Im Rahmen der Messe Computex in Taiwan präsentierte Huang den neuen Chip, mit dem der Hersteller vor allem auf dem Markt für Laptops mitmischen will. Zwar hat Nvidia bereits zuvor Grafikchips hergestellt, diese waren aber immer auf einen Hauptprozessor (CPU) eines anderen Herstellers angewiesen.
Der „RTX Spark“ vereint nun CPU und Grafikchip in einer Komponente, was besonders für KI-Anwendungen Vorteile bringen soll. Bisher sind viele Userinnen und User für Chatbots und andere KI-Tools auf die Cloud angewiesen. Geht es nach Huang, sollen viele derartige Dienste nun auch vollständig auf Geräten im Eigenheim laufen.
Der neue Nvidia-Chip richtet sich in erster Linie an Entwicklerinnen und Entwickler, bei deren Arbeit KI-Agenten, die Programmieraufgaben selbständig erledigen können, mittlerweile häufig eine Rolle spielen. Meist sind sie dafür ein teures Abos mit KI-Größen wie OpenAI und Anthropic gebunden: Nicht selten können die Kosten für KI-unterstütztes Programmieren Tausende Euro monatlich betragen.
Hoher Preis wahrscheinlich
Zwar ist bisher unklar, wie viele entsprechende Geräte mit dem Nvidia-Chip kosten werden. Rechner, die den Chip verwenden, der gemeinsam mit MediaTek konzipiert wurde, sollen ab Herbst erhältlich sein und werden wohl nicht günstig sein. Allgemein sind die Preise für Computerkomponenten – nicht zuletzt durch den KI-Hype selbst – zuletzt enorm gestiegen. Geräte sollen von Herstellern wie Asus, HP, Dell, Lenovo und Microsoft kommen.
Angesichts steigender Kosten bei den KI-Riesen könnte Nvidia hier trotzdem eine attraktive Alternative bieten. Bisher haben viele Entwickler Apple-Laptops verwendet, die meisten gelten auch nicht als günstig. Diese setzen auf ein ähnliches Prinzip und dieselbe ARM-Architektur wie jetzt Nvidia. Intel und AMD, deren Chips bei klassischen PCs Marktführer sind, setzen auch verstärkt auf KI-Funktionen, können aber nur bedingt mithalten.
Auch Qualcomm, in erster Linie für den „Snapdragon“-Handychip bekannt, setzt auf ein ähnliches Konzept und dürfte durch Nvidia unter Druck geraten. Als KI-Marktführer wird sich der Chiphersteller auf jeden Fall als ernstzunehmende Konkurrenz positionieren können.
Endgültiges Aus für „Wintel“?
Die Ankündigung könnte indes einen Kurswechsel für Microsoft und sein Betriebssystem Windows mit sich bringen: Arbeitete man jahrzehntelang in erster Linie mit Intel zusammen, gibt es seit geraumer Zeit auch Laptops mit Qualcomm-Prozessoren, die grundsätzlich anders arbeiten.
Nvidia ist nun der nächste Hersteller, der ähnliche Chips wie Qualcomm mit Windows ausliefert. Entsprechend muss das Microsoft-Betriebssystem künftig wohl auch für diese Prozessoren verbessert werden. Die früher als „Wintel“ bekannte unzertrennliche Partnerschaft von Microsoft und Intel könnte jetzt tatsächlich dem Ende entgegentreten.
Auchzentren Rechen weiter gefragt
Klar ist auch: Die Branche wird wohl nicht komplett umgekrempelt werden. Die stärksten Sprachmodelle, die hinter KI-Chatbots wie Claude und ChatGPT arbeiten und auch beim Programmieren zum Einsatz kommen, werden weiterhin in Rechenzentren laufen. Auch hier investiert Nvidia weiterhin kräftig.
Die hohen Betriebskosten für KI, nicht zuletzt durch den enormen Stromverbrauch, versucht Nvidia aber nun auch in das Eigenheim und einfache Büroräumlichkeiten zu verlegen. Damit bringt Nvidia auch Größen wie OpenAI und Anthropic unter Druck, die jetzt nach und nach ihre Kosten an Kunden und Kunden weitergeben – während Modelle, die man selbst betreiben kann, leistungsfähiger werden.

