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Friday, April 17, 2026

Naher Osten: Ganze Region im Sog des Krieges

Am Donnerstag beendete Israel nach eigenen Angaben die zwölfte Angriffswelle gegen den Iran. Neben Zielen in Teheran seien Angriffe auf das Hauptquartier einer Spezialeinheit der iranischen Sicherheitskräfte in der Provinz Albors geflogen worden, sagte ein Militärsprecher.

Israel kündigte außerdem eine neue Etappe im Krieg gegen den Iran an. „Wir gehen nun zur nächsten Phase der Operation über“, sagte der israelische Armeechef Ejal Samir am Donnerstag in einer Fernsehsprache. „In dieser Phase werden wir die Zerschlagung des Regimes und seiner militärischen Kapazitäten weiterentwickeln.“ Die israelische Armee plane „weitere Überraschungen“, die man noch nicht enthüllen wolle.

Israel hatte am Samstag gemeinsam mit den USA schwere Luftangriffe auf den Iran gestartet und dabei das geistliche Oberhaupt des Landes, Ajatollah Ali Chamenei, sowie weitere Mitglieder der iranischen Führung getötet. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel, mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Golfregion.

Tausende Angriffe in wenigen Tagen

Seit Beginn des Kriegs hätten die israelischen Luftstreitkräfte 2.500 Angriffe geflogen, so Samir weiter. Dabei seien „mehr als 60 Prozent der iranischen Raketenwerfer“ und „80 Prozent der iranischen Luftabwehrsysteme“ zerstört worden. Israel greift den Iran gemeinsam mit den USA weiterhin „unermüdlich an“, hieß es.

Iran-Krieg eskaliert zur regionalen Krise

Der zunächst zwischen USA, Israel und Iran entfachte Konflikt weitet sich rasch auf die gesamte Region aus. Nach ersten Angriffen reagierte der Iran mit Luftschlägen, die Hisbollah greift aus dem Libanon ein, eine Rakete wurde nahe der Türkei abgefangen. Selbst Aserbaidschan wird von einer Drohne getroffen – die Entwicklungen sind unübersichtlich.

Der Iran feuerte nach eigenen Angaben seit Kriegsbeginn mehr als 500 ballistische Raketen und Marschflugkörper ab. Weiterhin seien mindestens 2.000 Kampfdrohnen verschiedener Typen von iranischem Boden gestartet worden, berichtete die Nachrichtenagentur Fars unter Berufung auf eine „informierte militärische Quelle“.

Explosionen in Golfmetropolen

In der emiratischen Hauptstadt Abu Dhabi wurden sechs Menschen durch herabfallende Trümmerteile einer abgefangenen Drohne in einem Industriegebiet verletzt, wie es am Donnerstag von Behörden hieß. In Dubai und in der katarischen Hauptstadt Doha waren Explosionen zu hören.

Auch in Bahrains Hauptstadt Manama waren am Donnerstag Explosionen zu hören. Laut örtlichen Behördenangaben brach nach einem iranischen Raketenangriff ein Feuer in einer Raffinerie aus. Der Brand in der Anlage von Bapco Energies sei jedoch unter Kontrolle, teilt das nationale Kommunikationszentrum mit.

APA/AFP/Fadel Senna

Flugkörper sind auch über Dubai gesehen worden

Vor der Küste von Kuwait im Persischen Golf kam es unterdessen zu einer Explosion an einem Tanker. Der Kapitän des rund 55 Kilometer südöstlich von Mubarak al-Kabir vor Anker liegenden Schiffes habe eine große Explosion an der Backbordseite bemerkt, bevor ein kleines Boot davongefahren sei, berichtete die britische Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO). Öl aus dem Ladetank läuft ins Meer aus.

Israel begann Angriffe auf Vororte Beiruts

Im Zuge des Krieges eskalierte auch wieder der Konflikt zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon. Armeechef Samir sagte in seiner Ansprache, er habe die israelischen Streitkräfte angewiesen, im Süden des Libanon vorzurücken. Sie sollten das Gebiet unter ihrer Kontrolle entlang der Grenze ausweiten „und Stellungen an wichtigen Punkten im Südlibanon einnehmen“.

Nach einem Fluchtaufruf für einen Großteil der Vororte von Beirut begann Israels Militär am Donnerstagabend auch Angriffe dort. Die Armee habe „Hisbollah-Infrastruktur“ ins Visier genommen, hieß es.

Rauchwolken in Beirut nach einem Luftangriff

AP/Hassan Ammar

Rauchwolken in Beirut: Der Libanon wird zunehmend Teil des Konflikts

Die von Teheran unterstützte Hisbollah-Miliz hatte im Zuge der Angriffe auf den Iran am Montag mit neuen Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel begonnen. Israel weitete daraufhin seine Militäroffensive im Libanon gegen die Hisbollah aus.

Aserbaidschan wird Vergeltung

Sogar Aserbaidschan wurde inzwischen Teil des Konflikts. Das Land bereitete nach dem Einschlag von vier mutmaßlich iranischen Drohnen in seiner Exklave Nachitschewan nun Vergeltungsmaßnahmen vor. „Wir werden diesen unprovozierten Terrorakt und die Aggression gegen Aserbaidschan nicht dulden“, sagte Präsident Ilham Alijew bei einem Treffen des Sicherheitsrates. „Unsere Streitkräfte wurden angewiesen, geeignete Vergeltungsmaßnahmen vorzubereiten und umzusetzen.“

Aserbaidschanischen Angaben zufolge kamen die Drohnen aus dem Iran und verletzten vier Menschen. Die Regierung in Teheran wies eine Verwicklung zurück.

NATO erhöht Einsatzbereitschaft der Raketenabwehr

Die NATO erhöht indes wegen des iranischen Raketenbeschusses auf die Türkei die Alarm- und Einsatzbereitschaft ihrer ballistischen Abwehrsysteme. Die Anpassung erlaube es, das Bündnis angesichts der aktuellen Bedrohung zu verteidigen.

Die ballistische Raketenabwehr der NATO für Europa besteht unter anderem aus Abschussanlagen in Rumänien und Polen, besonders ausgerüsteten Schiffen sowie einer speziellen Radaranlage im türkischen Kürecik. Ergänzt wird sie durch mobile Abwehrsysteme zum Beispiel vom Typ Patriot oder SAMP/T.

Der Iran hatte nach NATO-Angaben am Mittwoch mit dem Abfeuern einer Rakete auf das Mitgliedsland Türkei für Empörung gesorgt. Sie war nach türkischen Angaben in der türkischen Grenzregion abgefangen worden.

Iran: Keine Waffenruhe, keine Verhandlungen

Der Iran strebt indes nach Angaben von Außenminister Abbas Araktschi derzeit weder eine Waffenruhe noch Verhandlungen mit den USA an. „Wir fordern keine Waffenruhe“, sagte er dem US-Sender NBC News. „Wir sehen keinen Grund, warum wir mit den USA handeln sollten.“

Mit Blick auf eine mögliche Bodenoffensive gegen den Iran sagte Araktschi, ein solcher Schritt würde für die Feinde Teherans mit einer „Katastrophe“ enden. „Wir warten auf sie“, betonte der iranische Außenminister.

Trump wird mitreden

Die USA müssen an der Darstellung Trumps an der Auswahl des nächsten iranischen Staatsoberhaupts beteiligt werden. In einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur Reuters sagte er: „Wir werden diese Person gemeinsam mit dem Iran auswählen müssen. Wir werden diese Person auswählen müssen.“

Die Regelung der Nachfolge steht noch am Anfang. Dass Chameneis Sohn Modschtaba das Amt übernehme, bezeichnete der Präsident als sehr unwahrscheinlich, dieser sei ungeeignet.

Lage für Bundesheerangehörige unverändert

Im Rahmen der UNO-Friedensmission im Süden des Libanon (UNIFIL) sind derzeit auch 176 Angehörige des österreichischen Bundesheers stationiert. Ihre Lage sei unverändert, hieß es am Donnerstag aus dem Verteidigungsministerium auf APA-Anfrage. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) hatte am Mittwoch nach einem Telefonat mit dem Kommandanten des österreichischen Kontingents, Major Markus Wappel, versichert, dass die Truppe an Ort und Stelle wohlauf sei. Derzeit bestehe keine Gefahr für die Soldaten.

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