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Thursday, April 16, 2026

Streit über Kampfpause: Iran droht mit der „Hormus-Waffe“

Der iranische Parlamentspräsident Mohammed-Bagher Ghalibaf warf den USA am Mittwochabend vor, bereits drei zentrale Punkte des zehn Punkte umfassenden iranischen Forderungskatalogs verletzt zu haben. Ein bilateraler Waffenstillstand oder Verhandlungen seien unter diesen Umständen „nicht sinnvoll“. Die USA haben die zehn Punkte freilich nicht anerkannt.

Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Fars berichtet, dass Teheran wegen der israelischen Angriffe auf die verbündete Schiitenmiliz Hisbollah einen Ausstieg aus der vereinbarten zweiwöchigen Feuerpause mit den USA erwäge. Der iranische Außenminister Abbas Araktschi fordert die USA auf, Israel zur Einstellung seiner Angriffe auf den Libanon zu bewegen.

„Die Bedingungen für die Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA sind klar und eindeutig: Die USA müssen sich entscheiden – entweder Waffenruhe oder Fortsetzung des Krieges via Israel. Sie können nicht beides haben“, schrieb Araktschi am Mittwoch auf der Plattform X.

Iran setzt „Wunderwaffe“ ein

Ein iranischer Militärvertreter sagte, dass Öltankern die Fahrt durch die Straße von Hormus verweigert werde. Das widerspricht der Vereinbarung mit den USA. Nach Angaben von Fars passierten nur zwei Öltanker die Straße von Hormus, bevor der Schiffsverkehr aus Protest gegen das israelische Vorgehen im Libanon wieder eingestellt wurde.

Das Weiße Haus forderte am Mittwochnachmittag (Ortszeit) eine sofortige Öffnung der Schifffahrtsroute. Präsident Donald Trump erwarte, dass die Meerenge „unverzüglich, schnell und sicher wieder geöffnet“ werde, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, am Mittwoch in Washington. Jede Schließung sei „völlig inakzeptabel“.

Dissens über Auswirkungen auf Libanon

Ein anonymer iranischer Militärvertreter drohte Israel mit weiteren Angriffen, sollte die Offensive gegen die Hisbollah weitergehen. Nach Einschätzung der iranischen Führung verstößt Israel mit seinen andauernden Angriffen auf die Hisbollah gegen die mit den USA abgestimmte Waffenruhe. Der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif schrieb auf X, die Feuerpause gelte ausdrücklich auch für den Libanon. Pakistan hatte die Waffenruhe zwischen Washington und Teheran vermittelt.

Lyon: Krieg wieder einen „großen Schritt näher“

Man sei dem Krieg wieder einen großen Schritt näher gekommen, die Straße von Hormus sei zu. Werde der Libanon von Israel angegriffen, werde auch der Iran wieder angreifen. Man sei auf halbem Weg wieder im Krieg, so ORF-Korrespondentin Rosa Lyon. In den USA sei man sich nicht sicher, weshalb man sich überhaupt geeinigt habe, besonders in Bezug auf den Libanon, berichtete ORF-Korrespondent Christophe Kohl.

Dem widersprach US-Präsident Trump. Er bestätigte am Mittwoch israelische Angaben, wonach die Waffenruhe nicht für den Libanon gelte. Grund sei die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon, sagte Trump dem Sender PBS. Auf die Frage, ob er mit den anhaltenden israelischen Angriffen auf die Hisbollah einverstanden sei, antwortete Trump nach Angaben von PBS-Reporterin Liz Landers, das sei „Teil der Einigung“ und werde später geregelt. Mehrere europäische Staaten und Kanada hatten dazu aufgerufen, die Waffenruhe „auch im Libanon“ umzusetzen.

Trump wird mit Netanjahu reden

Trump will nach Leavitts Worten mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu über die Lage im Libanon reden. Die Frage werde mit Netanjahu und allen beteiligten Seiten weiter diskutiert, sagte sie.

Vance leitet die US-Delegation

Trump kündigte baldige direkte Gespräche mit dem Iran an. „Es wird schon sehr bald dazu kommen“, zitierte die „New York Post“ aus einem Telefoninterview. Auf der US-Seite sind Trumps Schwiegersohn Jared Kushner sowie der Sondergesandte Steve Witkoff dabei. Angeführt wird die Delegation von Vizepräsident JD Vance. Er ist ein erklärter Gegner des Krieges, konnte sich damit aber vor Beginn des Angriffskrieges Ende Februar nicht durchsetzen. Seine Teilnahme könnte darauf hindeuten, dass Trump nach den zwei Wochen die Angriffe nicht wiederaufnehmen will.

Der pakistanische Premierminister Sharif hatte die Delegationen beider Länder für Freitag zu Gesprächen nach Islamabad eingeladen. Erste Gespräche sollen laut dem Weißen Haus am Samstagvormittag (Ortszeit) stattfinden.

USA: Iranischer Forderungskatalog keine Grundlage

Ein hochrangiger US-Regierungsvertreter sagte, dass der Zehnpunkteplan des Iran keine Grundlage für die Gespräche sei. Der Plan enthält mehrere von den USA strikt abgelehnte Punkte, etwa die Erlaubnis der Urananreicherung, die Aufhebung aller US-Sanktionen sowie die iranische Kontrolle der Straße von Hormus.

Netanjahu: „Finger am Abzug“

Der israelische Ministerpräsident Netanjahu sagte am Mittwochabend in einer öffentlichen Erklärung, die Waffenruhe im Iran-Krieg sei „nicht das Ende des Kampfes“. Es sei vielmehr eine „Station auf dem Weg zum Erreichen aller unserer Ziele“. Man habe weiter den „Finger am Abzug“.

Als bisher nicht erreichtes Ziel nannte Netanjahu vor allem die mehr als 400 Kilogramm an hoch angereichertem Uran. Dieses würde vollständig aus dem Land entfernt, entweder im Rahmen einer Einigung oder einer Wiederaufnahme des Krieges, versprach Netanjahu.

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