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Sunday, August 9, 2026

Strom und Wasser: Debatte über Google-Zentrum verschärft sich

Insgesamt könnte das Rechenzentrum den oberösterreichischen Strombedarf um etwa ein Drittel erhöhen. Laut Netz Oberösterreich dürfte der Jahresverbrauch in der ersten Ausbaustufe mit 150 Megawatt (MW) bei bis zu 1,31 Terrawattstunden (TWh) liegen, das entspricht dem Jahresstromverbrauch von 375.000 Haushalten.

Wird die zweite Stufe mit 500 MW Spitzenleistung fertiggestellt, kämen bis zu 4,4 TWh dazu. Das entspreche fast einem Drittel des bisherigen Gesamtbedarfs des Bundeslandes: Ganz Oberösterreich verbrauchte 2024 laut Oberösterreichischem Energiebericht 14 TWh.

Für die Netze dürften die enormen Strommengen zumindest kein Problem werden, hieß es am Donnerstag von der Energieregulierungsbehörde E-Control. Die notwendigen Netzanschlussmöglichkeiten sind in Oberösterreich gegeben.

Negative Auswirkungen auf Enns erwartet

Der hohe Ressourcenverbrauch des Rechenzentrums könnte außerdem Folgen für die Enns haben. Denn das Datencenter dürfte täglich bis zu 5,8 Millionen Liter erwärmtes Kühlwasser in den Nebenfluss der Donau pumpen. Laut wasserrechtlicher Bewilligung darf Google maximal 99 Liter Wasser pro Sekunde in die Enns einleiten – mit einer Maximaltemperatur von 30 Grad Celsius, wie science.ORF.at berichtete. Pro Tag dürfen von Google insgesamt höchstens 5,8 Millionen Liter erwärmtes Kühlwasser in die Enns geleitet werden. Gewonnen werden soll das Kühlwasser aus Brunnen nahe der Enns.

Von Google hieß es am Freitag, dass die Auswirkung auf die Enns laut dem Gutachten, das der wasserrechtlichen Bewilligung zugrunde liegt, so gering sei, „dass sie seitens der Amtssachverständigen als vernachlässigbar eingestuft wurde. Beispielsweise werde es beim Kraftwerk Mühlrading, das sich in unmittelbarer Nähe, schon keinen messbaren Temperaturunterschied mehr geben“, so Google.

Der im Wasserbescheid genannte Höchstgrenzwert werde zudem im Regelbetrieb deutlich unterschritten. Das Unternehmen kündigte darüber hinaus an, über einen Fonds gemeinsam mit dem Oberösterreichischen Landesfischereiverband Projekte zur Verbesserung des Gewässerökosystems der Enns zu unterstützen.

Protest bei Baustelle

Wegen des hohen Ressourcenverbrauchs und der Folgen für die Umwelt rief die „Bürgerinneninitiative Rechenzentrum Kronstorf“ am Freitag zum Protest bei der Großbaustelle auf. Über 200 Personen nahmen an der Demonstration teil. Vom Kronstorfer Bürgermeister Christian Kolarik (ÖVP) hieß es zu der angekündigten Demo: „Google hat vor mittlerweile 18 Jahren das Grundstück für die etappenweise Entwicklung erworben, und genau das wird jetzt auch umgesetzt.“

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Zehetner lehnte SPÖ-Vorschlag zu UVP-Pflicht ab

Kritik am 50-Hektar-Bauvorhaben von Google gab es zuletzt auch, weil keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durchgeführt wurde. Rechenzentren seien keine Vorhabenskategorie im UVP-Gesetz, und da das Projekt die UVP-Schwellenwerte nicht erreiche, sei es nicht UVP-pflichtig, sagte SPÖ-Umweltsprecherin Julia Herr.

Herr kündigte an, das Thema in die aktuell laufenden Verhandlungen über die Novelle des UVP-Gesetzes einzubringen. Von der ÖVP kam am Freitag aber eine Absage: Eine pauschale UVP-Pflicht für Rechenzentren sei „der falsche Weg“, so Energiestaatssekretärin Elisabeth Zehetner.

„Wir können nicht mehr europäische Souveränität bei KI fordern und gleichzeitig jene Infrastruktur durch immer neue Hürden ausbremsen, auf der sie beruht“, hieß es. Die Auswirkungen dieser Projekte würden zudem bereits heute im Raumordnungs-, Bau-, Betriebsanlagen- und gegebenenfalls Wasserrecht geprüft werden, so Zehetner.

Unterstützung für das Anliegen kam dafür von den Grünen. Sie kündigten an, einen Antrag zur Schließung der „UVP-Lücke“ einzureichen. Auch die Umweltschutzorganisation Global 2000 und das Ökobüro sprachen am Freitag bei einer Pressekonferenz von einer „Gesetzeslücke“. Diese beruhe darauf, dass es zur Zeit der Erstellung noch keine Rechenzentren in diesem Umfang gegeben habe. Die Forderung nach einem UVP-Pflicht kam außerdem von den Umweltorganisationen WWF und Virus.

Ökobüro: UVP ab 50 Megawatt

Offen bleibt, welche Neuerungen eine UVP-Reform genau bringen könnte. Ökobüro-Geschäftsführer Gregor Schamschula schlägt im Ö1-Mittagsjournal begründete Umweltverträglichkeitsprüfungen ab einer Abnahme von 50 MW vor. Das entspreche etwa der Stromanschlussleistung von Linz.

Ebenso soll eine UVP ab 20 MW begründet sein, wenn zudem Kühlwasser aus Gewässern oder Grundwasser entnommen oder weniger als die Hälfte der Abwärme extern genutzt wird. Ein vereinfachtes Verfahren könnte es ab zehn MW geben, außerdem wäre eine UVP in schutzwürdigen Gebieten sinnvoll.

Umweltrechtsexperte: Gesetzlich vor der UVP ansetzen

Laut dem Umweltrechtsexperten Wilhelm Bergthaler von der Universität Linz gibt es bisher keinen rechtlichen Tatbestand speziell für Rechenzentren. Stärkere Vorgaben für Rechenzentren durch UVP-Reform sieht er aber kritisch aus. Kommt es dazu, könnte es zu „einer Flut sehr strittiger Rechtsfragen“ kommen, so der Experte im Ö1-Mittagsjournal.

Sinnvoll sei es, Vorgaben für Rechenzentren über Flächenwidmung und Planung umzusetzen, statt durch einen „Einmalgenehmigungsakt“, sagte Bergthaler. Durch einen „Einmalgenehmigungsakt“ sei das Problem nicht lösbar. Betreiber von Rechenzentren müssten außerdem etwa verpflichtet sein, bei „Technologiesprüngen“ effizienter zu werden. Auch darum wären andere Instrumente sinnvoller als ein UVP-Pflicht für Rechenzentren.

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