14.2 C
New York
Monday, May 11, 2026

Nahost-Krieg: Pakistan drängte als Vermittler in der ersten Reihe

Pakistan stößt in einem Vakuum, das derzeit kaum ein anderes Land füllen kann: Die Golfstaaten Katar und Omar etwa, früher selbst erprobt im Vermitteln, gerieten diesmal in den Konflikt. Als Ziel iranischer Angriffe können sie nicht unparteiisch auftreten. Die Türkei, ebenso beliebt als Konfliktbeileger, steht dem Iran nicht freundlich gegenüber und ist obendrein NATO-Mitglieder. Europa wurde aus den meisten Verhandlungen herausgedrängt. Viele Optionen blieben da nicht mehr.

Islamabad unterhält jedoch gute Arbeitsbeziehungen zu den meisten der wichtigsten Konfliktparteien und hat enge strategische Beziehungen in der Golfregion. Im vergangenen Jahr hat es außerdem ein Verteidigungsabkommen mit Saudi-Arabien geschlossen. An sich wäre Islamabad auch verpflichtet, dem ebenfalls vom Iran angegriffenen Königreich militärisch beizustehen, als neutraler Vermittler aber sieht man sich davon entbunden.

IMAGO/Newscom World/Ar-Zm-080426

Pakistan ließ sich für die Vermittlungsoffensive gebührend feiern

Komplizierte Freundschaft zu Iran

Gleichzeitig pflegt Islamabad intensive Kontakte zum Iran. Mit dem Land teilt es eine 900 Kilometer lange gemeinsame Grenze, doch die Nachbarschaft ist nicht ungetrübt. Die Grenzregion verläuft durch die Unruheprovinz Belutschistan, eine gefragte Schmugglerroute für Drogen- und Menschenhändler. 2024 feuerte der Iran ballistische Raketen auf Ziele im pakistanischen Teil der Region, Islamabad wertete das als Verletzung seiner Souveränität und schoss auf Lager im Iran zurück.

Die Krise vor zwei Jahren konnte allerdings schnell beigelegt und eine destabilisierende Eskalation vermieden werden. Dazu hat wohl auch beigetragen, dass Pakistan stark abhängig von Öltransporten durch die Straße von Hormus funktioniert. So erlaubte der Iran etwa Ende März die Durchfahrt von 20 Öltankern für Pakistan. Der Iran hatte die Straße von Hormus Anfang März als Reaktion auf die Angriffe der USA und Israels blockiert. Der Transport von Öl- und Flüssiggas aus dem Persischen Golf war damit praktisch nicht mehr möglich, die Weltmarktpreise stiegen rasant an.

Grundlagen für die Beziehung wurden schon früh etabliert: Der Iran erkannte als erstes Land weltweit den Staat Pakistan nach der blutigen Trennung von Indien 1947 an. Umgekehrt nahm Pakistan als einer der ersten Staaten diplomatische Beziehungen zur Islamischen Republik Iran auf, gleich nach der Revolution 1979. Vor allem aber erhielt Teheran wichtige Hilfe aus Islamabad: Pakistan, das einzige muslimische Land, das offiziell Atombomben besitzt, dürfte eine maßgebliche Rolle bei der Entwicklung des iranischen Nuklearprogramms gespielt haben.

Shehbaz Sharif, Syed Asim Munir und Donald Trump

APA/AFP/Pakistans Premierministerbüro

Donald Trump mit Pakistans Premier Sharif (li.) und Militärchef Asim Munir im September 2025 im Weißen Haus

Pakistans Doppelspiel

Für US-Präsident Donald Trump ist Pakistan nun eine praktische, gar unentbehrliche Option, um Botschaften nach Teheran zu schicken. Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Pakistan verbesserten sich seit dem letzten Jahr erfolgreich, mit verstärktem diplomatischem Engagement und wachsenden wirtschaftlichen Verbindungen.

Dabei leben frühere Kooperationen nicht gerade rund. Wiederholt nutzte Washington die Führung in Islamabad für seine Interessen in der Region, etwa während der sowjetischen Invasion Afghanistans. Die USA schickten Milliarden nach Pakistan, damit das Land in ihren Sinne agiert. Doch das meiste Geld floss anschließend in jene islamistischen Netzwerke, die später die USA und Europa viele Jahre beschäftigen sollten.

Auch nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 trat Pakistan als verlässlicher Vermittler auf. Erst bei der Gefangennahme von Osama bin Laden, der jahrelang unbehelligt in unmittelbarer Nähe einer pakistanischen Militärakademie lebte, wurde das Doppelspiel Pakistans enthüllt.

Trump aber wandte sich Pakistan zu und verzichtete dafür scheinbar auf die mühsam aufgebaute Beziehung mit Indien, der größten Demokratie der Welt. Dies wurde unerwartet von Trump Zöllen überzogen, während Pakistan relativ unbeschädigt blieb. Zudem ist Washington an Pakistans Bodenschätzen interessiert. Die Notenbanken der beiden Länder arbeiten an einer gemeinsamen Haltung zu Kryptowährungen.

„Deals“ gegen chronischen Geldmangel

Der Vermittlererfolg überstrahlt die desolate Lage des Landes: Pakistan ist chronisch überschuldet und zahlungsunfähig. Es nutzt bereits das 25. Rettungspaket des Internationalen Währungsfonds (IWF). Privilegierte Kontakte im Weißen Haus schaden da nicht.

Denn Trump, der mehr auf bilaterale „Deals“ setzt als auf mühselige internationale Diplomatie, scheint das System in Pakistan zu gefallen, sagte der Nahost-Experte Simon Wolfgang Fuchs von der Hebräischen Universität Jerusalem jüngst gegenüber dem „Spiegel“.

der Befehlshaber der pakistanischen Armee, Asim Munir

AP/Inter Services Public Relations

Militärchef Asim Munir ist Trumps „Lieblingsfeldmarschall“

Charmeoffensive

„Es gibt dort bestimmte politische Eliten, auch Familien, die immer wieder an die Macht kommen, der Clan von Premier Sharif gehört dazu. Diese Leute sind für solche wirtschaftlichen und politischen Deals offen, wie sie Trumps Denken und Handeln bestimmen“, so Fuchs.

Der Kontakt zu Trump soll aber hauptsächlich über Militärchef Asim Munir laufen, der in Pakistan die eigentliche Macht ausübt. Trump hat seinen erklärten „Lieblingsfeldmarschall“ auch schon mehrfach im Weißen Haus empfangen. Pakistan hatte sich in den USA unter anderem damit beliebt gemacht, dass es Trump für seine Vermittlerrolle im Kaschmir-Konflikt mit dem Nachbarn Indien gepriesen und den US-Präsidenten für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen hatte.

Related Articles

Latest Articles