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Thursday, April 16, 2026

ORF: Auf Thurnher warten schwierige Aufgaben

Thurnher sei „die integrativste Person, die auch voll für den öffentlich-rechtlichen Auftrag steht, und sie wird damit auch die wichtige Aufgabe übernehmen, diese Causa aufzuarbeiten“, so der Vorsitzende des ORF-Stiftungsrats, Heinz Lederer.

Mit ihrer Person sei auch die „reibungslose Fortführung der Geschäftsführung sichergestellt“, betonte er. Er bedankte sich bei Thurnher, dass sie sofort zugestimmt habe, in dieser schwierigen Lage die Führung interimistisch zu übernehmen.

Viele Sender im ORF durchlaufen

Mit Thurnher übernimmt eine Frau, die im ORF viele Stationen und Aufgaben durchlaufen hat. Sie kam 1985 zum ORF, wechselte später als Redakteurin und Moderatorin für fünf Jahre ins niederösterreichische Landesstudio und kehrte als Innenpolitikredakteurin zum Hörfunk nach Wien zurück. 1995 kam Thurnher als Moderatorin zur ZIB2, von 2008 bis 2016 übernahm sie die Hauptmoderation der ORF-Diskussionssendungen „Im Zentrum“ und „Runder Tisch“.

2017 wechselte sie zum Info- und Kulturspartensender ORF III, wo sie die Chefredaktion übernahm, mit Anfang 2022 holte Weißmann Thurnher als Radiodirektorin in seinem Team. Nun ist sie bis zur Wahl der neuen ORF-Generaldirektion im Sommer ganz oben angelangt.

Lederer: „Schwieriger Tag für den ORF“

Lederer verteidigte am Montag im Ö1-Mittagsjournal das Vorgehen rund um den überraschenden Rücktritt von Weißmann. Aufgabe des obersten Kontrollgremiums des ORF sei es, betroffene Mitarbeiterinnen zu schützen. Es sei ein schwieriger Tag für den ORF, und es tue ihm leid für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, so Lederer.

Der am Sonntag als ORF-Generaldirektor zurückgetretene Weißmann streitet laut seinem Anwalt die Vorwürfe sexueller Belästigung einer Mitarbeiterin ab. Es gebe Schrift-, Ton- und Bildmaterial, das den „Vorwurf darstellen“ lasse, so Lederer auf die Frage, ob es handfeste Beweise gebe. Wie nachhaltig diese Dokumente sind, das müsse und werde Weißmann klären, so Lederer. Weißmanns Anwalt kündigte rechtliche Schritte in der Sache an. Lederer betonte, Weißmann sei freiwillig gegangen. Aber er räumte ein, diesen im Sinne des Unternehmens um eine rasche Lösung zu haben.

Lederer verteidigte, dass er und sein Stellvertreter im Aufsichtsgremium, Gregor Schütze, Weißmann eine Frist von 48 Stunden gegeben hatte, um sich mit dem Anwalt der betroffenen Mitarbeiterin zu verständigen. Das sei nicht gelungen, daraufhin habe Weißmann am Sonntag schriftlich seinen Rücktritt eingereicht.

Lederer sieht doppelte Aufgabe

Der Stiftungsrat habe eine doppelte Aufgabe: Alle, die von Belästigung betroffen sind, werden Mann „mit aller Kraft“ schützen, verteidigen und dafür kämpfen, dass es keine gegen die Betroffenen gerichteten Vorwürfe in der Causa geben werde. Die zweite Aufgabe sei, dass der Vorwurf geklärt wird, und hier gebe es einem Generaldirektor ein erhöhtes Maß an Verantwortung.

ORF-Generaldirektor Weißmann zurückgetreten

ORF-Generaldirektor Roland Weißmann ist zurückgetreten. In den vergangenen Tagen habe eine ORF-Mitarbeiterin gegenüber dem Generaldirektor Vorwürfe der sexuellen Belästigung erhoben. Weißmann bestreitet diese Vorwürfe.

„Null Toleranz“

Es gebe kein Vertuschen und „null Toleranz“ für schlechtes oder sexuell übergriffiges Verhalten. Lederer schilderte, der Anwalt der Betroffenen habe sich an ihn gewandt und betont, seine Mandantin wolle „das aus der Welt schaffen und lösen“. Dann gab es Gespräche des Anwalts mit Weißmann. Über den Inhalt konnte er nichts sagen.

Weißmann sei mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Am Donnerstag werde der Stiftungsrat weitere Entscheidungen treffen, etwa ob die Beurlaubung bei vollständigen Bezügen erfolgt. Das sei auch rechtlich abzuklären, so Lederer. Eine Sachverhaltsdarstellung an die Justiz ist Lederer derzeit nicht geplant. Er und Schütze hätten sich an die Compliance-Stelle des ORF gewandt und würden dort in diesen Tagen auch ihre Aussagen machen.

Lederer: „Wir werden nichts zudecken“

Der Vorsitzende des ORF-Stiftungsrats, Heinz Lederer, und sein Stellvertreter Gregor Schütze haben Stellung zum raschen Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann genommen. Lederer betonte, dass man bei der Aufklärung „nichts zudecken“ werde.

Vorwurf des Alleingangs

Beide Vorwürfe wurden Mitte letzter Woche mitgeteilt, der Stiftungsrat wurde Montagfrüh informiert. FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler warf den beiden deshalb einen Alleingang vor und forderte den Rücktritt. Lederer verteidigte das Vorgehen damit, dass man Weißmann auch die Chance haben muss, die Vorwürfe „nachzuprüfen und dann eine Konsequenz zu ziehen“. Das sei eine Krise des ORF. Hier „politisches Kleingeld“ zu machen sei „unseriös“, sagte Lederer und wies den Vorwurf, den Stiftungsrat übergänge zu haben, zurück.

Dass der Vorwurf mehrere Jahre zurückliege, sei „völlig irrelevant“. Mit der im Sommer anstehenden Neuwahl des Generaldirektors hat das nach Ansicht Lederers nichts zu tun.

ORF/Thomas Ramstorfer (Archivbild)

Weißmann im Juni letzten Jahres mit Lederer und Schütze

„Schatten“ auf dem ORF

Lederer bedauerte, dass ein mögliches Fehlverhalten des Generaldirektors nun auf den ORF, dessen Programm „hervorragend“ sei, einen „Schatten“ werfe. Das tue ihm leid für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sehr gute Arbeit leisten würden. Lederer kündigte auch eine Taskforce an. Diese sollen alle derartigen Fälle, auch aus der Vergangenheit, prüfen. Dafür sollen auch hochrangige Persönlichkeiten eingesetzt werden. Man wird sicherlich Lehren ziehen, das versprechen er den Gebührenzahlern genauso wie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

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