Nach einem Treffen mit Regierungsvertretern kündigte ein Sprecher der Bewegung an, dass die Regierung von Premier Narendra Modi alle Forderungen der Gruppe akzeptiert habe. Neben dem Rücktritt hatte Pradhans die Bewegung auch die Entschädigung von Familien solcher, die angeblich nach dem Durchsickern der Prüfungsaufgaben für den Medizinertest Selbstmord begonnen hatten, gefordert. Außerdem verlangten sie, dass Demonstrierende nicht strafrechtlich verfolgt würden.
„Alle unsere Forderungen wurden akzeptiert. Wir fordern die Protestierenden auf, den Protest mit sofortiger Wirkung friedlich zu beenden“, sagte CJP-Sprecher Ashutosh Ranka der BBC. Nach dem Rücktritt des Bildungsministers hatten Demonstranten am Protestort „Jai Hind“, eine patriotische Losung, die „Sieg für Indien“ bedeutet, aufgerufen.
Bildungsminister zollt Bewegung „großen Respekt“
In seinem Rücktrittsgesuch schrieb Pradhans: „In Anbetracht der Lage, die am Jantar Mantar und im ganzen Land entstanden ist, und damit antinationale Kräfte diese Situation nicht ausnutzen (…), habe ich dem Premierminister meine Rücktrittsschreiben geschickt.“ Er habe „großen Respekt vor den Bestrebungen, Gefühlen und berechtigten Erwartungen der Jugend des Landes.“
Bei den „Kakerlaken“-Protesten handelt es sich um die größten Straßenproteste seit Jahren. Sie führten zur Gründung der „Kakerlaken“-Bewegung. Immer wieder gingen die Sicherheitskräfte mit Gewalt gegen Protestierende vor.
Proteste als große Herausforderung für Modi
Anfang der Woche hatten sich die Proteste zugespitzt, nachdem die Polizei mit Schlagstöcken und Tränengas Dutzende Demonstrierende verletzt hatte. Sie hatten versucht, zum Parlament zu marschieren. Die Behörden hatten am Samstag auch den Zugang zum Internet und zu 18 U-Bahn-Stationen in der Hauptstadt eingeschränkt, um die Proteste einzudämmen.
Premierminister Modi kündigte im Lichte der Proteste zuletzt harte Strafen für Prüfungsbetrug an. „Wer versucht, der Zukunft unserer Jugend zu schaden, wird nicht verschont“, so Modi am Donnerstag in Sozialen Netzwerken. Für Fälle, in denen Prüfungsaufgaben im Voraus bekannt werden, sollen nach seinen Angaben Schnellgerichte installiert werden. Die erst seit Mai aktive Bewegung gilt schon jetzt als größte Herausforderung in der dritten Amtszeit Modis.

„Kakerlaken“: Richter als unverhoffter Namensgeber
Ausgelöst wurde die Protestwelle, als eine Vorabveröffentlichung von Prüfungsunterlagen für den Medizinertest bekanntgeworden war. Mehr als zwei Millionen Bewerberinnen und Bewerber mussten den Test wiederholen. Die Proteste spiegeln eine tiefe Wut über Arbeitsplatzmangel, Korruption und mangelnde Rechenschaftspflicht der Regierung wider.
Der Name der „Kakerlaken“-Bewegung (Cockroach Janta Party, CJP) geht nach den Angaben auf Äußerungen eines führenden Richters zurück. Dieser hatte einige arbeitslose Jugendliche mit Kakerlaken (auf Englisch „cockroaches“) verglichen.

