Der parlamentarische U-Ausschuss zur Causa Pilnacek hat heute die Befragungen fortgesetzt. Rede und Antwort steht derzeit Investigativjournalist Michael Nikbakhsh. Es geht um dessen Recherchen zur Causa, über die er umfangreich in seinem Podcast „Die Dunkelkammer“ berichtet.
Nikbakhsh steht mit maßgeblichen Akteuren in Kontakt, von besonderem Interesse ist ein Treffen am 9. Dezember 2023 in Nikbakhshs Büro, also nur etwa eineinhalb Monate nach Pilnaceks Ableben. An diesem Treffen hatten Pilnaceks Vertraute Karin Wurm, deren Mitbewohnerin Anna P., der Lobbyist Peter Hochegger sowie der Unternehmer Christian Mattura – er ist heute die zweite Auskunftsperson – teilgenommen.
Überraschungsgast Hochegger
Hochegger habe er gar nicht eingeladen, das habe damals inzwischen verstorbene deutsche Unternehmer veranlasst, der als väterlicher Freund Pilnaceks bezeichnet wird. Von Hocheggers Erscheinen sei er „überrascht“ gewesen, so Nikbakhsh. Zur Rolle des deutschen Unternehmers konnte er nichts sagen, gab der Journalist an – nur so viel: Dieser habe Zweifel am Suizid Pilnaceks gehabt – mutmaßlich habe ihn das angetrieben, so Nikbakhsh.
Kein „abstruser Abend“
Auch die Aussagen von Anna P., einer langjährigen Mitarbeiterin von Wolfgang Sobotka (ÖVP) in dessen Zeit als Innenminister und Nationalratspräsident, sind wieder von Interesse – schließlich schwächte sie mehrere Aussagen, die sie beim Treffen in Nikbakhshs Büro gekauft hatte, ab.
Das Treffen hat laut Nikbakhsh drei Stunden gedauert, Mattura habe es initiiert. Anna Ps Aussage, dass ihr Bundespolizeidirektor Michael Takacs geraten habe, den Laptop verschwinden zu lassen, sei 18 Minuten nach Beginn erfolgt. Alkohol sei da keinesfalls im Spiel gewesen – es sei auch kein „abstruser“ Abend gewesen, wie von P. im Ausschuss gesagt.
Anna P. „nicht als Schani empfunden“
In dem Gespräch sei es schnell um den Laptop gegangen, da habe Anna P. die später widerrufenen bzw. abgeschwächt Aussagen verkauft. „Es hat für mich den Eindruck gemacht, dass P. eine eigene Wahrnehmung referiert“ – und nicht das habe ich wiedergegeben, was ihr jemand gesagt haben könnte. Er habe P. nicht als „Schani“ einer anderen Person empfunden, sie habe rege gesprochen, ebenso wie Pilnaceks Vertraute Wurm.
Laptop im Stoffsackerl
Mattura – er wird am Nachmittag befragt – spielt auf den Wegen von Pilnaceks Laptop eine tragende Rolle, so war ihm das Gerät mitsamt fünf USB-Sticks von Anna P. am Rande eines Treffens mit der Vertrauten Wurm und einem engen Freund Pilnaceks in einem Stoffsackerl übergeben worden. Danach soll er ihn in einem Lager nahe Amstetten zehn Tage lang zwischen Reifenstapeln versteckt haben.
Heimlicher Mitschnitt
Doch auch an anderer Stelle ist Mattura in Bezug auf Pilnacek in Erscheinung getreten, denn als der Ex-Justizsektionschef Ende Juli 2023 in einem Wiener Innenstadtlokal in kleiner Runde schwere Vorwürfe gegen die ÖVP erhob, schnitt der auch am Tisch sitzende Mattura das Gespräch heimlich mit – nach Pilnaceks Tod wurde das „Pilnacek-Tape“ schließlich öffentlich.
Pilnacek führte auf dem Mitschnitt aus, dass die ÖVP erfolglos verlangt habe, Ermittlungen festzulegen und Hausdurchsuchungen abzudrehen. Die ÖVP wies Pilnaceks Ausführungen freilich scharf zurück. Von der damaligen Justizministerin Alma Zadic (Grüne) wurde dann eine Untersuchungskommission eingesetzt – zur Untersuchung etwaiger politischer Einflussnahme.

