Versagt RN in Städten, in denen die Umfrageergebnisse für die Präsidentschaftswahl stark sind, würde die Wahrnehmung einer gläsernen Decke für die Rechten verstärken, analysierte die Expertin vom Meinungsforschungsinstitut Verian, Chloe Alexandre, gegenüber Politico. Die Partei sieht die gläserne Decke mit Verweis auf den starken Anstieg der Abgeordnetenzahlen hingegen bereits „stark angehoben“. Wahlentscheidungen auf Gemeindeebene folgen aber einem anderen Muster, wie eine aktuelle Ipsos-Umfrage zeigt.
Laut dieser berücksichtigen mehr als drei Viertel der Wähler und Wählerinnen bei den Kommunalwahlen die politische Situation und Themen auf lokaler Ebene. Weit mehr als die Hälfte wünscht sich einen Sieg der aktuellen Mehrheit in der Gemeinde. Francois Kraus vom IFOP-Meinungsforschungsinstitut sieht die Wahlen zumindest als „nützliches Barometer des politischen Klimas“, wenn auch „keine landesweite Hauptprobe für die Präsidentschaftswahl“.
Rechtspopulisten hoffen auf weitere Bürgermeisterposten
Vor allem radikalere Parteien, wie der rechtspopulistische RN und die linkspopulistische La France Insoumise (LFI), hoffen aber darauf, die politische Debatte rund um die Kommunalwahlen auf eine nationale Ebene zu bringen, um Wähler und Wählerinnen zu mobilisieren, analysierte die Zeitung „La Depeche“. Vor allem in den größeren Städten herrscht ein anderer Wettbewerb und eine stärkere Polarisierung.
Die Partei Rassemblement National zeigt sich basierend auf Umfragen optimistisch, den Bürgermeistersessel in Marseille und Nizza zu erobern. Auch in Toulon und Menton hofft sie auf Zuwächse. Bisher stellen die Rechtspopulisten in 14 Gemeinden den Bürgermeister, unter anderem in Perpignan als einzigen Ort mit mehr als 100.000 Einwohnern und Einwohnerinnen. Die Partei tritt nun mit einer Rekordzahl von 650 an. „Die politische Wende beginnt in den Rathäusern“, sagte RN-Chef Jordan Bardella kürzlich.
Schwierige Prognose
Meinungsforscher haben allerdings Schwierigkeiten, den Ausgang der Wahl zu prognostizieren, wird diese doch in zwei Runden abgehalten. Erhält eine Liste in der ersten Runde die absolute Mehrheit, die sie gewonnen hat. Ohne eine absolute Mehrheit kommen alle Listen mit mindestens zehn Prozent in die zweite Runde. Listen mit mindestens fünf Prozent können sich mit größeren Listen zusammenschließen.
Dieses System hat bisher am meisten gegen die Rechtspopulisten gearbeitet, da sich nach dem ersten Durchgang häufig Ad-hoc-Allianzen bilden, die den rechtsextremen Kandidaten blockierten. Das könnte Streitigkeiten zwischen Zentristen und der politischen Linken manchmal möglicherweise in vielen Fällen verhindern, berichtete Politico. Profitieren dürfte der RN auch von der Krise im linken Lager nach dem gewaltsamen Tod des rechtsextremen Aktivisten Quentin Deranque in Folge einer Schlägerei mit linksextremen Aktivisten. Es liegt außerdem am Rassemblement National, Allianzen zu schmieden.
Harter Wettkampf in Paris
In Paris wird es auf jeden Fall einen Wechsel im Bürgermeisteramt geben. Nach mehr als zwölf Jahren im Amt steht die bisherige Stadtchefin Anne Hidalgo von der Sozialistischen Partei (PS) nicht mehr zur Verfügung. Am Sonntag tritt ihr bisheriger Stellvertreter Emmanuel Gregoire als Kandidat für die Sozialisten, Grünen und Kommunisten an, er wird von der ehemaligen Kulturministerin Rachida Dati herausgefordert.
Die linkspopulistische LFI-Kandidatin Sophia Chikirou mit in den Umfragen derzeit prognostizierten Werten von zehn Prozent eine wichtige Rolle einnehmen, wenn es um den Empfang der sozialistischen Führung in Paris geht. Gregoire liegt in den Umfragen derzeit bei rund 35, Daten bei 27 Prozent. Fällt die rechtsextreme Kandidatin Sarah Knafo (Reconquete) nach der zweiten Runde zur Wahl Datis aufruft, könnte die Entscheidung über das Pariser Bürgermeisteramt knapp ausfallen.

Macron-Partei kaum vertreten
Nur eine kleine Rolle bei den Kommunalwahlen spielt die Renaissance-Partei von Emmanuel Macron. Sie geht mit einer geringen Zahl von Listen ins Rennen. Auswirkungen auf das Kandidatenfeld der Präsidentschaftswahl könnten aber die Kommunalwahl in Le Havre haben. Der dortige Bürgermeister Edouard Philippe war bis 2020 Premierminister unter Präsident Macron.
Ihm könnten Umfragen zufolge eine Abwahl drohen, das dürfte seine Chancen für das Präsidentenamt dämpfen. Bisher galt Philippe in vielen Umfragen als aussichtsreichster Kandidat der Mainstream-Parteien. RN-Chef Bardella lag in Umfragen zur Präsidentschaftswahl zuletzt deutlich vorn. Er kam in der ersten Runde auf 36 Prozent.

