Die iranische Regierung sei bereit, „jede notwendige Hilfe zu leisten, um den Dialog zu erleichtern und das gegenseitige Verständnis sowie die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern zu stärken“, sagte der iranische Außenminister Abbas Araktschi via X.
Die Regierung in Moskau rief die russischen Staatsmedien zu einer Einstellung der Kämpfe auf und bot ebenfalls Vermittlung an. Russland ist das einzige Land, das die Taliban-Regierung offiziell anerkennt. Pakistan beriet sich auch mit Saudi-Arabien, wie das Außenministerium in Riad mitteilte.
China: Intensität des Konflikts höher als zuvor
Auch China wird vermitteln und rief zu einem raschen Dialog auf. „Als Nachbar und Freund ist China zutiefst besorgt über die Eskalation des Konflikts und zutiefst bestürzt über die dadurch verursachten Toten und Verletzten“, sagte die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Mao Ning, in Peking. Die Intensität des Konflikts sei diesmal höher als zuvor.
Kabul: Bewohner hören Explosionsgeräusche
Pakistan hat nach eigenen Angaben mehrere Ziele in Afghanistan angegriffen und einen „offenen Krieg“ verkündet. Bewohner in Kabul berichteten von Explosionen. Islamabad wirft Kabul seit Längerem vor, Terroristen zu beherbergen, die in Pakistan Anschläge verüben.
Streitigkeiten sollten durch Dialog gelöst werden, mahnte Mao. So schnell wie möglich müsste eine Feuerpause umgesetzt werden. China habe stets über eigene Kanäle im Konflikt zwischen beiden Seiten vermittelt und sei bereit, eine „konstruktive Rolle“ zu spielen, um eine Deeskalation zu erreichen. Peking beobachte die Lage genau. Staatsbürger in den beiden Ländern sagten der Regierung Unterstützung zu.
China hat mit beiden Ländern eine gemeinsame Grenze und unterhält sowohl zu den Taliban in Afghanistan als auch zu Pakistan gute Beziehungen, vor allem über Wirtschaftskooperationen. Nach Pakistan exportiert die Volksrepublik auch Waffen, unter anderem Kampfflugzeuge.
Pakistan: Unsere Geduld ist am Ende
Die pakistanische Regierung hatte am Freitag einen „offenen Krieg“ gegen die Taliban in Afghanistan verkündet. „Unsere Geduld ist am Ende. Jetzt herrscht offener Krieg zwischen uns und euch“, erklärte am Freitag der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Asif via X.

Zuvor hatte die pakistanische Regierung Ziele in der afghanischen Hauptstadt Kabul und in Kandahar angegriffen. Pakistans Informationsminister Attaullah Tarar gab die Angriffe in Kabul, Kandahar und der Provinz Paktia auf X bekannt. Der pakistanische Innenminister Mohsin Naqvi sagte, die Angriffe seien eine „angemessene Reaktion“ auf die „offene Aggression“ der Taliban. Verteidigungsminister Asif sprach von einer „umfassenden Konfrontation“ mit der Taliban-Regierung.
Der pakistanische Regierungschef Shehbaz Sharif sagte, die pakistanische Armee verfüge „über die volle Fähigkeit, alle aggressiven Ambitionen zu zerschlagen“. Die gesamte Nation stehe „Schulter an Schulter mit den pakistanischen Streitkräften“, hieß es in einer von der pakistanischen Regierung auf X veröffentlichten Erklärung weiter.
Tote und Verletzte
Der Sprecher der Taliban, Zabihullah Mujahed, sagte, pakistanische Streitkräfte hätten Luftangriffe in Teilen Kabuls, Kandahars und Paktias ausgeführt. Ein pakistanischer Regierungssprecher, Mosharraf Zaidi, bezeichnete die Angriffe auf X als „Reaktion auf unprovozierte afghanische Angriffe“. Zaidi zufolge wurden 133 Kämpfer der afghanischen Taliban getötet und mehr als 200 verletzt. Mujahed sprach dagegen von 55 getöteten pakistanischen Soldaten und acht getöteten Taliban-Kämpfern. Zudem seien 13 Zivilisten verletzt worden.

Reporter der Nachrichtenagentur AFP in Kabul meldeten laute Explosionen und Schussgeräusche über einen Zeitraum von mehr als zwei Stunden. Ein Zeuge der Angriffe sagte der Nachrichtenagentur Reuters, in der Hauptstadt seien Explosionen und Sirenen zu hören. Im südafghanischen Kandahar, wo der Taliban-Anführer Hibatullah Akhundzada seinen Sitz hat, berichtete ein AFP-Journalist von Flugzeuggeräuschen.
Taliban greifen Militäreinrichtungen an
Am Donnerstag hatten die afghanischen Streitkräfte nach Angaben der Taliban eine „breit angelegte“ Offensive gegen pakistanische Militäreinrichtungen im Grenzgebiet gestartet. Dabei wurden 15 Außenposten der pakistanischen Armee eingenommen und „dutzende“ pakistanische Soldaten getötet. Weitere pakistanische Soldaten wurden verletzt oder gefangen genommen.
Auf afghanischer Seite wurden bei der Offensive nach Angaben des Verteidigungsministeriums der Taliban acht Soldaten getötet. Der Informationschef der afghanischen Provinz Nangarhar, Qureshi Badlun, meldete außerdem mehrere verletzte Zivilisten in einem Lager für vertriebene Afghanen aus Pakistan nahe dem Grenzübergang Torkham. Das pakistanische Informationsministerium warf den afghanischen Streitkräften vor, „unprovozierte“ Angriffe an mehrere Orte in der pakistanischen Grenzprovinz Khyber Pakhtunkhwa ausgeführt zu haben.
Islamabad: Luftangriffe Reaktion auf Anschlag
In der Nacht am Sonntag hatte die pakistanische Armee Luftangriffe im Grenzgebiet geflogen. Nach Angaben der UNO-Vertretung in Afghanistan wurden dabei mindestens 13 Zivilisten getötet, die Taliban sprachen von mindestens 18 Toten. Sie wiesen pakistanische Angaben zurück, dass mindestens 80 afghanische Kämpfer getötet worden seien.
Aus Islamabad hieß es, die Angriffe seien eine Reaktion auf einen Bombenanschlag auf eine schiitische Moschee in der Hauptstadt und weitere Anschläge im Nordwesten Pakistans. Den Anschlag auf die Moschee in Islamabad vor zwei Wochen, bei dem 31 Menschen getötet und mehr als 160 verletzt worden waren, hatte die dschihadistische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für sich reklamiert.
Der Konflikt verschärft sich seit der Taliban-Machtergreifung
Die pakistanische Regierung wirft den radikalislamischen Taliban vor, nicht gegen militante Gruppierungen vorzugehen, die von Afghanistan aus Angriffe im Nachbarland verüben. Im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan kommt es immer wieder zu tödlicher Gewalt. Seit der Rückkehr der Taliban an die Macht in Afghanistan im August 2021 haben sich die Konflikte verschärft.
Im vergangenen Oktober wurden bei einwöchigen Kämpfen zwischen Pakistan und Afghanistan im Grenzgebiet mehr als 70 Menschen getötet und Hunderte verletzt. Die beiden Nachbarländer vereinbarten zwar schließlich unter Vermittlung Katars und der Türkei eine Waffenruhe, konnten sich aber in mehreren folgenden Verhandlungsrunden nicht auf eine dauerhafte Vereinbarung einigen.

