Staatliche Eingriffe in den Markt lehnten Stern ab, da solche Maßnahmen zu einer Gefährdung der heimischen Versorgungssicherheit führen würden. Erste Priorität für die OMV sei es, die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten. Denn der teuerste Treibstoff sei jener, „den wir nicht haben“, so Stern im Ö1-Mittagsjournal.
Nicht in den Raffinerien würden die Preise für Super und Diesel entstehen, sondern an den Rohölmärkten. Wenn die Politik der Überzeugung sei, es brauche eine Preisreduzierung, dann wäre eine Senkung der Mineralöl- oder der Mehrwertsteuer „der einzige Weg, nicht in die Versorgungssicherheit einzugreifen“, so Stern. Hohe Preise sind aber grundsätzlich auch ein wichtiges Signal zu sparen.
Stern: Nur 80 Cent, Rest ein Finanzministerium
Den Vorwurf, die OMV verdiene sich auf Kosten der Kundschaft ein „Körberlgeld“, wies Stern zurück und verwies auf die hohen staatlichen Einnahmen. Bei einem Preis von 1,70 Euro für einen Liter Superbenzin würden allein 90 Cent Steuern und Abgaben anfallen. Von den verbleibenden 80 Cent müssten 55 Cent die reinen Kosten für das Öl abdecken.
Der OMV blieben lediglich 25 Cent, um das Rohöl weltweit zu beschaffen, „in unserem Fall nach Italien nach Triest zu bringen, über die 400 km lange Pipeline nach Schwechat zu pumpen, unsere Raffinerie in Schwechat aufrechtzuerhalten und zu betreiben und auch die Tankstellen zu betreiben und zu füllen“, so Stern.
Allein seit 2022 ist die Steuerleistung der OMV von zwei auf 2,6 Milliarden Euro gestiegen. 500 davon entfielen dem OMV-Chef auf die neu eingeführte CO2-Abgabe, 100 Millionen auf höhere Steuern. Nach Abzug der höheren Rohölpreise und der gesamten Kosten blieben nur wenige Cent an Gewinnmarge pro Liter für die OMV, die rund 50 Prozent des heimischen Treibstoffbedarfs deckt, übrig.
Nur wer hohen Preis zahlt, bekommt Öl
Bei Öl und Gas bewältigen sie sich um globale Märkte. Nur wer einen wettbewerbsfähigen Preis zahlte, erhielt eine Lieferung. Stern betonte, es gebe Schiffe mit Flüssiggas, die bereits unterwegs nach Europa seien, dann aber umdrehen und nach Asien fahren würden, weil dort ein besserer Preis gezahlt werde. „Irgendjemand auf dieser Welt, der nicht bereit ist, die hohen Preise zu bezahlen, die wir in Europa und in Österreich bezahlen, der wird zu Fuß gehen“, so der OMV-Chef.
Keine Versorgungsgarantie möglich
Weltweit würden durch die Blockade der Straße von Hormus durch den Angriffskrieg der USA und Israels gegen den Iran 20 Prozent des Öls und zehn Prozent der Treibstoffe fehlen. Für den Rest des Jahres könnte er angesichts der aktuellen Lage keine Versorgungsgarantie abgeben.
Stern betont selbst gleichzeitig immer wieder, dass die OMV die Versorgungssicherheit als ihr zentrales Ziel erachtet. Es sind bereits Tankstellen in Österreich gegeben, die nicht mehr ausreichend Treibstoff hatten, außerdem gibt es teilweise Schlangen an den Tankstellen.
Stern rechnet mit Verzerrungen
Stern warnte die Politik vor Maßnahmen, die nicht „auf das tatsächliche Problem abzielen“. Diese könnten dazu führen, dass eine Versorgungslücke entsteht. Auf Nachfrage, ob damit Preisdeckel an den Tankstellen wie in Slowenien gemeint seien, bejahte Stern. Auch eine Begrenzung der Preismargen für Mineralölkonzerne glaubte Stern strikt ab.
Die geplante Regelung, dass die Preise an den Zapfsäulen künftig nur noch an maximal drei Tagen in der Woche angehoben werden dürfen, sieht Stern ebenfalls kritisch. Er rechnet mit Verzerrungen – und damit, dass die Menschen immer an den Tagen davor tanken werden und dann nicht.

