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Tuesday, April 14, 2026

Rücktritt, Streitereien: Iran-Krieg spaltet Trump-Lager zunehmend

Der US-israelische Krieg im Iran, bei dem noch kein Ende in Sicht ist, habe „tiefe Spaltungen unter Trumps Anhängern hervorgerufen“, schrieb die „New York Times“ am Dienstag. Der antiinterventionistische Flügel der Trump-Regierung, der langwierige US-Militärinterventionen im Ausland ablehnt, zeigt sich zunehmend besorgt.

Mit Kent hatte am schließlich Dienstag der erste ranghohe Mitarbeiter der Trump-Regierung wegen des Krieges sein Amt niedergelegt. Der frühere CIA-Agent, der in der Vergangenheit abstruse Verschwörungserzählungen verbreitet hatte, war im Vorjahr von Trump zum Chef des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung nominiert worden.

AP/Jenny Kane

US-Anti-Terror-Chef Kent trat aus Protest zurück

Anti-Terror-Chef geht: Iran „keine unmittelbare Bedrohung“

Im Zuge seiner Rücktrittserklärung gab Kent nun an, dass der Iran „keine unmittelbare Bedrohung“ für die USA gewesen sei. Gleichzeitig behauptete Kent aber auch, dass die USA den Krieg „wegen Drucks aus Israel und seiner mächtigen amerikanischen Lobby“ begonnen habe. Kritikerinnen und Kritiker, darunter auch der republikanische Abgeordnete Don Bacon, warfen ihm deshalb Antisemitismus vor. Trump begrüßte den Rücktritt, er sei „eine gute Sache“.

Kent hätte das Amt angesichts seiner bisherigen Laufbahn nie ausüben dürfen, sagte der demokratische Senator Mark Warner. „In diesem Punkt hat er recht: Es gab keine glaubwürdigen Beweise für eine unmittelbar bevorstehende Bedrohung durch den Iran, die es rechtfertigen würde, die Vereinigten Staaten in einem weiteren Krieg im Nahen Osten zu drängen.“

Carlson: Krieg „absolut ekelhaft und böse“

In den USA wird seit bald drei Wochen über die widersprüchlichen Kriegsziele der Trump-Regierung und ein mögliches Exit-Szenario debattiert. Noch ist kein Ende in Sicht – bei einigen Regierungsvertretern soll das zunehmend für Pessimismus sorgen, berichteten Medien in der vergangenen Woche.

„In seinem Rücktrittsschreiben brachte Kent eine Stimmung zum Ausdruck, die in einigen Kreisen Washingtons still und leise an Dynamik gewinnt“, hieß es auch in einem Artikel des „Wall Street Journal“. Konservative Meinungsmacher, einige republikanische Abgeordnete und eine Handvoll externer Berater würden Trump dazu drängen, den Konflikt rasch zu beenden, da sie politische und wirtschaftliche Folgen einer langwierigen Operation befürchten.

Offenkundige Kritik kam vom früheren Trump-Unterstützer, dem früheren Moderator Tucker Carlson. Carlson hatte den Iran-Krieg als „absolut ekelhaft und böse“ verurteilt und in seinem Podcast die Rolle Israels kritisiert. Auch ihm wird von Kritikern Antisemitismus vorgeworfen.

der US-amerikanische Journalist und politische Kommentator Tucker Carlson

APA/AFP/Olivier Touron

Der frühere Trump-Unterstützer Tucker Carlson ist gegen den Krieg

Trump schaltet sich in Streit ein

Kritik kam darüber hinaus von dem bekannten Podcaster Joe Rogan, der früheren Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly und der früheren republikanischen Abgeordneten Marjorie Taylor Greene. Rogan, der sich 2024 für Trump als Präsidenten ausgesprochen hatte, nannte den Krieg „einfach nur irre“.

Kelly argumentierte, der Krieg sei dem amerikanischen Volk von „Israel-First-Anhängern“ wie dem Kommentator Mark Levin verkauft worden. „Alles auf Israel zu schieben sei ein Lieblingsmanöver rechter Meinungsmacher“, schrieb der „Spiegel“ dazu. Derartige Aussagen mögen mitunter auch in einer Aussage von Außenminister Marco Rubio begründet liegen. Dieser hatte den Beginn der US-Angriffe Anfang März zunächst noch auf Angriffspläne Israels zurückgeführt, das später aber relativiert.

Der Kommentator Levin griff Kelly in einer scharfen Reaktion an, nannte sie „emotional instabil“ und „trotziges Wrack“, wofür er Trumps Anerkennung bestätigte. Auf seiner Onlineplattform Truth Social stellte Trump klar: „Sie sind nicht MAGA, ich bin es.“ Trump war 2025 mit dem Versprechen ins Amt zurückgekehrt, Militärinterventionen zu vermeiden. Deshalb wird der Krieg von manchen seiner Anhänger und Anhängerinnen nun kritisch beäugt.

die US-amerikanische Journalistin Megyn Kelly

AP/Matt befreit

Auch die frühere Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly zeigt sich skeptisch

Trump: Vance war „weniger begeistert“

Innerhalb der republikanischen Partei war öffentliche Kritik bisher dagegen rar. Die Aufmerksamkeit hatte sich in letzter Zeit vielfach auf Trumps Vize JD Vance konzentriert. Vance, der Ambitionen für die Präsidentschaftswahl 2028 hegen soll, galt lang als Gegner langwieriger Kriege. Wie Politico am Freitag unter Verweis auf Insider berichtete, hatte sich Vance noch vor Kriegsbeginn über einen US-Angriff auf den Iran skeptisch geäußert.

Selbst Trump hatte das in der Vorwoche angedeutet: „Vance war, würde ich sagen, philosophisch etwas anders als ich.“ Er sei von der Idee des Krieges „etwas weniger begeistert“. Vance stellte sich Anfang der Woche vor Medien allerdings hinter Trumps Entscheidung, Fragen nach seinen persönlichen Ansichten, die er aus.

Skepsis bei Republikanern

Eine klarere Position bezogen auf andere Republikaner: Skeptisch hatte sich unter anderen die Senatorin Lisa Murkowski, der Senator Rand Paul und der Abgeordnete Warren Davidson aus Ohio geäußert. „Ich wünschte, der Präsident fände einen Weg, den Krieg zu beenden“, so Murkowski. Ähnlich äußerte sich Trumps KI-Berater David Sacks: „Man muss kein politisches Genie sein, um zu verstehen, dass lange Kriege unpopulär sind.“

Davidson kritisierte Trump, weil dieser den Wahlkampf mit dem Versprechen „keine neuen Kriege“ geführt hatte. Paul warnte den Präsidenten, er könnte die Zustimmung seiner Anhänger verlieren.

Umfragen: Große Unterstützung bei Trump-Anhängern

Noch ist die Unterstützung von Trumps Anhängern mit Blick auf den Krieg groß. Umfragen der Quinnipiac University, des Meinungsforschungsinstituts YouGov und des TV-Senders NBC News bescheinigten zuletzt Zustimmungswerte von 85 bis 91 Prozent. Sollte sich der Krieg in die Länge ziehen und sollten die wirtschaftlichen Kosten steigen, könnte das die Unterstützung für Trumps Republikaner bei den Zwischenwahlen im November aber gefährden.

„Das ist keine Reise, für die sich viele Leute angemeldet haben“, sagte der Politikanalyst Charlie Cook in Bezug auf die Amerikaner, die 2024 für Trump entschieden haben, laut „Financial Times“. Diese hatten gegen den früheren Präsidenten Joe Biden und die Vizepräsidentin sowie Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris gestimmt. „Aber Angriffe auf den Iran, Venezuela, Angriffe auf Impfstoffe, der Abriss des Ostflügels (des Weißen Hauses, Anm.)? Man könnte eine lange Liste von Dingen zusammenstellen, die nicht wirklich auf ihrer Prioritätenliste stehen.“

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