Nach der Ankündigung seines Auftritts waren in Großbritannien Forderungen nach einem Einreiseverbot laut geworden, unter anderem von der Aktivistengruppe Campaign Against Antisemitism. Premierminister Keir Starmer hatte die Planung als „zutiefst besorgniserregend“ bezeichnet. Sponsoren hatten sich von dem Festival zurückgezogen.
West hatte im vergangenen Jahr ein Lied mit dem Titel „Heil Hitler“ veröffentlicht. Anfang 2026 hatte er im „Wall Street Journal“ um Entschuldigung gebeten. „Ich bin weder ein Nazi noch ein Antisemit“, schrieb der Ex-Ehemann von Kim Kardashian und führte seine früheren Äußerungen auf eine bipolare Störung zurück.
West wollte Treffen mit jüdischer Gemeinde
Kurz vor der Entscheidung des Innenministeriums hatte er seinen Wunsch übermittelt, sich mit der jüdischen Gemeinde in London zu treffen. „Ich weiß, dass Worte nicht ausreichen“, hatte der 48-Jährige in einer Stellungnahme gesagt. Er muss durch Taten zeigen, dass er sich verändert habe. „Er habe die Diskussion verfolgt“, sagte West.
„Mein einziges Ziel ist es, nach London zu kommen und ein Zeichen des Wandels zu setzen – indem ich durch meine Musik Einheit, Frieden und Liebe vermittle.“ Er wäre „dankbar für die Möglichkeit“, sich persönlich mit Mitgliedern der jüdischen Gemeinschaft im Vereinigten Königreich zu treffen. „Um zuzuhören“, sagte der Rapper, der mittlerweile unter dem Namen Ye firmiert.
Fehlender Headliner lässt Festival platzen
Das Wireless Festival sollte vom 10. bis zum 12. Juli im Finsbury Park ausgerichtet werden. Ye war für alle drei Abende als Headliner geplant. Die Entscheidung zur Absage fiel nicht einmal eine Stunde, nachdem erste Medien über die Einreiseverweigerung berichtet hatten. In den vergangenen Tagen war er weiterhin als Headliner aufgeführt worden.
Die Veranstalter hatten die Buchung des Rappers zuvor verteidigt. Was er in der Vergangenheit über Juden und Hitler gesagt habe, „ist für mich genauso abscheulich wie für die jüdische Gemeinschaft, den Premierminister und andere, die sich dazu geäußert haben – und, wenn man ihn beim Wort nimmt, inzwischen auch für euch selbst“, hatte Melvin Benn, Geschäftsführer von Festival Republic, in einer Stellungnahme an die Nachrichtenagentur PA geschrieben. Die Musik des Rappers wird in Großbritannien im Radio gespielt und ist über Livestreams und Downloads verfügbar.
Aktivisten erleichtert
Als Reaktion auf die Erklärung der Organisatoren sagte ein Sprecher von Campaign Against Antisemitism: „Wie konnte es dazu kommen? Anscheinend wurden zum Zeitpunkt der Buchung ‚keine Bedenken‘ hinsichtlich Kanye West geäußert. Wen haben sie denn konsultiert?
Und: „Es ist schön, dass Wireless jetzt sagt: ‚Antisemitismus in all seinen Formen ist abscheulich‘, während der Festivalveranstalter noch vor wenigen Stunden sagte, wir hätten Kanye alle verzeihen, dass er sich erst kürzlich als vollwertiger Nazi bezeichnet hat.“ Gegen Wests Europatournee hatte sich zuvor bereits in Frankreich Widerstand geregt. Der Bürgermeister von Marseille hatte den Rapper als „nicht willkommen“ bezeichnet.

