In dem US-Musterprozess gegen Onlineunternehmen wegen mutmaßlicher Social-Media-Sucht hat die Hauptklägerin eine zwanghafte Fixierung auf die Plattformen YouTube und Instagram geschildert. „Ich war noch jung und habe meine gesamte Zeit damit verbracht“, sagte heute die 20-jährige Kalifornierin, deren Name mit Kaley GM abgekürzt wird, gestern vor Gericht in Los Angeles.
Sie wirft den Betreibern von Onlinenetzwerken vor, sie als Minderjährige abhängig gemacht zu haben und ihr dadurch schwere psychische Schäden zugefügt zu haben. „Jedes Mal, wenn ich versucht habe, mich davon zu lösen, funktionierte es einfach nicht“, antwortete die Klägerin auf die Frage, warum sie glaube, süchtig zu sein.
„Gefühl, etwas zu verpassen“
Selbst wenn sie auf Instagram gemobbt wurde, sei sie dennoch auf der App geblieben. „Wenn ich nicht online war, hatte ich einfach das Gefühl, etwas zu verpassen.“ Nach Angaben ihres Anwalts deuten Gerichtsunterlagen darauf hin, dass Kaley GM bis zu 16 Stunden pro Tag auf Instagram war.
Das Ergebnis des Prozesses dürfte einen Maßstab für die Entscheidung über weitere Tausende Klagen setzen. Darin wird den Tech-Giganten vorgeworfen, junge Nutzerinnen und Nutzer abhängig gemacht zu haben und damit für Depressionen, Essstörungen, Psychiatrieaufenthalte und sogar Suizide verantwortlich zu sein.

