10.4 C
New York
Monday, April 20, 2026

Nahost-Krieg: Flugpreise steigen in lichte Höhen

Durch die für den internationalen Flugverkehr bedeutenden Flughäfen in Dubai, Abu Dhabi, Doha und Bahrain kämen normalerweise rund 526.000 Passagiere pro Tag, teilte der in London ansässige Welttourismusverband (WTTC) mit. Das Wegfallen dieser Drehkreuze wirbelt die Flugpläne durcheinander. Die Lufthansa Group und ihre Tochter Austrian Airlines etwa haben Flüge von und nach Dubai, Abu Dhabi, Beirut, Amman und Erbil bis einschließlich 28. März ausgesetzt. Tel Aviv wird bis zum 2. April nicht mehr angeflogen, Teheran bis zum 30. April.

Die Folgen zeigen sich derzeit vor allem auf Strecken zwischen Europa und Asien. Die Nachfrage nach Direktflügen ist innerhalb weniger Tage sprunghaft gestiegen. Das „Handelsblatt“ etwa meldete jüngst einen Preissprung von 160 Prozent bei einem Economy-Lufthansa-Flug von München nach Bangkok im Vergleich zu vor dem Krieg. Sowohl aktuell als auch zu Ostern kostet die Verbindung nun 3.200 Euro.

Reuters/Tim Evans

Die Nachfrage nach Direktflügen ist innerhalb weniger Tage sprunghaft gestiegen

Preise teils verzehnfacht

Bei Singapore Airlines haben sich die Preise für Flüge von Frankfurt nach Singapur im März nahezu verzehnfacht, wie das deutsche Portal Reisereporter schrieb. Was sonst im Bereich von 400 bis 500 Euro liegt, kostet nun über 4.000 Euro. Ähnlich sieht es bei Flügen nach Indien aus: Auch hier weichen viele Reisende auf Sehenswürdigkeiten aus.

Der internationale Luftfahrtverband IATA warnt dieser Tage, dass die Preise für Flugtickets um durchschnittlich neun Prozent steigen werden, sollte der Nahost-Krieg nicht bald beendet werden, die Ölpreise weiter steigen und Drehkreuze blockiert bleiben. Derzeit liegt der Preis für ein Barrel Brent-Öl bei rund 100 Dollar, vor Beginn des Konflikts lag er bei knapp unter 70 Dollar pro Barrel.

Tanker in der Nähe der Straße von Hormus

Reuters/

Die Straße von Hormus ist durch das iranische Militär de facto seit Wochen gesperrt

„Das Problem für Fluggesellschaften ist immer die Volatilität, also die Geschwindigkeit, mit der sich der Ölpreis ändert“, sagte IATA-Generaldirektor Willie Walsh. „Bei einem sehr raschen Anstieg ist es für Fluggesellschaften schwierig, diese zusätzlichen Kosten sofort auszugleichen.“ Eine Beruhigung ist derzeit nicht in Sicht: Wegen des Krieges ist die Straße von Hormus seit rund zwei Wochen unpassierbar, ein Viertel bis ein Fünftel des weltweiten Erdölhandels muss aber durch dieses maritime Nadelöhr.

Nur einige Fluglinien gerüstet

Die Frage, inwieweit die Ticketpreise nach oben schießen, hängt unter anderem davon ab, wie gut sich Fluglinien gegen Preisschwankungen auf dem Ölmarkt abgesichert haben. Einige Fluggesellschaften haben genügend Treibstoffvorräte gelagert, um die nächsten Monate oder sogar das ganze Jahr abzudecken. Sie sind widerstandsfähiger gegenüber den aktuellen Marktschwankungen.

Das Schema ist einfach: Die Fluggesellschaften kaufen Teile ihres Energiebedarfs über einen festgelegten Zeitraum auf Basis der aktuellen Marktlage und Prognosen. Fällt der Preis, verlieren sie, steigt der Preis, sind sie im Vorteil – was derzeit offenkundig der Fall ist. Das Fachportal Aerospace Global News listet jüngst auf, welche Airline bis wann vor Preisspitzen geschützt ist.

Treibstoff macht durchschnittlich ein Viertel der Betriebskosten einer Fluggesellschaft aus und ist damit nach den Personalkosten der größte Kalkulationsfaktor. Viele Airlines sind jedoch nicht oder nur in geringem Maße gegen Volatilität auf dem Ölmarkt abgesichert, Preiserhöhungen sind die Folge.

Eine KLM-Passagiermaschine beim Abheben

IMAGO/Arnulf Hettrich

Air France-KLM gab als eine der ersten Fluggesellschaften in Europa eine Erhöhung der Tarife bekannt

Flexibilität angesagt

Fluggesellschaften könnten auch ihre Preise für Zusatzleistungen – etwa Sitze mit zusätzlicher Beinfreiheit, aufgegebenes Gepäck oder Priority Boarding – anpassen, um höhere Betriebskosten auszugleichen. Für Passagiere bedeutet das, dass die Gesamtkosten einer Reise höher werden könnten, selbst wenn der Grundpreis nicht sofort steigt.

Ein weiterer Grund für die Preissprünge ist das „Dynamic Pricing“: Die meisten Airlines nutzen Algorithmen, die Angebot und Nachfrage in Echtzeit auswerten. Steigt die Nachfrage nach bestimmten Flügen, erhöht das System automatisch die Ticketpreise. Die aktuellen Luftraumsperren in der Golfregion verstärken diesen Effekt.

Bei der Reiseplanung ist derzeit vor allem Flexibilität angesagt. Anstatt auf das perfekte Angebot zu warten, raten Fachleute dazu, verschiedene Abflughäfen und alternative Ziele zu prüfen sowie Benachrichtigungen bei Preissenkungen einzurichten. Eine zukünftige Buchung könnte helfen – auf gefallene Preise ist derzeit nicht zu hoffen.

Related Articles

Latest Articles