Sudanesische Nationalmuseum in der Hauptstadt Khartum fiel den Plünderungen früh zum Opfer – die RSF-Miliz kontrolliert die Stadt bis März 2025. „Mehr als 60 Prozent der Museumsbestände wurden geplündert“, sagte NCAM-Direktorin Ghalia Dschar al-Nabi dem US-Sender NBC News im März. Auf Aufnahmen sind statt Gold und Schmuck der Könige von Napata und Meroe leere Vitrinen zu sehen.

In der Stadt al-Faschir im Norden der Region Darfur wurde ein Palast aus dem 19. Jahrhundert, in dem sich das Sultan-Ali-Dinar-Museum bekannt machte, erst geplündert und dann bombardiert. Geplündert wurden auch das Al-Genaina-Museum und das Njala-Museum in Darfur. Selbiges vergoldet für das Gesira-Museum in Wad Madani im Bundesstaat al-Dschasira. Nach Angaben des sudanesischen Kultur- und Informationsministers Chalid Ali al-Aisir wurden seit Kriegsbeginn mindestens 20 Museen zerstört oder zerstört.

Frühere Geldquellen

Die RSF, die aus Reitermilizen in der Region Darfur hervorgegangen ist, finanziert sich über Jahre durch den Verkauf von Gold und durch Zahlungen für die Bewachung von Minen der russischen Söldnergruppe Wagner im Westen des Landes.

„Doch seit Ausbruch des Krieges vor drei Jahren gibt es von beiden kaum noch etwas: Das Militär hat von Rebellen kontrollierte Goldminen bombardiert, während die Russen nach dem Tod des Wagner-Gründers Jewgeni Prigoschin weitgehend verschwunden sind“, schrieb das „Wall Street Journal“. Mit der Beute aus Museen sollen dem Vernehmen nach jene Löcher gestopft werden. Die RSF-Miliz bestritt die Plünderung der Museen allerdings.

Anzeigen auf eBay

Laut NCAM sind gestohlene Stücke bereits in sozialen Netzwerken und auf Onlineplattformen zum Verkauf aufgetaucht. 2024 berichtete die Nachrichtenagentur AFP etwa, dass Antiquitäten wie Gemälde und Keramik, die mutmaßlich aus dem Nationalmuseum gestohlen wurden, sogar auf eBay geführt wurden. Das Unternehmen entfernte daraufhin entsprechende Angebote.

Zurückgeholte Artefakte, die gestohlen wurden

APA/AFP/Sophie Pons

In der Stadt Port Sudan wurden im Jänner zurückgeholte Artefakte zur Schau gestellt

Von den gestohlenen Kulturschätzen konnte bisher nur ein kleiner Teil wiedergefunden werden. Sichergestellt wurden diese von der Armee und auch von Zollbeamten an Grenzübergängen. Rund 570 wiedergefundene Antiquitäten wurden im Jänner bei einer Zeremonie in Port Sudan gezeigt, wie die Zeitung „Sudan Tribune“ damals berichtete.

„Tausende wertvolle Objekte blieben jedoch verschollen“, sagte Graham Abdel Kader, Staatssekretär im Ministerium für Kultur und Information, zu NBC News. Allein aus dem Nationalmuseum wurden rund 8.000 Objekte gestohlen. Dabei bedrohe der illegale Bergbau archäologische Stätten, berichtete NBC. „Auf der Nil-Insel Sai sind Bulldozer auf alten Gräberfeldern im Einsatz.“

„Verlust für die Menschheit“

„Diese Plünderungen sind nicht nur eine nationale Tragödie für den Sudan, sondern auch ein Verlust für die Menschheit“, sagte Ahmed Dschunaid, UNESCO-Vertreter im Sudan, dem „Wall Street Journal“. „Diese Objekte dürfen nicht auf den internationalen Kunstmarkt gelangen“, forderte er.

Der seit 2023 andauernde Machtkampf zwischen den Truppen des Militärherrschers Abdel Fattah al-Burhan und der RSF-Miliz seines früheren Stellvertreters Mohammed Hamdan Daglo forderte bereits Zehntausende Menschenleben. Auf beiden Seiten werden schwere Menschenrechtsverletzungen, darunter sexuelle Gewalt, vorgeworfen.

Immer wieder kommt es zu Drohnenangriffen auf zivile Einrichtungen, das Gesundheitssystem gilt weitgehend als zerstört. Die UNO sprach angesichts von weit verbreitetem Hunger und derzeit 11,6 Millionen Flüchtlingen und Binnenvertriebenen von der größten humanitären Krise der Welt. Ein baldiges Ende der Kämpfe ist indes nicht in Sicht.

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