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Monday, April 13, 2026

Mehr KI, längere Volksschule: Wiederkehr hält an Reformvorstößen fest

Wiederkehr ortete einen „jahrelangen Stillstand“ in der österreichischen Bildungspolitik. „Aber die Welt hat sich extrem schnell verändert, und wir müssen mit dem Schritt halten.“ Und da sich auch der Kanon der Allgemeinbildung verändert habe, müssten auch die Schulen ebenso verändert werden. Er sieht es als seine Aufgabe an, Kinder und Jugendliche gut auf das Leben vorzubereiten, daher werde er seine Reformpläne festhalten.

Rückhalt dafür gebe es auch in der Bevölkerung, verwies Wiederkehr auf Umfragen. Ebenso seien ÖVP und SPÖ „extrem intensiv“ eingebunden. Ein endgültig koordinierter Vorschlag sei noch nicht vorhanden, klar sei aber: Wenn etwas Neues hinzukomme, müsse auch etwas wegfallen. Daher habe er vorgeschlagen, die Stundenzahl für Latein und die zweite lebende Fremdsprache an der AHS-Oberstufe zugunsten von Informatik und künstlicher Intelligenz herunterzuschrauben. Außerdem wird er den Gegenstand „Medien und Demokratie“ einführen.

Kein eigenes Fach für KI

Dennoch sei nie die Rede davon gewesen, ein eigenes Fach nur für KI zu etablieren, stellte Wiederkehr klar. Vielmehr gehe es darum, „informatische Grundkompetenzen in der Schule zu stärken“. Der Bildungsminister fügte hinzu: „Aber natürlich soll KI in jedem Fach vorkommen.“

Auf die Frage, ob es sinnvoll sei, KI gegen Latein auszuspielen, antwortete er: „Das ist eine medial inszenierte Zuspitzung gewesen. Es geht darum, Bildung zu definieren und Allgemeinbildung zu definieren.“ Zudem seien die sprachlichen Kompetenzen „weiterhin wichtig, insgesamt haben wir immer noch mehr Lateinstunden als für Informatik, KI- und Medienbildung zusammen“, sagte der Vizeparteichef.

Die Schulautonomie sehe er dadurch jedenfalls nicht gefährdet, im Gegenteil. Schulen hätten die Möglichkeit, ein Profil zu entwickeln, „und das können sie auch in Zukunft machen, sogar noch weiter verstärken“. Die konkreten Auswirkungen müssten jedoch noch abgeklärt werden, lenkte Wiederkehr ein.

Wiederkehr: Sechs Jahre Volksschule kein „Untergang des Gymnasiums“

Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) wird mit dem Modellversuch in Wien für sechs Jahre Volksschule einen kompletten Systemwechsel einleiten, wie er in der Ö1-Reihe „Im Journal zu Gast“ betonte. Einen „Untergang des Gymnasiums“ sieht er nicht aus, vielmehr soll es eine veränderte Rolle bekommen.

Volksschulverlängerung für „Chacengleichheit“

Neben der Lehrplanänderung ist ein weiterer Punkt von Wiederkehrs Umbauplänen des Bildungssystems die Verlängerung der Volksschule von vier auf sechs Jahre. Für den Bildungsminister sei das „eine Frage der Chancengleichheit“. Und: „Das ist in vielen Ländern Europas üblich. Wir sind ja in Österreich die Ausnahme. Und hier wird es ein Pilotprojekt geben, so wie es auch im Regierungsprogramm vereinbart ist“, so Wiederkehr.

Freiwillige Modellregion für eine längere Primarstufe soll Wien werden. Derzeit laufen im Ministerium Vorbereitungen für Pilotprojekte. Zweifellos sei diese Veränderung „ein kompletter Systemwechsel“, daher solle „behutsam“ mit einer wissenschaftlich begleiteten Testphase begonnen werden, also Wiederkehr. Auf jeden Fall soll es weiterhin eine Mittelschule und ein Gymnasium geben, wenn auch kürzer als bisher.

Trotz Kritik: „Mut haben, Sachen neu zu denken“

Angesprochen auf die Folgen, meinte Wiederkehr: „Jede Reform hat zum Ergebnis, dass sich etwas verändert. Aber man kann ja nicht immer gegen Veränderungen sein und Reformen verweigern.“ Österreich dürfe weder europäisch noch international den Anschluss verlieren. Daher muss man nun den „Mut haben, auch Sachen neu zu denken“.

Seit Wiederkehr mit seinem Vorstoß Ende Jänner aufhorchen ließ, wurde dieser zum Politikum. Kritik kam sowohl von der ÖVP und der Lehrergewerkschaft als auch einem großen Teil der AHS-Direktoren und -Direktorinnen. Bei einer Umfrage unter allen rund 360 Mitgliedern mit einer Teilnahmequote von 75 Prozent sprachen sich mehr als 90 Prozent der Schulleitungen gegen die Kürzungen bei Latein bzw. der zweiten lebenden Fremdsprache aus. Begeistert zeigte sich auch die SPÖ nicht, Bildungssprecher Heinrich Himmer meinte erst vor wenigen Tagen gegenüber der APA, er sehe in absehbarer Zeit nicht, dass diese Lehrplanänderung kommen könnte.

Kritik von FPÖ und Grünen

Scharfe Kritik am Bildungsminister kam daraufhin von der Opposition. Wiederkehr spiele sich „als allwissender Oberlehrer“ auf, anstatt jenen Institutionen wie Unis, Gymnasien und Wirtschaft – „die am Ende mit den Absolventen arbeiten müssen“ – einzubinden, deutlich der blaue Bildungssprecher Hermann Brückl in einer Aussendung am Samstag. Besonders alarmierend sei für Brückl die „offensichtliche Geringschätzung klassischer Bildungsinhalte“.

Die grüne Bildungssprecherin Sigrid Maurer bemängelte unterdessen Wiederkehrs „Ankündigungspolitik“. Die eigentlichen Reformen blieben aber aus. „Wiederkehr ist wie ein Baggerfahrer, der immer neue Löcher aufreißt, ohne die vorhandenen zu schließen. Mit seiner Sprunghaftigkeit und seinen medialen Vorstößen steht er Reformen mehr im Weg, als dass er sie vorantreibt“, konstatierte Maurer.

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