Der dänische Branchenriese Maersk teilte am Freitag mit, betroffen von dem Stopp seien der Dienst FM1 zwischen Fernost und dem Nahen Osten sowie die Route ME11, die den Nahen Osten mit Europa verbinde. „Diese Entscheidung wurde als Vorsichtsmaßnahme getroffen, um die Sicherheit unseres Personals und unserer Schiffe zu gewährleisten“, hieß es. Man möchte zudem die Betriebsstörungen im gesamten Netzwerk minimieren.
Die Entscheidung der zweitgrößten Containerreederei weltweit betrifft auch ihren Allianzpartner Hapag-Lloyd, der seine Dienste auf einigen Strecken gemeinsam mit Maersk anbietet. So hatte Hapag-Lloyd auch die nun gestoppten Maersk-Verbindungen im Programm, wie ein Firmensprecher sagte. Der deutsche Konzern, weltweit die Nummer fünf, verwies ebenfalls auf die Sicherheitslage und informierte die eigene Kundschaft, dass bestimmte Feeder-, also Zubringerdienste, in der Golfregion bis auf Weiteres gestoppt würden.
Hapag-Lloyd hatte bereits zuvor Fahrten durch die Straße von Hormus gestoppt und die Kunden für verschiedene Verbindungen in Nahost auf Umleitungen, Fahrplanänderungen und Verzögerungen vorbereitet. Monatelang hatten Großreedereien bereits das dem Sueskanal vorgelagerte Rote Meer gemieden, weil Huthi-Rebellen aus dem Jemen dort Schiffe angegriffen hatten. Zwischenzeitlich schien eine Rückkehr auf die kürzere Sueskanal-Route möglich, nach der jüngsten Eskalation nicht mehr.
Versicherungsprämien in lichten Höhen
Nach Angaben des Frachtanalyseunternehmens Xeneta suchen derzeit knapp 150 Containerschiffe im Golf Schutz. Das führt zu Hafenüberlastungen und steigenden Frachtraten, die sich auf die weltweiten Lieferketten von Asien bis Europa auswirkten.
Die Kriegsrisikoprämien für Transite durch den Golf würden derzeit „aggressiv neu“ bewertet, schrieb der Schiffstrackingdienst MarineTraffic. Die Versicherungsprämien waren zuletzt um mehrere hundert Prozent gestiegen und erreichten nun etwa 1,5 Prozent des Wertes jeder Ladung, was für jeden Tanker zusätzliche Kosten in Millionenhöhe bedeuten würde.

Die USA versuchten am Freitag gegenzusteuern: Sie stellen eine Rückversicherung von bis zu 20 Milliarden Dollar für die Schifffahrt in der Golfregion bereit. Damit soll das Vertrauen der Reedereien, die Öl und Erdgas transportieren, während des Krieges gegen den Iran gestärkt werden, teilt die US-Entwicklungsbank DFC mit.
Unzulängliche Alternativrouten
Sollte die Blockade der Meerengen andauern, hätte das gravierende Folgen – zunächst einmal für die Ölproduzenten, alle voran Saudi-Arabien. Fast zwei Fünftel des Öls, das durch die Meerenge verschifft wird, stammt von dort. Allerdings verfügen Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate mit Pipelines über alternative Exportrouten, mit Irak, Kuwait, Katar und Bahrain ist das nicht der Fall.
Der saudische Ölkonzern Aramco hat einige Abnehmer angewiesen, ihre Ladungen nun im Hafen von Yanbu am Roten Meer zu laden. In den ersten fünf März-Tagen wurden im Terminal Yanbu 1,9 Millionen Barrel pro Tag verladen. Das entspricht einem Anstieg von etwa 60 Prozent gegenüber Februar, wie Daten des Londoner Börsenbetreibers LSEG zeigen. Saudi-Arabien exportiert insgesamt mehr als sieben Millionen Barrel täglich, von denen normalerweise rund sechs Millionen die Straße von Hormus passieren. Die Alternativrouten reichen bei Weitem nicht aus, um den Ausfall auszugleichen.
Kuwait gab laut „Wall Street Journal“ („WSJ“) indessen bekannt, die Produktion auf einige Ölfelder zurückzufahren, weil die Lagerkapazitäten für Rohöl erschöpft seien. Das OPEC-Gründungsmitglied diskutierte demnach, seine Produktions- und Raffineriekapazitäten weiter zu begrenzen. Die Förderung soll auf das Niveau reduziert werden, das zur Deckung des heimischen Verbrauchs nötig ist.

Solange es die militärischen Fähigkeiten des Iran zuließen, werde er weiter versuchen, den Schiffsverkehr durch die Meerenge zu stören, schreibt das US-Thinktank Institut für Kriegsstudien (ISW) in einer aktuellen Lageanalyse. Das Vorgehen in der Straße von Hormus sei Teil der iranischen Strategie, auch den Golfstaaten Kosten für den Krieg aufzuerlegen.
Der Ölpreis ist indessen weiter in die Höhe geschnellt. Am Freitagnachmittag kostete ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent zeitweise 91,89 Dollar – ein Anstieg um mehr als sieben Prozent seit Handelsbeginn und der höchste Stand seit April 2024. Nach Einschätzung des Chefs der Internationalen Energieagentur (IEA) ist der Anstieg aber nicht auf einen grundsätzlichen Mangel zurückzuführen. „Es gibt genügend Öl. Es gibt keine weltweite Ölknappheit“, sagte Fatih Birol. Das Problem sei die Störung der Ölversorgung aufgrund der umfassenden Logistikprobleme.

