In der Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer kamen mindestens neun Menschen ums Leben, wie Gouverneur Oleh Kiper mitteilte. Verletzt wurden laut den Angaben über 20 weitere Personen. Russland habe in mehreren Wellen mit Raketen und Drohnen angegriffen. Unter anderen Objekten der kritischen Infrastruktur, des Hafens und Wohngebäudes wurden Schäden festgestellt.
Eine russische Drohne traf laut ukrainischen Angaben ein ziviles Frachtschiff vor der Küste. Der Angriff habe einen Brand in einem der Container ausgelöst, teilte Kiper auf Telegram mit. Die Besatzung habe das Feuer jedoch gelöscht. Niemand sei verletzt worden. Das unter der Flagge von Nauru fahrende Schiff habe seine Fahrt fortsetzen können.
In der Hauptstadt Kiew wurden vier Menschen getötet, darunter ein zwölfjähriger Bub, wie ua Bürgermeister Witali Klitschko mitteilte. Es sind auch mindestens 54 letzte gegeben. Es handelt sich um Mehrfamilienhäuser, Privathäuser, ein Hotel, einen Bürokomplex, ein Autohaus, eine Tankstelle und ein Einkaufszentrum.
Angriffe auch in Dnipropetrowsk
In der ostukrainischen Region Dnipropetrowsk mit der Millionenstadt Dnipro kamen bei russischen Angriffen mit Drohnen, Artillerie und Raketen nach Angaben von Gouverneur Olexandr Ganscha vier Menschen ums Leben, 34 seien verletzt worden. Russland habe Drohnen, Artillerie und Raketen eingesetzt.
In der ostukrainischen Region Charkiw berichtete Gouverneur Oleh Synjehubow von einer Toten und sechs Verletzten in der Stadt Merefa durch Drohnenbeschuss. In der südukrainischen Stadt Mykolajiw sei dem Gouverneur der gleichnamigen Region zufolge nach dem russischen Angriff der Strom ausgefallen. Betroffen seien auch Siedlungen in der Umgebung. Die russischen Streitkräfte hatten die Energieinfrastruktur angegriffen.

Auch in der ebenfalls im Süden der Ukraine gelegenen Stadt Cherson wurde nach Angaben örtlicher Behörden die Stromversorgung gekappt. Der Grund dafür wurde noch geprüft. Die gleichnamige Region Cherson liegt östlich der Region Mykolajiw und gegenüber der Halbinsel Krim, die Russland bereits 2014 annektiert hat.
Selenskyj fordert Druck auf Russland
Eine weitere Nacht habe darauf hingewiesen, dass Russland keine Lockerung der globalen Politik oder die Aufhebung von Sanktionen verdiene, schrieb Selenskyj in sozialen Netzwerken. Er hatte zuvor bei einer Europareise neue Zusagen für militärische Hilfen der westlichen Staaten erhalten und dafür gedankt.
Russland kritisiert die westlichen Waffenlieferungen hingegen als Eskalation in dem Krieg, den Moskau seit mehr als vier Jahren führt. Selenskyj forderte außerdem Druck auf den Angreifer Russland. Zugleich fordert er einmal mehr, dass jedes Versprechen zur Unterstützung der Ukraine rechtzeitig erfüllt werde.
Am Donnerstag nahm Selenskyj in den Niederlanden den Internationalen Preis der Vier Freiheiten entgegen. In seiner Dankesrede bezeichnete er den russischen Staatschef Wladimir Putin als globale Bedrohung und appellierte abermals an die internationale Gemeinschaft, die Unterstützung für sein Land aufrechterhielt.
Costa Kiew Unterstützung versichert
EU-Ratspräsident Antonio Costa sprach den Verletzten und den Familien der Opfer der „ungeheuerlichen Angriffe“ sein Mitgefühl aus. „Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine ist gescheitert, und deshalb greift es nun bewusst zur Terrorisierung der Zivilbevölkerung“, schrieb er auf der Plattform X. „Russland muss diesen Terrorkrieg beenden.“ Die EU werde den Druck auf Russland weiter erhöhen, so die Portugiesen. „Und wir werden unsere standhafte Unterstützung für die Ukraine aufrechterhalten, während sie sich gegen die russische Aggression verteidigt.“
Die Unterstützerstaaten Kiews hatten am Mittwoch bei einer Sitzung der Ukraine-Kontaktgruppe in Berlin ihren weiteren Bestand zugesagt. Großbritannien sagte der Ukraine die Lieferung von 120.000 Drohnen für den Kampf gegen Russland zu. Das Moskauer Verteidigungsministerium reagierte mit scharfer Kritik an Europa und veröffentliche die Adressen dortiger Rüstungsfirmen.
Auch Russland meldet Tote
Auch Russland meldete mehrere Opfer bei ukrainischen Angriffen. In der russischen Region Krasnodar am Schwarzen Meer sprach Gouverneur Weniamin Kondratjew von zwei Toten, darunter eine 14-Jährige, und sieben Verletzten nach ukrainischen Drohnenangriffen. In der Region Tuapse sei ein Notstand ausgerufen worden. Drohnenträger beschädigten laut den Angaben Wohngebäude, zwei Bildungseinrichtungen und eine Musikschule.
Trümmer seien auch auf dem Gelände einer Fabrik im Hafengebiet gefallen. „In Noworossijk sei auf einem zivilen Schiff ein Feuer durch Drohnenträger entstanden, aber schnell gelöscht worden“, schrieb Kondratjew. Am Schwarzen Meer sind Noworossijsk und Tuapse die wichtigsten Häfen für den russischen Ölexport. In Tuapse gibt es auch eine große Raffinerie.
Das ukrainische Militär bestätigt einen Angriff auf den Hafen Tuapse. Dort sei Infrastruktur getroffen worden, teilte der Kommandant der Drohneneinheiten auf Telegram mit. Außerdem seien zwei Öllager auf der annektierten ukrainischen Halbinsel Krim getroffen worden.
Moskau: 200 Drohnen abgewehrt
Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, dass mehr als 200 ukrainische Drohnen auf russische Ziele abgewehrt worden seien. Die eigenen Angriffe auf die Ukraine bezeichnete das Ministerium als Antwort auf die „terroristischen Angriffe“ Kiews. Den Krieg begann allerdings Russland, die Ukraine wehrte sich mit den Gegenschlägen.
Russland warf der Ukraine außerdem vor, einen Öltanker unter liberianischer Flagge im Schwarzen Meer mit Drohnen getroffen zu haben. Der türkische Kapitän sei mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden, teilte die russischen Ermittlungsbehörden mit.

