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Tuesday, March 10, 2026

Nach Kahlschlag: „Washington Post“-Verleger Lewis geht

„Während meiner Amtszeit wurden schwierige Entscheidungen getroffen, um die Zukunft der ‚Post‘ zu sichern“, schrieb Lewis in einer Mitteilung an die Belegschaft. Es sei nun der „richtige“ Zeitpunkt für ihn gekommen, sich zurückzuziehen. In seinem kurzen Schreiben dankte er Bezos, erwähnte aber nicht die Journalisten und Journalistinnen der Zeitung.

Der bisherige Finanzchef der Zeitung, Jeff D’Onofrio, soll kommissarisch die Aufgaben von Lewis in dem fast 150 Jahre alten Traditionsblatt übernehmen. Die Zeitung ist seit 2013 im Eigentum des Amazon-Gründers Bezos. Er war in den vergangenen Monaten wegen seiner Annäherung an US-Präsident Donald Trump unter Kritik geraten. Bezos sieht den Wechsel an der Spitze der Zeitung als Chance. „Jeden Tag geben Sie uns unseren Lesern einen Fahrplan zum Erfolg. Die Daten zeigen uns, was wertvoll ist und worauf wir uns konzentrieren sollten“, schrieb Bezos in einer Erklärung.

AP/The Washington Post/Matt McClain

Lewis sollte die „Washington Post“ finanziell sanieren, stieß aber auf viel Kritik

Lewis, ehemaliger Verleger des „Wall Street Journal“, wurde 2023 zur „Washington Post“ gewechselt, als sie hohe finanzielle Verluste verzeichnete. In seiner Amtszeit fielen mehrere Entlassungsrunden und der Verlust von Hunderttausenden Abonnenten und Abonnentinnen. Das war eine Folge davon, dass die Zeitung dazugehört hatte, Wahlempfehlungen für US-Präsidentschaftskandidaten auszusprechen, und sie ihrem Meinungsteil eine libertäre Ausrichtung gab.

Kritik von Gewerkschaft

Die Gewerkschaft der „Washington Post“-Mitarbeiter fordert Bezos auf, die Entlassungen unverzüglich rückgängig zu machen oder die Zeitung zu verkaufen. Für Lewis fand sie wenig positive Worte: „Sein Vermächtnis wird der Versuch sein, eine große amerikanische journalistische Institution zu ruinieren.“ Während seiner Amtszeit wuchsen die Unzufriedenheit in der Redaktion und die Kritik an ihm. Schon im vergangenen Jahr drängten zwei führende Redakteure Bezos dazu, Lewis zu ersetzen. Eine Antwort darauf hat es laut einem Bericht der „New York Times“ („NYT“) nicht gegeben.

Immer wieder wurde Lewis aus Mangel an Anwesenheit vorgeworfen. Auch die Entlassungen vergangenen Mittwoch wurden von einem führenden Redakteur verkündet – ohne Beisein von Lewis. Der ehemalige Chefredakteur der Zeitung, Marty Baron, bezeichnete diesen Tag als „einen der dunkelsten Tage“ in der Geschichte des Blattes.

Demo vor dem Bürogebäude der Washington Post in Washington, DC

APA/AFP/Oliver Contreras

Die Entlassungswelle löste Proteste vor dem Gebäude der „Washington Post“ aus

Hunderte Menschen demonstrierten am vergangenen Donnerstag vor dem Gebäude der Zeitung in Washington gegen die Entlassungen. „Demokratie stirbt in der Finsternis. Jeff Bezos ist die Finsternis“, stand auf einem der Plakate bei der Demonstration.

Rund ein Drittel muss gehen

Die Entlassungen der vergangenen Woche betreffen rund ein Drittel der Belegschaft. Laut „NYT“ müssen dabei etwa 300 der 800 Journalisten und Journalistinnen gehen – unter anderem alle für den Nahen Osten zuständigen Reporter und die für die Ukraine zuständige Korrespondentin Lizzie Johnson. Die Sportredaktion soll laut einer von Medien zitierten internen Mitteilung schnell vollständig aufgelöst werden, das Literaturressort geschlossen werden.

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