In Toulon, der größten Stadt mit ursprünglich guten Chancen auf das Bürgermeisteramt, kam der RN laut Prognosen auf 46,5 Prozent der Stimmen. Die Mitte-rechts-Kandidatin Josee Massi sicherte sich mit 53,5 Prozent den Sieg in der südfranzösischen Stadt, wie das Institut ELABE für den Sender BFM TV ermittelte.
In Marseille, der zweitgrößten Stadt des Landes, schlägt der linke Bürgermeister Benoit Payan seinen rechtspopulistischen Herausforderer Frank Allisio deutlich vor. Der RN hatte gehofft, durch einen Sieg in Marseille mit Rückenwind in die Präsidentschaftswahl im nächsten Jahr zu starten.
Auf mehr gehofft
Auch in Nimes schaffte es der RN nur auf Platz zwei. In Nizza landete mit Eric Ciotti immerhin ein parteifremder Verbündeter der Rechtsnationalen vorn. Zwar bezeichnete Le Pen das Ergebnis insgesamt als „immensen Sieg“. Aber der Blick nach vorne ist beim RN sicherlich auch der Tatsache geschuldet, dass die Rechtspopulisten trotz einzelner Gewinne hinter ihren Erwartungen zurückblieben.
In Paris setzte sich der Sozialist Emmanuel Gregoire gegen die konservative Ex-Ministerin Rachida Dati durch. Mit dem Sieg baut das linke Lager seine Macht in der französischen Hauptstadt weiter aus. Die Sozialisten regieren dort seit 25 Jahren und haben ein ökologisches Stadterneuerungsprojekt vorangetrieben, das bei vielen Wählern Anklang fand.
Appelle und Stimmungsmache des Parteichefs
RN-Chef Jordan Bardella sprach am Wahlabend trotz der nicht erreichten Ziele seiner Partei vom „Beginn eines Machtwechsels“, der bald auch auf nationaler Ebene vollzogen werden solle. Auch der Vorsitzende der linkspopulistischen LFI, Manuel Bompard, rief die Französinnen und Franzosen auf, sich seiner Partei mit Blick auf die Präsidentschaftswahl anzuschließen.
Der Chef der Konservativen, Bruno Retailleau, betonte seine Ambitionen auf das Präsidentenamt und forderte einen radikalen Bruch, womit er sich indirekt gegen einen gemeinsamen Kandidaten des Mitte-Rechts-Lagers aussprach.
Auftakt zur Spitzenkandidatensuche
Wenn im kommenden Frühjahr ein neuer Staatschef oder eine neue Staatschefin gewählt wird, kann Präsident Emmanuel Macron nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Derzeit erhalten Le Pen und ihr politischer Ziehsohn Bardella in Umfragen die größte Zustimmung für eine Kandidatur. Sowohl die politische Linke als auch das Mitte-rechts-Lager haben sich bisher nicht auf eine Kandidatin oder einen Kandidaten geeinigt. Nun dürfte aber Tempo in die Debatte kommen.
Der frühere Premierminister Edouard Philippe verteidigte seinen Bürgermeisterposten in Le Havre und brachte sich damit als potenzieller Präsidentschaftskandidat der politischen Mitte in Stellung. Ex-Premier Francois Bayrou hingegen unterlag in Pau knapp. Ihm wurde zwar nicht nachgesagt, Staatschef werden zu wollen, doch sein schlechtes Abschneiden könnte bedeuten, dass seine Stimme unter den Mitte-Kräften an Gewicht verliert.
Linksparteien mit oder ohne LFI?
Innerhalb des linken Blocks könnten die Sozialisten eine Führungsrolle für sich beanspruchen. Auch darüber, ob Sozialisten, Kommunisten und Grüne mit der mitunter populistisch agierenden LFI gemeinsame Sache machen wollen, dürfte intensiv diskutiert werden.
In mehreren Städten wie Limoges und Besançon, in denen sich die Parteien mit der LFI zusammentun, reichte es den Hochrechnungen nicht für einen Sieg. In Lille und Rennes hingegen schlossen die anderen linken Parteien kein Bündnis mit der LFI und gewannen.
Nur bedingt Rückschlüsse möglich
Bei der Kommunalwahl waren dem renommierten Meinungsforschungsinstitut Ipsos zufolge für fast neun von zehn Wählern lokale Themen ausschlaggebend. Immerhin gut 40 Prozent fanden aber auch die politische und wirtschaftliche Lage auf nationaler Ebene entscheidend. Die Kommunalwahlen zeigen, welche politischen Allianzen in der zunehmend zersplitterten Parteienlandschaft Frankreichs möglich sind. Dennoch wird lokal und national teils unterschiedlich gewählt, auch weil einige Parteien wie Rassemblement National und Macrons Renaissance in den Kommunen noch immer eher schlecht verankert sind.

