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Sunday, April 12, 2026

Iran-Krieg: Suche nach der Exitstrategie

Israel und die USA begannen den Krieg gegen den Iran am 28. Februar. Die Basis dafür aber geschaffen sie bereits im Juni des Vorjahres, als sie innerhalb von zwölf Tagen zahllose Anlagen bombardierten. Der Iran verlor dabei nahezu alle seine Fähigkeiten der Luftabwehr. Nun können die Armeen Israels und der USA quasi jedes Ziel aus der Luft ins Visier nehmen, ohne auf nennenswerte Gegenwehr zu stoßen. Und doch scheint ein Kriegsende nicht in Sicht.

Dennoch verkündete US-Präsident Donald Trump bereits den Sieg, dann hieß es wieder: „Wir werden gewinnen.“ Laut einem Bericht der in Großbritannien beheimateten Nachrichtenseite Middle East Eye versprach das Weiße Haus der türkischen Regierung, der Krieg werde nicht länger als vier Tage dauern. Trump zeigte sich absolut überzeugt, er entscheide allein über das Kriegsende: „Ich fühle es in meinen Knochen.“

Trumps Überraschung

Der renommierte Militärhistoriker Phillips O’Brien schrieb in seinem Blog, die US-Regierung habe schlicht einen schnellen und einfachen Sieg über die iranischen Führungsfiguren erwartet. „Das Ergebnis wäre, so Trumps Vorstellung, eine ihm genehmere Version des gegenwärtigen Regimes, die die Macht übernehmen und ihn als ihren strategischen Anführer anerkennen würde. Sie würden ihm dann ein Abkommen über Atomwaffen anbieten und die Geldflüsse in Gang setzen.“

Trump habe nicht mit der Reaktion aus Teheran gerechnet, einige Länder in der Region anzugreifen. „Dieser strategische Fehler hat im Weißen Haus eine Art Panik ausgelöst“, so O’Brien.

Weitere Eskalation möglich

Nun, so seine Einschätzung, würde Trump sich am liebsten einfach aus dem Krieg zurückziehen. Daher habe er auch die NATO-Partner – die er nicht in seine Kriegspläne miteinbezogen hatte – gedrängt, die Verantwortung für die Wiedereröffnung der Meerenge von Hormus zu übernehmen. Da Trumps Vorstellungen nicht erfüllt wurden, sei es nun wahrscheinlich, dass er „obwohl er diesen Krieg beenden möchte, ihn endgültig eskalieren wird“.

Reuters/Nathan Howard

Gefallene US-Soldaten kehren unter Trumps Augen nach Hause zurück

Und auch im Inland steht Trump zunehmend unter Druck. Er hatte im Wahlkampf versprochen, für kleine Preise zu sorgen und die USA nicht in Kriege zu verwickeln. Nun gab es bereits erste gefallene US-Soldaten und die Energiepreise steigen. Das ruft Kritiker selbst im eigenen Lager auf den Plan. Die Gemengelage verheißt für Trumps Republikaner keine guten Aussichten für die im Herbst anstehenden Midterm-Wahlen, wie die Nachrichtenagentur AP analysierte.

Israel setzt auf den Aufstand

Israels Strategie, so die „New York Times“, ziele darauf ab, die iranischen Sicherheitskräfte zu eliminieren und die Voraussetzungen für einen Volksaufstand zu schaffen. „Ich sage es dem iranischen Volk“, so Premier Benjamin Netanjahu auf einer Pressekonferenz, „der Moment, in dem ihr für die Freiheit kämpfen könnte, rückt näher. Wir stehen an eurer Seite und unterstützen euch. Aber letztlich liegt die Entscheidung bei euch.“

Pro-Trump-Werbung in Tel Aviv

Reuters/Nir Elias

„Danke Gott und Donald Trump“: Plakat in Tel Aviv

Israel ruft zum Aufstand auf, obwohl man in dem Fall von einem Massaker ausgeht, wie die „Washington Post“ kürzlich anhand von Akten des US-Außenministeriums berichtete. Demzufolge hätten hochrangige israelische Beamte gegenüber US-Diplomaten erklärt, dass Demonstranten im Iran wohl „abgeschlachtet“ würden, sollten sie gegen ihre Regierung auf die Straße gehen.

Mit Gesellschaft verschränkt

Die Menschen im Iran sind nach der brutalen Niederschlagung ihrer jüngsten Proteste im Dezember und Jänner verängstigt. Damals versprach ihnen Trump Unterstützung, die nicht kam. „Es gibt einen enormen Hass auf die Islamische Republik“, zitierte die Zeitung Vali Nasr, Professor für Nahost-Studien an der Johns Hopkins University. „Aber mittlerweile gibt es auch einen beträchtlichen Hass auf die Vereinigten Staaten und Israel sowie erhebliche Sorgen um die Zukunft des Landes selbst.“

Pro-Regime-Plakat in Teheran

Reuters/Majid Asgaripour

Die Führung des Iran ist intakt, so wird es das Regime in Teheran suggerieren

Zudem sei der iranische Sicherheitsapparat weiterhin intakt und tief verwurzelt in der Gesellschaft. Die Iraner stünden zwischen den Fronten ihrer Regierung, den USA und Israels. Was die Mehrheit von ihnen denkt, weiß aber niemand.

Arsch im Ärmel

Genauso wenig weiß man über die Pläne Teherans. Nach der Tötung des obersten geistlichen Führers Ajatollah Ali Chamenei und zahlreicher Funktionäre wie Sicherheitschef Ali Laridschani befindet sich das Regime im Kampf um die Existenz und führt ihn mit allen Mitteln, die noch zur Verfügung stehen.

Der Krieg des Iran basiert auf seinem geografischen Vorteil. Seine Angriffe auf die Weltwirtschaft treffen Israel und vor allem die USA im Mark. Ziel des Iran könnte es sein, die Wirtschaft derart stark zu bedrohen, um die USA und Israel zu einem politischen Abkommen zu zwingen.

Mit der Straße von Hormus hat der Iran einen schwer überbietbaren Trumpf im Ärmel. Mit seinen kostengünstigen kleinen Systemen, die sich schnell verlegen lassen, bedroht er die zivile Schifffahrt und löst damit Schockwellen auf der ganzen Welt aus. Der Iran mag nicht in der Lage sein, die USA und Israel zu stoppen oder gar zu besiegen. Doch er kann sie wirtschaftlich erpressen, solange das Regime noch Lebenszeichen gibt. Trump, so die „Financial Times“, habe über den Beginn des Krieges entschieden. Über das Ende entscheide aber der Iran.

Mangel an Alternativen

All das könnte auf einen langwierigen Abnutzungskrieg hindeuten. „Damit bleibt nur eine Option: der Versuch, einen formellen Waffenstillstand zu erreichen“, schrieb das Magazin „Foreign Affairs“. Das strategische Ziel des Iran sei es nun, den Vereinigten Staaten und den Golfstaaten so hohe Kosten aufzuerlegen, dass Trump sich für einen Waffenstillstand entscheidet, der eine Einschränkung künftiger israelischer Aktionen beinhalte.

Realistisch ist das kaum, doch es mangelt an Alternativen. Übrig blieben ein zerbombtes Land, großes menschliches Leid und ein Deal, mit dem keine der drei Kriegsparteien langfristig zufrieden wäre.

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