US-Präsident Donald Trump und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu erklärten, dass sie mit den Angriffen auf die Führungsriege des Landes den Weg für einen Machtwechsel ebnen wollten. Sie riefen die Iraner dazu auf, die Führung des Landes in die Hand zu nehmen.
Nach Trumps Einschätzung könnte der Krieg noch vier Wochen dauern. Von Anfang an sei man davon ausgegangen, dass es etwa vier Wochen gehen würde, sagte Trump laut „Daily Mail“ in einem Telefoninterview. Der Iran sei ein großes Land. „Es wird vier Wochen dauern – oder weniger.“
Der Iran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel und auf Golfstaaten, in denen das US-Militär Stützpunkte unterhält. Der iranische Präsident Massud Peseschkian bezeichnete Chameneis Tötung als offene Kriegserklärung gegen alle Muslime weltweit.
Amiri (ARD): „Kein Sturz des Regimes“
Die Journalistin und ehemalige Iran-Korrespondentin der ARD, Natalie Amiri, erklärt die derzeit laufenden Schritte zur Etablierung einer Regierung im Iran, die die Politik des getöteten geistlichen Führers Chameneis und dessen Kabinetts fortsetzen soll.
Anhaltende Angriffe auf Israel
In Israel gab es das ganze Wochenende immer wieder Raketenalarm. Seit Samstagabend mussten Millionen Menschen bereits rund 20-mal wegen Angriffen in die Schutzräume eilen. In mehreren Gegenden wurden Einschläge gemeldet.
Im Beit Schemesch westlich von Jerusalem wurden neun Menschen beim Einschlag einer Rakete getötet. Insgesamt kamen am Wochenende nach israelischen Angaben mindestens elf Menschen ums Leben, Dutzende Menschen wurden demnach verletzt.
Gespaltene Reaktion auf Chameneis Tod im Iran
Die Angriffe und die Tötung von Chamenei lösen im Iran Panik und Trauer, aber auch Jubel und Hoffnung aus. Am Sonntag wurde das Stadtzentrum Teherans wieder von Explosionen erschüttert. Bei den Angriffen auch auf andere Regionen des Landes kamen nach Angaben des Roten Halbmonds bereits mehr als 200 Menschen ums Leben. Hunderte wurden verletzt.
Den Iran soll nun vorübergehend einen dreiköpfigen Rat führen: Präsident Peseschkian, Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi sowie das Mitglied des Wächterrats, Aliresa Arafi. Das Trio soll die Aufgaben Chameneis übernehmen, bis die 88 Geistlichen im sogenannten Expertenrat einen Nachfolger benennen. Wie schnell das Machtgefüge mitten im Krieg neu angeordnet werden kann, ist völlig offen.
Wut und Jubel über die Ausschaltung der Führung des Iran
Der Tod des obersten geistlichen Führers des Iran und die Eskalation im Nahen Osten sorgen für ganz unterschiedliche Reaktionen in Form von diametralen Demonstrationen weltweit. Manche sind wütend über die Angriffe Israels und der USA auf den Iran, andere freuen sich und haben erstmals wieder Hoffnung auf Demokratie.
Der Iran beschränkte seine Angriffe nicht nur auf Israel. In Bahrain, Katar sowie in Abu Dhabi und Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden Einschläge und Explosionen gemeldet. Die Revolutionsgarden hatten 27 US-Stützpunkte in der Golfregion angegriffen, berichtete die Nachrichtenagentur Tasnim, ein Sprachrohr der Elitestreitmacht.
Tausende Reisende in der Region gestrandet
Die Eskalation in Nahost wirkt sich erheblich auf den internationalen Luftverkehr aus. Zahlreiche Lufträume wurden aus Sicherheitsgründen geschlossen, Tausende Reisende saßen fest oder mussten umgeleitet werden. Nach Angaben der Plattform Flightradar24 wurden sieben große Flughäfen mehr als 3.400 Flüge gestrichen – darunter die internationalen Drehkreuze Dubai, Abu Dhabi und Doha.
Tausende Reisende, darunter viele Touristen, sind in der Region gestrandet. Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen laut der staatlichen Nachrichtenagentur WAM „alle Unterbringungs- und Verpflegungskosten für betroffene und gestrandete Passagiere“ übernehmen. Flughäfen und nationale Fluggesellschaften betreuten den Angaben nach bereits rund 20.200 Passagiere, deren Flüge verschoben werden mussten. Betroffen sind auch Kreuzfahrten – mehrere große Schiffe mit Tausenden Menschen an Bord hängen aktuell in Dubai fest.

Israel und USA verteidigen ihr Vorgehen
Die israelische Armee hat Chamenei nach eigenen Angaben am Samstag gezielt getötet, als er sich mit hochrangigen Funktionen der Staatsführung in einem Gebäudekomplex im Zentrum Teherans aufhielt.
Der Iran bestätigte mittlerweile, dass auch hochrangige Militärs wie Generalstabschef Abdolrahim Mussawi getötet wurden. Die israelische Armee teilte mit, bei den ersten Angriffen am Samstag insgesamt 40 iranische Kommandanten getötet zu haben. Ob der iranische Ex-Präsident Mahmud Ahmadinedschad ebenfalls getötet wurde, wie von Staatsmedien berichtet wurde, ist unklar: Seine Partei dementierte die Berichte am Sonntag.
Israel und die USA begründen ihre Angriffe mit der Bedrohung, die vom Iran und der bisherigen Führung ausgehe. Die Angriffe begannen kurz nach neuen Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über Teherans umstrittenes Atomprogramm, durch das sich Israel in seiner Existenz bedroht sieht. Expertinnen und Experten sehen in den Angriffen auf den Iran einen Bruch des Völkerrechts.

Europas gespaltene Reaktion
China und Russland, beide wichtige Unterstützer des Iran, verurteilten die Tötung von Chamenei. Kreml-Chef Wladimir Putin sprach von einem „zynischen Verstoß gegen alle Normen der menschlichen Moral und des Völkerrechts“. Das chinesische Außenministerium sieht eine Verletzung der Souveränität des Iran und rief zur Einstellung aller militärischen Handlungen auf.
In Europa fielen die Reaktionen auf die israelisch-amerikanischen Angriffe unterschiedlich aus. Deutschland – gemeinsam mit Frankreich und Großbritannien – verurteilte die iranischen Angriffe auf Staaten in der Region. Die Regierungschefs von Spanien und Norwegen verurteilten nicht nur die iranischen Gegenschläge, sondern auch die Angriffe auf den Iran in aller Schärfe.
Der Tod des Religionsführers Chamenei markiert einen „entscheidenden Moment“ in der iranischen Geschichte, teilte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas mit.

