Der US-Sender CBS News zitierte informierte Quellen, wonach hochrangige nationale Sicherheitsbeamte Trump mitgeteilt hätten, dass das Militär für einen baldigen Angriff bereit sei. Das US-Nachrichtenportal Axios zitierte ebenfalls namentlich nicht genannte Quellen, wonach die US-Regierung näher vor einem großen Krieg stehe, als den meisten Amerikanern bewusst sei.
Unisono berichteten US-Medien, Trump habe bisher keinen Hinweis darauf gegeben, wie er vorgehen werde. Das Weiße Haus wäge derzeit die „Risiken einer Eskalation und die politischen und militärischen Folgen einer Zurückhaltung“ ab, berichtete CBS.
Trump-Drohung
„Es hat sich im Laufe der Jahre gezeigt, dass es nicht einfach ist, ein sinnvolles Abkommen mit dem Iran zu schließen. Wir müssen ein sinnvolles Abkommen schließen, sonst passieren schlimme Dinge“, sagte Trump am Donnerstag. Washington werde möglicherweise „einen Schritt weiter gehen müssen“, falls keine Einigung mit Teheran erzielt werde, sagte Trump und ergänzte: „Sie werden es wahrscheinlich in den nächsten zehn Tagen herausfinden.“
Die über Oman vermittelten Gespräche hatten zuletzt am Dienstag stattgefunden, danach war von „Leitprinzipien“ für weitere Gespräche die Rede. Der Iran bat um zwei Wochen Zeit, um konkrete Vorschläge für eine diplomatische Lösung vorzulegen.
US-Forderungen an den Iran
Die USA fordern, dass der Iran sein Atomprogramm aufgibt und sich verpflichtet, keine weitere Urananreicherung vorzunehmen. Teheran beteuert, dass diese nur zivilen Zwecken dienen.
„Viele Gründe für Angriff“
Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, sagte, es gebe „viele Gründe und Argumente“ für einen Angriff. „Der Iran wäre sehr gut beraten, ein Abkommen abzuschließen.“ Den USA geht es neben dem Gefahrenpotenzial des Atomprogramms der Islamischen Republik auch um deren ballistische Raketen und Abschussrampen.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, dessen Land sich möglicherweise an einem Angriff beteiligen würde, drängt auf Maßnahmen, um die iranische Fähigkeit zu einem Raketenangriff auf Israel zu schwächen. Am Donnerstag drohte Netanjahu dem Iran im Fall eines Angriffs auf Israel mit einer entschlossenen Antwort.
In Israel liefen umfangreiche Vorbereitungen auf einen möglichen gemeinsamen Angriff, zitierte die „New York Times“ („NYT“) israelische Militärvertreter. Zugleich hieß es auch hier, dass noch keine Entscheidung gefallen sei. Die Planung sehe vor, dem Iran über mehrere Tage hinweg einen schweren Schlag zu versetzen. Gegenüber der Nachrichtenseite Times of Israel sprachen ungenannte Quellen von der Möglichkeit eines „mehrwöchigen“ Konflikts.
„NYT“: Ziele weniger klar als vor acht Monaten
Trump drohte wiederholt, dass der Iran die US-Forderungen erfüllen müsse, andersfalls sei mit nicht näher genannten „Konsequenzen“ zu rechnen. Dabei liegen die letzten Angriffe noch nicht lange zurück: Im Juni des Vorjahres flogen die USA und Israel Angriff auf Militär- und Nuklearanlagen im Iran. Danach sagte Trump, das iranische Atomprogramm sei „ausgelöscht“.
Ein Angriff acht Monate danach würde auf jeden Fall erhebliche Risiken mit sich bringen, etwa dass der Iran mit einem umfassenden Raketenangriff auf Israel und die an zahlreichen Orten der Region stationierten US-Streitkräfte reagierten. Zudem seien im Gegensatz zu den Angriffen im Vorjahr die Ziele diesmal weniger klar, schrieb die „New York Times“, ohne Details zu nennen.

Umfassende US-Militärpräsenz
Der umfassende militärische Aufbau der USA in der Region deute jedenfalls auf eine Reihe möglicher iranischer Ziele hin, darunter Kurz- und Mittelstreckenraketen, Raketenlager, Nuklearanlagen und andere militärische Ziele, beispielsweise das Hauptquartier der Islamischen Revolutionsgarde. Militärangehörige verwiesen in dieser Frage laut „NYT“ auf die endgültige Entscheidung Trumps.
Die Truppenpräsenz für einen möglichen Angriff umfasst laut US-Medien Dutzende Tankflugzeuge, die vom United States Central Command (Centcom, US-Zentralkommando) in die Region entsandt wurden, mehr als 50 zusätzliche Kampfflugzeuge sowie zwei Flugzeugträgerkampfgruppen mit den dazugehörigen Zerstörern, Kreuzern und U-Booten.
Die „Gerald R. Ford“, der neueste und größte Flugzeugträger der USA, ist mittlerweile aus der Karibik zurückgekehrt. Das Schiff näherte sich am Mittwoch Gibraltar, um sich später dem Flugzeugträger „Abraham Lincoln“ anzuschließen. Anfang des Jahres war die „Gerald R. Ford“ an dem Einsatz in Venezuela beteiligt, bei dem Machthaber Nicolas Maduro außer Landes gebracht wurde.
Umfassende Vorbereitungen im Iran
Doch auch Teheran bereitet sich auf einen möglichen Konflikt vor, wie das „Wall Street Journal“ („WSJ“) berichtete: Die Führung verlegt Truppen, stärkt die Luftabwehr, verstärkt den Schutz von Nuklearanlagen und versetzt Sicherheits- und Kommandostrukturen in erhöhte Alarmbereitschaft. Gleichzeitig verschärfe das Regime im Inneren die Repression, um mögliche Unruhen im Fall eines US-Schlages zu unterbinden.

Marinemanöver mit Russland
Stärke nach wird der Iran mit einem gemeinsamen Marinemanöver zusammen mit dem Verbündeten Russland demonstrieren, im strategisch wichtigen Golf von Oman und dem angrenzenden nördlichen Indischen Ozean. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur ISNA ist neben den russischen und iranischen Marineeinheiten auch die Revolutionsgarde beteiligt. Die Revolutionsgarde hatte bereits am Montag ein Manöver in der Straße von Hormus abgehalten. Teile der Meerenge wurden Anfang der Woche aus Sicherheitsgründen mehrere Stunden für den Schiffsverkehr gesperrt.

Russland: „Sehen beispiellose Eskalation“
Beobachter sehen in der Übung ein Säbelrasseln Teherans sowie die Hoffnung auf ein mit Moskaus Unterstützung ausgesandtes Signal der Abschreckung. Russland fordert alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Momentan sehe man „eine beispiellose Eskalation der Spannungen in der Region“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.

