EU-Ratspräsident Antonio Costa warnte angesichts der jüngsten Drohungen von US-Präsident Donald Trump: „Jeder Angriff auf zivile Infrastruktur, insbesondere auf Energieanlagen, ist illegal und inakzeptabel“, erklärte Costa am Montag in Onlinediensten. „Das gilt für den Krieg Russlands in der Ukraine und das gilt überall.“
Die iranische Zivilbevölkerung sei „das Hauptopfer des iranischen Regimes“, sagte Costa. Sie wären auch „das Hauptopfer einer Ausweitung des Militäreinsatzes“.
Die Europäische Union fordere außerdem Teheran dazu auf, Angriffe auf Länder in der Region „unverzüglich einzustellen“ und die uneingeschränkte Durchfahrt durch die de facto gesperrte Straße von Hormus zu ermöglichen, sagte Costa weiter. „Nach fünf Wochen Krieg im Nahen Osten ist klar, dass nur eine diplomatische Lösung die Ursachen beseitigen kann.“
IKRK: „Nicht vertretbar“
Die Präsidentin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Mirjana Spoljaric, äußerte ebenfalls scharfe Kritik. „Vorsätzliche Drohungen gegen lebenswichtige zivile Infrastrukturen und Nuklearanlagen – ob verbal oder konkret – dürfen in Kriegszeiten nicht zur neuen Norm werden“, sagte sie. Ein Krieg ohne Grenzen sei mit dem internationalen Recht nicht vereinbar, das sei „nicht vertretbar, unmenschlich und verheerend für ganze Bevölkerungsgruppen“.
US-Präsident Trump hat mit der Zerstörung von Kraftwerken und Brücken im Iran gedroht, sollte die Straße von Hormus nicht bis zum Ablauf einer bis Dienstag gesetzten Frist geöffnet werden. Zugleich äußerte er sich zuversichtlich, dass zuvor noch eine Einigung erreicht werden könnte.
Seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar ist die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports verläuft, durch das iranische Militär de facto gesperrt. Die Meerenge zwischen der Arabischen Halbinsel und dem Iran wird von der iranischen Revolutionsgarde kontrolliert. Außerdem beschoss der Iran Ölanlagen in mehreren Ländern der Golfregion sowie Öltanker. Diese Entwicklungen ließen die Öl- und Gaspreise in die Höhe schnellen.
Weitere Angriffe auf zivile Ziele
Ungeachtet der internationalen Kritik setzen alle Seiten ihre Angriffe auch auf zivile Ziele fort. In Teheran wurde iranischen Angaben zufolge eine weitere Hochschule bombardiert. Bei den israelisch-amerikanischen Angriffen sei ein Gebäude der Scharif-Universität getroffen worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur IRNA.
Bereits in den vergangenen Tagen waren iranische Hochschulen angegriffen worden. Bildungsinstitutionen sind grundsätzlich eindeutig zivile Ziele. Unklar ist, warum die USA und Israel die Hochschulen angreifen. Dass laut iranischen Angaben dabei teils bunkerbrechende Bomben eingesetzt wurden, könnte möglicherweise ein Hinweis darauf sein, dass von den USA und Israel in den Untergeschossen etwa nukleare Forschungsbereiche vermutet werden.

Israelische Angriffe auf Petrochemie
Israel nahm am Montag verstärkt die petrochemische Industrie des Iran ins Visier: „Das israelische Militär hat den größten petrochemischen Komplex des Iran in Asalujeh, der etwa die Hälfte der petrochemischen Produktion des Landes ausmacht, mit voller Wucht angegriffen“, erklärte am Montag Verteidigungsminister Israel Katz.
Auch ein weiterer petrochemischer Komplex im Norden des Landes wurde nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars am Montag angegriffen.
Katz drohte außerdem mit weiteren Angriffen auf die Infrastruktur des Iran, Raketenangriffe auf die israelische Zivilbevölkerung sollten weitergehen. „Wir haben die Stahlinfrastruktur und die petrochemische Industrie schwer getroffen – und heute und an jedem weiteren Tag wird es weitergehen“, sagte Katz nach Angaben seines Büros.
Angriffe von drei Seiten auf Israel
Israel wurde am Montag gleichzeitig aus dem Iran, dem Libanon und dem Jemen angegriffen. Im Großraum Tel Aviv heulten bei Raketenangriffen aus dem Iran erneut die Warnsirenen, Menschen hielten sich in Schutzräumen auf. Die Küstenstadt Eilat im Süden des Landes wurde aufgrund von Medienberichten von Drohnen angegriffen, die aus dem Jemen geschickt worden waren. Dabei sei niemand verletzt worden.
Zudem habe es auch im Norden des Landes Angriffe durch die libanesische Hisbollah-Miliz gegeben. Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar ist es bereits mehrfach zu gleichzeitigen, offenbar koordinierten Angriffen der Verbündeten Iran, Hisbollah und Huthi-Miliz auf Israel gekommen. Die Angriffe richten sich dabei praktisch immer gegen zivile Ziele.
Die Kämpfe im Libanon gingen am Montag ebenfalls weiter. Laut Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden seit Beginn des Krieges fast 1.500 Menschen in dem Land durch die Angriffe, insbesondere jene Israels, getötet.

Iranische Angriffe auf Golfstaaten
Der Iran legte auch seine Angriffe auf die Golfstaaten fort. In Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde nach einem Angriff auf eine Industrieanlage eine Person durch Trümmerteile eines abgeschossenen Geschosses verletzt, wie das zuständige Medienbüro am Montag auf der Plattform X mitteilte. Drei weitere Personen wurden bei anderen Angriffen verletzt.
In Kuwait wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Vormittag (Ortszeit) im Norden des Landes Geschoße aus dem Iran abgefangen und sechs Menschen durch herabfallende Trümmerteile verletzt. Auch Saudi-Arabien meldete Angriffe.

