Vor allem in Tirol und Vorarlberg sei das Risiko im freien Gelände groß, hieß es von den Lawinenwarndiensten. Es galt überall die Warnstufe vier von fünf. Allein seit Freitag starben in Österreich sieben Menschen durch Lawinen, fünf davon in Tirol. In der gesamten Wintersaison 2024/2025 waren es acht gewesen.
Für die beiden westlichsten Bundesländer wurde am Wochenende AT-Alarm ausgelöst, die Behörden warnen über das Mobiltelefonservice des Innenministeriums vor großer Lawinengefahr und „sehr gefährlichen Verhältnissen“ abseits der gesicherten Pisten.
Gefahr neben der Piste
Skitourengeher uns Skitourengeherinnen schienen die Warnungen durchaus ernst genommen zu haben, sagte am Montag Susanna Mitterer vom Österreichischen Kuratorium für Alpine Sicherheit (ÖKAS) im Ö1-Mittagsjournal. Diese hatten oft flacheres Gelände oder Pistenskitouren vorgezogen. Unter den sieben am Wochenende tödlich verunglückten Personen seien keine Tourengeher gewesen. Alle seien als Variantenfahrer in ungesichertem Gelände unterwegs gewesen.
Werden die Warnungen nicht ernst genug genommen? Es gebe durchwegs einen flächendeckenden und professionellen Lawinenwarndienst, sagte der Landesleiter des Österreichischen Bergrettungsdienstes (ÖBRD) für Tirol, Ekkehard Wimmer, in Ö1. Es braucht mehr Respekt vor dem Berg, Prävention und Ausbildung sind sehr wichtig, man muss darauf achten, Skitouristen besser zu erreichen, noch besser zu kommunizieren. Man gehe auch bei Sturmwarnung nicht in das offene Meer hinaus, so Wimmer.
Kritisch spätestens ab Stufe vier
In Österreich gibt es gemäß der Europäischen Lawinenskala fünf Warnstufen: „gering“, „mäßig“, „erheblich“, „groß“ und „sehr groß“. Kritisch wird es spätestens mit vier, wo Lawinen bereits bei geringer Belastung der Schneedecke spontan ausgelöst werden können.

Warnungen sollen Gehör finden
Der Tiroler Lawinenwarndienst bemüht sich aktuell, eine, wie es am Montag hieß, „verständlichere Sprache“ zu finden, um Wintersportler besser erreichen zu können. Man wolle weg von starken technischen Begrifflichkeiten hin zu solchen, die für möglichst alle intuitiv verständlich seien – mehr dazu in tirol.ORF.at.
Zur Situation nach dem Wochenende hieß es am Montag, Lawinen könnten in allen Expositionen einzelner Wintersportlern ausgelöst werden, auch als Fernauslösung aus flachen Gebieten. Die Gefahrenlage nimmt mit der Höhe zu. „Für Aktivitäten abseits gesicherter Bereiche sind die Verhältnisse sehr gefährlich“, hieß es im Vorarlberger Warnbericht.
Risiko auch noch zu Wochenbeginn groß
Vereinzelt seien sehr große Spontanlawinen möglich, die bis in tiefere Lagen abgehen könnten. Durch die Neuschneemengen Ende letzter Woche sowie Windverfrachtungen sei die Schneedecke weiter sehr instabil. Viele große und sehr große Lawinenabgänge und Auslösungen durch Wintersportler bestätigten die Störanfälligkeit der Schneedecke. In den nächsten Tagen soll die Lawinengefahr allmählich zurückgehen, „wobei die Situation für Wintersportler sehr heikel bleibt“.
Auch in Tirol sprachen die Experten von entstandenen Triebschneeansammlungen, die an allen Ausstellungen störanfällig blieben. Die Gefahrenstellen sind zahlreich, insbesondere im Bereich der Waldgrenze sowie darüber. Sehr vereinzelte spontane Lawinen sind weiterhin nicht ganz ausgeschlossen. Darüber hinaus sind viele kleine und vereinzelt mittlere Nass- und Gleitschneeflocken möglich.
Rettungskräfte am Wochenende im Dauereinsatz
Rettungskräfte, Behörden und Einsatzorganisationen waren vergangene Woche und am Wochenende vor allem in Tirol im Dauereinsatz. Es gab 40 Lawineneinsätze, Lawinenkommissionen rückten 245-mal aus, die Situation sei weiterhin kritisch, hieß es, nachdem die Schneedecke nur langsam an Stabilität gewinne – mehr dazu in tirol.ORF.at. Auch das Bundesheer stand zu Wochenbeginn weiter im Assistenzeinsatz.
Lawinenwarnsystem steht auf dem Prüfstand
Nach dem vergangenen Wochenende wird die Wirksamkeit des österreichischen Lawinenwarnsystems in Zweifel gezogen. Denn allein in diesen Tagen sind sieben Menschen bei Lawinenabgängen ums Leben gekommen.
Seit dem 15. Februar kamen (mit Stand Montagabend) in Österreich zwölf Wintersportler durch Lawinen ums Leben, neun davon in Tirol. Darunter war ein Tourengeher, die überwiegende Mehrheit verunglückte im Nahbereich von Skipisten, so das ÖKAS. Trotz Warnungen waren Variantenfahrer im ungesicherten Gelände unterwegs gewesen.
Hubschrauber startete in den Ferien 70-mal pro Tag
Auch die ÖAMTC-Flugrettung zog am Montag Bilanz über die Einsätze in der Semesterferienperiode zwischen 31. Januar und 22. Februar, bei denen neben internistischen und neurologischen Notfällen vor allem auch Wintersportunfälle eine bedeutende Rolle spielten. Die ÖAMTC-Notarzthubschrauber absolvierten insgesamt 1.605 Einsätze, durchschnittlich 70 Starts pro Tag.
Bei den Alarmierungen liegt Tirol mit 442 an der Spitze. Besonders häufig startete der Christophorus 4 in Kitzbühel (116 Einsätze), gefolgt vom „C6“ in Salzburg (99 Einsätze) sowie dem „C1“ in Innsbruck und dem „C14“ in Niederöblarn in der Steiermark (je 84 Einsätze).

