In der ersten Wahlrunde am 18. Jänner hatte der 63-jährige Sozialist rund 31 Prozent der Stimmen erhalten. Sein 43-jähriger Herausforderer Andre Ventura von der rechtspopulistischen Partei Chega kam auf 23,5 Prozent. Umfragen zufolge zeichnete sich ein klares Ergebnis wie dieses und damit auch Seguros Wahlsieg bereits im Vorfeld ab.
Keine Wahlempfehlung für die Stichwahl kam von Regierungschef Luis Montenegro von der Konservativen Partei PSD. Dies führt eine Minderheitsregierung an, die immer wieder auf die Unterstützung der von Ventura 2019 gegründeten Chega-Partei angewiesen ist, um ihre Vorhaben durchzusetzen.
Klare Positionierung im Wahlkampf
Seguro war von 2011 bis 2014 Generalsekretär der Sozialistischen Partei (PS), deren gemäßigten Flügel er vertritt. Er hatte sich im Wahlkampf als Kandidat einer „modernen und gemäßigten“ Linken präsentiert, der politische Krisen abwenden und demokratische Werte verteidigen wolle.
Während Ventura mit dem Versprechen antrat, mit den seit fünf Jahrzehnten in Portugal regierenden Parteien zu brechen, positionierte sich Seguro als Kandidat der Einheit. Er warnte im Wahlkampf vor einem „Alptraum“, sollte seine Rivale gewinnen. Angesichts der Sorge vor Venturas populistischem Kurs erhielt er nach der ersten Runde auch Unterstützung von prominenten Konservativen.
Ventura strebt nach Einschätzung von Experten langfristig das Amt des Regierungschefs an. Mit der Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl habe er versucht, „seine Wählerbasis zu halten“, sagte der Politikwissenschaftler Jose Santana Pereira vom Lissabonner Universitätsinstitut ISCTE laut AFP. Venturas Chega-Partei holte bei der Parlamentswahl im Vorjahr 22,8 Prozent.

Wahl in mehrere Bezirke verschoben
Der Urnengang wurde wie schon zuvor der Wahlkampf durch widrige Wetterbedingungen überschattet, weswegen eine niedrige Wahlbeteiligung befürchtet wurde. Trotz der Stürme lag die Wahlbeteiligung etwa auf dem Niveau der ersten Runde vom 18. Jänner.
Portugal wurde am Wochenende von dem Sturmtief „Marta“ heimgesucht – nachdem in den vergangenen Tagen bereits das Tief „Leonardo“ heftige Winde, schwere Regenfälle und Überschwemmungen mit sich gebracht hatte. Am Samstag meldeten die Behörden ein Todesopfer durch das neue Sturmtief. In der Nacht am Sonntag war die Wetterlage wieder deutlich ruhiger.
Ventura hatte vergeblich eine allgemeine Verschiebung der Stichwahl wegen des Unwetters gefordert. Nach Angaben der Wahlbehörde erlaubte das Gesetz keine landesweite Verschiebung des Urnengangs, sondern nur in einzelnen Wahlkreisen. Das erfolgte in drei Landkreisen im Süden und der Mitte des Landes. Dort wird die Wahl in einer Woche nachgeholt.

Amtsantritt mit Anfang März
Der Wahlsieger wird Anfang März die Nachfolge von Staatschef Rebelo de Sousa antreten, der nach zwei aufeinanderfolgenden Amtsperioden nicht mehr kandidieren durfte. Seit 1986 Krieg in Portugal keine Stichwahl zur Wahl des Staatsoberhauptes mehr nötig gewesen.
Das Amt des Präsidenten in Portugal ist zwar überwiegend vertreten. Das Staatsoberhaupt verfügt jedoch über wichtige Befugnisse: Es kann unter bestimmten Umständen das Parlament auflösen, Neuwahlen ausrufen und Gesetze per Veto blockieren.

