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Friday, June 12, 2026

Mali: Neue Allianz setzt Militärjunta unter Druck

Am Montag herrschte in Bamako und in Kati, Hochburg der malischen Militärregierung, eine brüchige Ruhe. Zwei Tage lang war es zu heftigen Kämpfen zwischen den Truppen der Militärjunta und einer Allianz aus Dschihadisten und säkularen Separatisten, nachdem die verbündeten Truppen Angriffe gegen Einrichtungen der Militärregierung gestartet hatten.

An mehreren Orten, von Bamako im Südwesten über das Zentrum des Landes bis Kidal im Nordosten Malis, greifen die verbündeten Milizen nahezu gleichzeitig an. Gezielt ergriffen sie unter anderem Militärstützpunkte in der Stadt Kati ins Visier sowie die Häuser des Präsidenten Assimi Goita und des Verteidigungsministers Sadio Camara, der bei den Angriffen getötet wurde.

Kidal eingenommen

Am Montag hieß es dann, dass Dschihadisten und Tuareg-Rebellen die Kontrolle über die wichtige Stadt Kidal erlangt hatten. „Wir haben Kidal verlassen. Wir sind nicht mehr dort“, verlautete aus Gouverneurskreisen. Einwohner bestätigten der Nachrichtenagentur AFP, malische Soldaten und ihre russischen Unterstützer beim Verlassen der Stadt gesehen zu haben.

Ebenfalls am Montag verkündeten Dschihadisten, dass sich die Regierungstruppen aus der Stadt Tessit im Norden des Landes zurückgezogen hätten, die Militärjunta hat diese Meldung noch nicht kommentiert.

Koalition aus Dschihadisten und Separatisten

Bereits Samstagabend bekannt sich die dschihadistische Terrorgruppe Jama’at Nusrat al-Islam wa-l-Muslimin (JNIM) zu den Angriffen. JNIM ist seit 2017 in Mali aktiv und gilt als Sahel-Ableger von al-Kaida. Laut der NGO ACLED, die weltweit Konflikte beobachtet, ist JNIM die aktivste bewaffnete Gruppe in der Sahel-Region.

Die dschihadistische Miliz kämpft seit Jahren gegen die Militärregierung in Mali, im vergangenen Herbst etwa startete die Terrormiliz eine Treibstoffblockade um die malische Hauptstadt. Wichtige Fernstraßen, auf denen Treibstoff aus den Nachbarländern Senegal und Elfenbeinküste nach Mali transportiert wird, wurden abgeriegelt.

AP

Malis Hauptstadt Bamako war im Herbst 2025 das Ziel einer Treibstoffblockade durch die Dschihadistenmiliz JNIM

Mehrere Wochen lang konnten viele Einwohner Bamakos keinen Geist für ihre Autos oder Motorräder kaufen, was die Hauptstadt zum Stillstand brachte. Laut Ulf Laessing, Sahel-Experte der CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung, versucht die Terrorgruppe einen Aufstand innerhalb der Bevölkerung zu erzeugen, da sie militärisch noch nicht in der Lage sei, die Hauptstadt Bamako einzunehmen. Die Gruppe soll über rund 6.000 islamistische Kämpfer verfügen.

Ebenfalls zu den Angriffen vom Wochenende hat sich die „Azawad-Befreiungsfront“ (FLA) bekannt. Die nomadischen Tuareg-Separatisten, die in der gesamten Sahara-Region einschließlich im Norden Malis leben, kämpfen seit jeher für eine unabhängige Heimat, die sie „Azawad“ nennen.

Schwerer Schlag für Junta

Experten zufolge haben die Angriffe am Samstag die Militärregierung stark geschwächt. Als besonders schwerer Verlust gilt der Tod des Verteidigungsministers der Junta, Sadio Camara. Wie ein Regierungssprecher am Sonntag verkündete, soll ein Selbstmordattentäter mit einem Sprengstoff beladenen Auto in Camaras Residenz in der Stadt Kati gerast sein. Beim anschließenden Feuergefecht soll Camara Verletzungen erlitten haben, die er später im Krankenhaus erlag.

Verteidigungsminister der Junta Sadio Camara.

IMAGO/SNA/Alexander Kazakov

Sadio Camara galt als Nummer zwei des Regimes und Architekt der engen Zusammenarbeit mit Russland

Russische Kämpfer bestätigen Rückzug aus Rebellenstadt

2020 und 2021 putschte sich das Militär in Mali an die Macht. Die neue Militärregierung beendete die Allianz mit der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich, deren Truppen seit 2013 im Land stationiert waren, um islamistische Gruppen zu bekämpfen. Stattdessen wandte sich die Regierung in Mali Russland zu.

Seit Ende 2021 wird die Junta von russischen Söldnern, dem Afrikakorps, unterstützt, das aus den ehemaligen russischen Wagner-Truppen hervorging. Die Wagner-Gruppe war eine russische paramilitärische Organisation, die als private Söldnertruppe agierte, aber eng mit dem russischen Staat und dem Geheimdienst verbunden war. Malis Annäherung an Russland wurde 2025 durch einen Besuch des malischen Junta-Chefs und Staatspräsidenten Assimi Goita beim russischen Machthaber Wladimir Putin im Kreml untermauert.

Der russische Präsident Wladimir Putin und der Führer der Junta in Mali, Assimi im Juni des Vorjahres in Moskau

APA-Images/AFP/Pavel Bednyakov (Archivbild)

Von Malis Militärchef Assimi Goita gibt es seit den Angriffen vom Wochenende kein Lebenszeichen

Als größter Erfolg der Kooperation zwischen der malischen Militärjunta und den russischen Verbündeten gilt die Einnahme der als Tuareg-Hochburg herrschenden Stadt Kidal im Norden Malis im Jahr 2023. Nun dürften die Tuareg-Separatisten Kidal zurückerobert haben. Am Montagnachmittag erklärte das vom russischen Verteidigungsministerium kontrollierte Afrikakorps in den sozialen Netzwerken, dass sich seine Truppen nach heftigen Kämpfen aus der nordmalischen Stadt zurückgezogen hätten.

Zuvor hatten die Tuareg-Separatisten erklärt, dass sie eine „Vereinbarung“ getroffen hatte, die russischen Söldnern einen Rückzug aus Kidal ermögliche. Sahel-Experte Laessing spricht von einem „schweren Schlag für Russland“, da deren Söldner keine Informationen über die Angriffe gehabt hätten und nicht in der Lage gewesen seien, „die großen Städte zu schützen“.

Aufnahme von Kidal (Mali) von 2020

APA-Images/AFP/Souleymane ag Anara

Niederlage für den Kreml: Das russische Afrikakorps bestätigte den Abzug aus der Rebellenhochburg Kidal

„Massive Eskalation“ des bestehenden Konflikts

Die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS) verurteilte die Angriffe und rief „alle Staaten, Sicherheitskräfte, regionalen Mechanismen und die Bevölkerung Westafrikas dazu auf, sich zu vereinen und in einem koordinierten Kampf gegen diese Geißel zu mobilisieren“. UNO-Generalsekretär Antonio Guterres verurteilte die „Gewalttaten“ und rief zu koordinierter internationaler Unterstützung auf, um der „Bedrohung durch gewalttätigen Extremismus und Terrorismus in der Sahelzone zu begegnen“.

Mali galt als Vorzeigedemokratie, bis 2012 ein Militärputsch das Land ins Chaos stürzte. Mehr als zehn Jahre und zwei weitere Militärputsche später hat sich die Sicherheitslage stark verschlechtert: Dschihadistische Gruppen konnten sich im Land ausbreiten und operieren heute auch über die Grenzen hinweg in der gesamten Sahelzone.

Jean-Herve Jezequel, Direktor des Sahel-Projekts der International Crisis Group, bezeichnete die aktuellen Angriffe im Gespräch mit der „New York Times“ als „massive Eskalation“ des Konflikts in Mali. Seit 2022 hatten sich die Angriffe der JNIM auf städtische Zentren in den westafrikanischen Staaten Mali, Burkina Faso und Niger mehr als verdreifacht. „Während sich die anfängliche Strategie der JNIM vor allem auf die Eroberung ländlicher Gebiete konzentrierte, zielten sie nun auch auf Großstädte ab“, so Jezequel.

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