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Friday, April 17, 2026

Studie: Jugendliche suchen in Krisenzeiten Stabilität

Für die am Dienstag präsentierte Studie befragten die 14 Pädagogischen Hochschulen im Frühjahr 2025 rund 15.000 Schülerinnen und Schüler der Acht bis zwölften Schulstufe online. Werte wie ein hoher Lebensstandard (48 Prozent), das Durchsetzen eigener Bedürfnisse (28) sowie Macht und Einfluss (20) sind mehr Befragten wichtig als in der letzten Studie.

Werte wie Umweltschutz, Toleranz und die Unterstützung Benachteiligter wurden weniger wichtig. „Idealismus muss man in diesen Zeiten einfach auch leisten können“, kommentierte Studienmitautorin Martina Ott von der PH Vorarlberg das Ergebnis.

Sozialer Nahbereich als Rückzugsort

Jugendliche wünschen sich auch öfter als bei der letzten Befragung mehr Freizeit (65 Prozent), ein höheres Einkommen (51) und gute Aufstiegsmöglichkeiten (51). Bei ihrem zukünftigen Beruf ist es zu 75 Prozent wichtig, dass sie einen sicheren Arbeitsplatz findet. Zwei Drittel nennenswert außerdem genügend Freizeit und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Eigene Zukunft: Die Mehrheit der Jugendlichen zuversichtlich

Die Pädagogischen Hochschulen haben in einer großen Umfrage versucht herauszufinden, wie es Jugendlichen in Österreich geht. Fast 90 Prozent der 15.000 zwischen 14- und 18-Jährigen blicken positiv in ihre eigene Zukunft. Aber nur 30 Prozent glauben, dass sich die Gesellschaft in die richtige Richtung entwickelt.

Der „soziale Nahbereich“, so Ott, sei für die Jugendlichen ein Rückzugsort und eine „zentrale Ressource“, die sie brauchten, um sich den Herausforderungen von Schule und Gesellschaft zu stellen. Gleichzeitig gebe es aber eine wachsende Entfremdung vom politischen System.

Zufriedenheit mit Demokratie gesunken

So waren nur 42 Prozent mit der Demokratie zufrieden. Bei der vorherigen Erhebung waren es noch 70 Prozent gewesen. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) sprach von einem „Warnsignal“ und sagte, er wolle gegensteuern.

Insgesamt zieht sich ein Widerspruch zwischen persönlicher Zuversicht und gesellschaftspolitischer Skepsis durch die Studie. Während 88 Prozent ihre eigene Zukunft (eher) positiv schätzen, sind es bei der Entwicklung der Gesellschaft nur 33 Prozent.

Wissenschaft wird vertraut

Dabei ist nicht nur die Zufriedenheit mit der Demokratie gering, sondern – bei insgesamt leicht gestiegenem politischem Interesse (49 Prozent) – auch das Vertrauen in Parteien (38 Prozent) und das Parlament (58). Zum Vergleich: Am höchsten ist das Institutionenvertrauen in Wissenschaft und das Bundesheer (je 77 Prozent).

Eine laut Ott für das Jugendalter typische Ambivalenz zeigt sich auch bei den politischen Einstellungen im Detail: Während demokratische Grundwerte wie Beteiligung an Wahlen und Kompromissbereitschaft mehr als 80 Prozent Zustimmung bekamen, stimmten gleichzeitig 56 Prozent dafür, dass eine „starke Hand“ einmal Ordnung in den Staat bringen sollte.

Wenig Demokratie an Schulen

Die Schulen werden von den Jugendlichen zwar als wichtige Orte demokratischer Bildung erlebt, etwa beim Erlernen von Meinungsvielfalt und Argumentation. Allerdings fehle echte Mitbestimmung: Für 57 Prozent werden in Schulen Entscheidungen ohne ihre Beteiligung getroffen. Der Bildungsminister sah darin einen Auftrag an die Schulen, die Demokratiebildung aufzubauen – nicht nur an den AHS-Oberstufen, wo dafür mit Herbst 2027 ein eigenes Fach eingeführt wird, sondern auch in den anderen Schulformen.

„Politische Bildung darf kein Randthema sein“, betonte er. Mitbestimmung muss außerdem erlebbar sein. „Demokratie lernt man nicht nur durch ein Lehrbuch oder Theorie, sondern durch Erfahrung und Teilhabe“, so Wiederkehr.

Vermehrt Klagen über Wohlbefinden

Handlungsbedarf ortete Wiederkehr außerdem beim gesundheitlichen Wohlbefinden der befragten 14- bis 19-Jährigen, das sich im Vergleich zur ersten Erhebung von 2020 deutlich verschlechtert hat. Ein Drittel bezeichnete sich als dauernd oder oft schlecht gelaunt oder gereizt, klagte über Rücken- oder Kopfschmerzen bzw. Einschlafprobleme.

Während vor fünf Jahren noch 50 Prozent von einer mittleren und vier Prozent von einer hohen Beschwerde zuletzt berichteten, waren es diesmal 63 bzw. acht Prozent. Besonders betroffen sind junge Frauen, diversgeschlechtliche Jugendliche und Jugendliche aus Familien mit wenig Geld. Als größte Sorgenthemen werden familiäre Konflikte, schwere Krankheiten und Krieg in Europa genannt.

„Generation massiv unter Druck“

Der Minister betonte in dem Zusammenhang die Verantwortung der Schulen, die psychische und körperliche Gesundheit der Jugendlichen zu verbessern, und verwies auf die Verdoppelung des psychosozialen Unterstützungspersonals. Insgesamt zeige die Studie, „dass die heranwachsende Generation massiv unter Druck steht. Und sie erwartet sich zur Recht, dass wir als Gesellschaft darauf reagieren, beispielsweise, indem wir politische Bildung stärken.“

Insgesamt fällt das Zeugnis für die Schule durchwachsen aus. Etwas mehr als die Hälfte der Schüler geht gern oder sehr gern in die Schule und schätzt die eigenen Leistungen als gut ein. Gleichzeitig bereiten die Schule 59 Prozent der Befragten Sorgen, vor allem Mädchen und diversgeschlechtlichen Jugendlichen.

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