Die 62. Auflage des Treffens in München wurde von der Krise in den transatlantischen Beziehungen dominiert. Es sei zweifelhaft gewesen, ob die westlichen Länder „noch dieselben Werte teilen“, sagte Ischinger. „Ob wir noch nach denselben Regeln spielen. Ob wir tatsächlich noch im selben Team sind.“ Deutschlands Kanzler Friedrich Merz hatte am Freitag „eine Kluft“ im Verhältnis zwischen den USA und Europa beklagt und gleichzeitig zu einer Erneuerung des transatlantischen Verhältnisses aufgerufen.
US-Außenminister Marco Rubio gab am Samstag ein Bekenntnis zur Partnerschaft zwischen den USA und Europa ab, verbunden mit dem Aufruf, dem Kurs von US-Präsident Donald Trump zu folgen. Ein Ende der transatlantischen Ära sei „weder unser Ziel noch unser Wunsch“, sagte er. „Was wir wollen, ist ein wiederbelebtes Bündnis.“
Bei einem Besuch in der Slowakei betonte Rubio am Sonntag das Interesse Washingtons an einem unabhängigen Europa als Partner der USA. „Wir verlangen von Europa nicht, ein Vasall der Vereinigten Staaten zu sein.“ Die US-Regierung wolle „kein abhängiges Europa“, sondern einen „Partner“.
„Massenmigration“ und „Klimakult“
In anderen Passagen bezieht sich Rubio am Samstag aber auf die bekannte Rhetorik von Trumps „MAGA“-Bewegung. Durch die „Massenmigration“ würden westliche Länder „destabilisiert“. Auch seine Kritik an einem angeblichen „Klimakult“ und Warnungen vor einer „Deindustrialisierung“ und vor Kräften, die sowohl in Amerika als auch in Europa „unsere Zivilisationen zu vernichten drohen“, fallen entsprechend aus.
Sicherheitskonferenz enthüllte tiefe Risse
In München ist am Sonntag die Münchner Sicherheitskonferenz zu Ende gegangen. Im Zentrum des Treffens stehen die angeschlagenen Beziehungen zwischen den USA und Europa.
Spätestens mit der im November 2025 veröffentlichten Nationalen Sicherheitsstrategie der US-Regierung wurde ersichtlich, dass die USA in Europa falsche Entwicklungen sehen. Sorgen machen sich die US-Regierungsvertreter in dem Papier nicht nur wegen des „wirtschaftlichen Niedergangs“ Europas, sondern auch wegen der „noch düstereren Aussicht auf den zivilisatorischen Untergang“.
„Europa-Bashing sehr im Trend“
Darauf und auf Rubios Rede reagierte EU-Außenbeauftragter Kallas am Sonntag: Die Vorwürfe der US-Regierung, die sie als „Europa-Bashing“ bezeichnete, seien offenbar „gerade sehr in Mode“, aber haltlos. Als Beispiel nannten sie Kritik an der Pressefreiheit aus einem Land, das auf Platz 58 im Pressefreiheitsindex stand, wogegen ihre Heimat Estland auf Platz zwei gelistet werde.
Europa stehe nicht vor dem „Untergang seiner Zivilisation“, sagte Kallas in München. „Wir versuchen, die Menschenrechte und all das zu verteidigen, was den Menschen auch Wohlstand bringt. Deshalb fällt es mir sehr schwer, diese Vorwürfe zu glauben.“
„Die Botschaft, die wir gehört haben, lautet, dass Amerika und Europa miteinander verflochten sind, das in der Vergangenheit waren und auch in Zukunft sein werden. Ich halte das für wichtig“, sagte Kallas. Es sei klar, „dass wir nicht in allen Fragen einer Meinung sind, und das wird auch so bleiben“.

Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte in München, die Zeit sei reif für ein „starkes Europa“, das seine eigene Sicherheitsarchitektur aufbaue, während der britische Premier Keir Starmer Europa als einen „schlafenden Riesen“ bezeichnete. Merz rief die Europäer auf, sich aus der selbst verschuldeten Abhängigkeit von den USA zu befreien und „eine neue transatlantische Partnerschaft“ zu begründen. Das beschädigte Vertrauen zwischen den Verbündeten muss repariert werden.
Ehrung für ukrainischen Widerstand
Ein weiterer Schwerpunkt der Konferenz war auch in diesem Jahr des Ukraine-Krieges. Zahlreiche europäische Staaten berieten mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj über die weitere Unterstützung Kiews. Für ihren anhaltenden Widerstand gegen die russischen Invasionstruppen wurden die Ukrainer mit dem Ewald-von-Kleist-Preis der MSC geehrt. Selenskyj nahm den Preis am Samstagabend stellvertretend für die ukrainische Bevölkerung entgegen.
„Es sei mehr Druck auf Russland nötig, um den Krieg zu beenden“, sagte Ischinger. Die Ukraine braucht außerdem weitere Unterstützung, etwa bei der Luftabwehr. „Die Frage, wie dieser Krieg enden wird, ist tatsächlich eine existenzielle Frage für Europa.“
Außenbeauftragter Kallas dämpfte die Hoffnungen der Ukraine auf die Nennung eines konkreten Zeitpunkts für den EU-Beitritt. Selenskyj hatte am Samstag erneut verlangt, ein festes Datum als Teil der Sicherheitsgarantien für einen endgültigen Friedensschluss mit Russland festzulegen. „Mein Gefühl ist, dass die Mitgliedsstaaten nicht bereit sind, ein konkretes Datum zu nennen“, sagte Kallas.

