Zypern ist das EU-Land, das der Krisenregion im Nahen Osten geografisch am nächsten liegt, es liegt rund 150 bis 250 Kilometer vom Libanon und von Israel entfernt. Groß ist die Sorge auf der Insel, dass der Tourismus nachhaltig einbrechen könnte, macht er doch bis zu 15 Prozent der Wirtschaftsleistung aus.
Anfang März traf eine Drohne iranischer Bauart den britischen Luftstreitkräftestützpunkt RAF Akrotiri bei Limassol und verursachte leichte Schäden. Frankreich, Griechenland und andere EU-Staaten verlegten daraufhin Marineeinheiten und Luftabwehrsysteme nach Zypern. Inzwischen betonen die Behörden, dass Zypern nicht Teil des Konflikts ist – „im Gegenteil, es tritt als Säule des Friedens und der Stabilität auf“, sagte Tourismusminister Kostas Koumis.
Welle an Stornierungen auf Zypern
Doch der Schaden war angerichtet, Stornierungen schossen in die Höhe, Buchungen blieben aus: Der zypriotische Hotelverband verzeichnete im März einen Rückgang um fast 40 Prozent und einen ähnlichen Nachteil für April, wie der Generaldirektor des Verbandes, Christos Angelides, gegenüber Reuters erklärte. Die USA fordert ihre Staatsbürger und -bürgerinnen dazu auf, geplante Reisen nach Zypern zu überdenken, das Außenministerium in Wien vermerkt derzeit ein Sicherheitsrisiko.
Ähnlich exponiert wie Zypern ist die griechische Insel Kreta, und auch hier befindet sich ein Militärstützpunkt westlicher Mächte: die US-Basis Naval Support Activity (NSA) in Souda Bay nahe der Stadt Chania. Reisehinweise oder -warnungen für Griechenland liegen derzeit nicht vor, leichte Turbulenzen sind aber auch dort zu bemerken. Aegean Airlines, die größte Fluggesellschaft des Landes, verzeichnete seit Beginn des Iran-Konflikts einen zweistelligen Rückgang bei den Sommerbuchungen aus Israel und den Golfstaaten.
Griechenland „in Abwartephase“
„Wir befinden uns in einer Abwartephase“, sagte George Vernicos, Generalsekretär des griechischen Tourismusverbands SETE, gegenüber Reuters. Zwar gebe es einen Nachfragerückgang aus den größten Griechenlands in Nordeuropa und den Vereinigten Staaten, „doch das Jahr verläuft weiterhin positiv, auch weil die Dynamik vor Kriegsbeginn recht hoch war“.

Auch an der Türkei, einem der beliebtesten Urlaubsziele weltweit, zieht der Krieg nicht spurlos vorüber. Touristen und Touristinnen aus dem wichtigen Herkunftsland Iran, die bisher das im März stattfindende Neujahrs- und Frühlingsfest in Newrouz im Nachbarstaat verbracht hatten, blieben dieses Jahr völlig aus.
Türkei beruhigt
Kaan Kavaloglu, Vorsitzender des Verbandes der Hoteliers und Betreiber von Tourismusbetrieben im Mittelmeer (AKTOB), bemühte sich aber um Beruhigung: In beliebten Orten wie Istanbul, Bodrum und Antalya bestehe keine Gefahr für Urlauber, auch habe es dort bisher nicht aufgefallend viele Stornierungen gegeben.
Vor Stornierungen ist derzeit allerdings kein Urlaubsland gefeit, auch Österreich nicht. Bei arabischen Urlauberinnen und Urlaubern sowie bei Gästen aus Israel und Fernost ist es laut Österreichischer Hotelvereinigung (ÖHV) bereits zu ersten Absagen gekommen. Bei diesen Reisenden sind normalerweise Wien, Tirol und vor allem Salzburg beliebt.
„Die Hotspots merken es natürlich überdurchschnittlich und dort wieder die 4- und 5-Sterne-Hotellerie – die hat es wirklich hart getroffen, die spüren es massiv“, sagte ÖHV-Sprecher Martin Stanits gegenüber der APA. Einzelne Häuser sind auf diesen Herkunftsmärkten konzentriert.
Salzburg wartet ab
„Wir werden vor dem Sommer sicher Geschäft verlieren“, sagte der Geschäftsführer der Salzburger Land Tourismus GmbH, Leo Bauernberger. In dem Bundesland entfielen zuletzt rund vier Prozent der jährlichen mehr als 30 Millionen Hotelnächtigungen auf den arabischen Raum. Noch sei aber genügend Zeit bis zur Sommersaison, erst dann beginnt die intensive Reisezeit für arabische Gäste – mehr dazu in salzburg.ORF.at.

Reisende aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien gehören mit durchschnittlichen Tagesausgaben (ohne An- und Abreise) von 531 Euro bzw. 491 Euro pro Person laut Tourismusmarketing-Organisation Österreich Werbung (ÖW) zu den ausgabenfreudigsten. Zum Vergleich: Urlauberinnen und Urlauber aus Österreich geben täglich 179 Euro aus.
Fehlende Besucher aus Fernost
Das Geschäft mit Reisenden aus Asien ist durch den Krieg ebenfalls beeinflusst. „Was wir noch merken, sind die Gäste aus Fernost – da haben wir rückläufige Zahlen“, sagte Stanits. Alle, die normalerweise über die Drehkreuze Dubai oder Doha fliegen, müssten nun längere Ausweichrouten zu höheren Preisen für ihre Städtetrips und Reisen in Europa buchen.
„Für den Sommer erwarten wir hier Rückgänge – teilweise merken wir es schon jetzt. (…) Für aktuell und für die kommenden Wochen ist storniert worden.“ Manche hatten auch bereits ihren Sommeraufenthalt abgesagt. „Einigen ist es zu unsicher, sie haben Angst, dass sie nicht wieder nach Hause kommen“, sagte Stanits. Wie viele Absagen dazukommen, hängen von der Dauer des Konflikts und der Wiederaufnahme der regulären Flugverbindungen ab.

